Pastinakensuppe mit Kokosschaum

(…oder über meine Erkenntnisse, dass ich Schrumpelknie habe…)

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Ostern ist seit ein paar Tagen erfolgreich ad acta gelegt und nun warte ich sehnsüchtig darauf, dass endlich mal die Sonne scheint und die nicht gefundenen Schokoladeneier in der Wiese schmelzen. Damit ist die Gefahr, dass ich sie beim Rasenmähen finde und gierig in den Mund stopfe nämlich im Keim erstickt. In der Sonne geschmolzene Schokolade finde ich total eklig.

Der „Nachteil“ an Sonne und Wärme ist aber, dass man sich auch in der Klamottenwahl wieder völlig umstellen muss. Ab 18 Grad Außentemperatur sieht es einfach lächerlich aus, wenn man noch mit dickem Strickpulli umherläuft, nur weil er die Pfunde von Weihnachten und Ostern so schön wegschummelt. (Im Übrigen, finde ich, dass dieses Konzept nicht bei allen Menschen aufgeht… Zopf-Strick-Muster zum Beispiel befördert optisch sogar noch einige Kilos mehr auf den Leib, es sei denn man trägt Kleidergröße Zero…)

In dieser Woche traf ich mich mit einer Freundin zum After-Easter-Brunch. Ihre 15 jährige Tochter Kim saß mit uns am Tisch und irgendwann kam unweigerlich das Thema auf Klamotten und Modebewusstsein. Kim behauptete doch allen Ernstes, dass Ihre Mutter die am schlechtesten angezogene Mutter in Ihrer Klasse wäre, worauf mir fast mein Vollkornbrötchen im Hals hängen blieb. Daraufhin bekamen wir dann eine Einführung in die abstrakte Modewelt eines pubertierenden Teenagers, geprägt durch bildhafte Darstellungen von Instagram, Tumblr und Co und dem Satz: „Ihr habt ja noch nicht mal eine Jeans mit Löchern im Schrank!“ Zwei Flaschen Prosecco später, waren meine Freundin und ich davon überzeugt, dass wir echt im Mode-Aus geparkt haben.

Mit diesem Wissen bin ich dann nach House gefahren und habe mal einen intensiven Blick in meinen Kleiderschrank geworfen. Zugegeben…Spektakulär ist anders, aber zum Davonrennen fand ich es auch nicht. Ich sag mal so: ich sehe immer schwarz in meinem Kleiderschrank. Viel schwarz. Ich mag schwarz eben. Trotzdem hatte ich auf einmal das dringende Bedürfnis shoppen zu gehen.

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich (sehr frauenuntypisch) shoppen gehen hasse. Mag zum einen daran liegen, dass ich keine Standard-Norm-Körpergröße habe und gefühlt an alle Beine und Ärmel 15 cm drannähen könnte. Zum anderen finde ich Umkleidekabinen widerlich. Allein wenn ich den Vorhang zur Seite schiebe und mir ein Geruchsgemisch aus Parfum, Fuß- und Achselschweiß entgegenweht, könnte ich die Verkäuferin schon nach der Ausgabe von Kotztüten fragen. Noch dazu finde ich, dass das Licht und die Spiegel in diesen Zellen alles andere als vorteilhaft auf meine Figur und meinen Teint wirken.

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Also entschloss ich mich, mich im Internet inspirieren zu lassen und ohne das House verlassen zu müssen shoppen zu gehen. (In außerklamottigen Angelegenheiten unterstütze ich übrigens immer den Einzelhandel!). Nachdem ich in der Rubrik Hosen fast ausschließlich verschlissene Modelle mit Löchern an den Knien und Abnutzungsstellen an den Oberschenkeln gefunden habe, war ich ganz von Kims Meinung überzeugt. Ich brauche auf jeden Fall eine Hose mit Löchern…!!! Und schon wanderte eine solche Hose (natürlich in schwarz) in den Onlinewarenkorb. Lieferzeit 1 Tag, was für mich als ungeduldiger Mensch wie Musik in meinen Ohren klang.

Und tatsächlich klingelte am nächsten Tag der Postbote und überreichte mir mein Paket. Wie gesagt kann ich nicht behaupten eine Stangengröße zu tragen, weshalb ich die Hose direkt mal in 3 verschiedenen Größen bestellt habe. In der Beschreibung stand ja, kostenlose Rückgabe…Perfekt also!

Die Ernüchterung siegte aber viel schneller, als geplant, über die Euphorie. Als ich vorm Spiegel stand und mich in perfektem Licht in meiner neuen völlig zerrissenen Hose (welch Ironie) betrachtete, grauste es mir. Kim hatte in ihrer Ausführung irgendwie nicht bedacht, dass der Altersunterschied zwischen Ihr und ihrer Mutter, bzw. mir, bei so guten 20 Jahre plus liegen. Natürlich ist 20 Jahre ältere Haut auch nicht mehr mit so viel Spannkraft besäht. Nein, auch nicht am Knie! Und genau diese Stelle stach mir, dank textilfreiem Anblick, bedingt durch das Loch in der Hose, ins Auge. Himmel…Ich habe Schrumpelknie!!! Wie ein schwarzer Bilderrahmen umrahmte der noch intakte Stoff der Hose meine unschöne Kniepartie, die mir vorher so nicht aufgefallen war. Ein Fall für den Schönheitschirurgen? Äh, nein! Eher ein Fall die Hose schnell auszuziehen, wieder einzupacken und zurückzuschicken. Und oh Wunder, als ich die Hose ausgezogen hatte, waren meine Schrumpelknie verschwunden. Alles glatt und wunderbar. Oder lag es daran, dass sie nun nicht mehr in Szene gesetzt waren??? Ganz egal, die Hose musste weg!

Ich war dennoch leicht gefrustet, dass die Zeit von trendigen teuren zerstörten Hosen wohl für mich vorbei ist. Naja, und gegen Frust hilft bei mir eines immer: Kochen und Essen.  Also auf zum Kühlschrank und erst mal inspizieren was sich so als Frustheilmittel anbot. Ganz hinten in der letzten Ecke erblickte ich dann etwas, was mich sehr stark an meine gerade gesehenen Knie erinnerte… „Ach herrje, die habe ich ja total vergessen!“ schoss es mir durch den Kopf. Drei leicht verschrumpelte Pastinaken schauten mich traurig an und schrien förmlich danach erlöst zu werden. In einem Wahn von „Was-koche-ich-alles-an-Ostern“ habe ich vor über einer Woche Pastinaken gekauft und die armen Dinger ganz einfach im Kühlschrank vergessen.

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Noch mehr schrumpelige Anblicke konnte ich an diesem Tag wirklich nicht verkraften, weshalb ich die Pastinaken kurzerhand zu einer wunderbaren Suppe verarbeitet habe. (Mit meinen Knien konnte ich das ja schlecht machen *lach)

Ach und was war das Süppchen köstlich. Und tröstlich. Und wärmend. Und hat gar nicht verschrumpelt geschmeckt. Im Gegenteil, ich finde ja, dass das Pastinakenaroma sogar dadurch noch viel besser durchkam!

Und deshalb mein Fazit zu diesem Tag: Reife Früchte sehen vielleicht stellenweise nicht mehr so schön aus, aber sind auf jeden Fall besser als zu junges Gemüse!

Wer an Schrumpelknien leidet oder schrumpelige Pastinaken verwerten muss, hier das Rezept:

5.0 from 3 reviews
Pastinakensuppe mit Kokosschaum
 
Author:
Serves: 4
Ingredients
  • 50 g Schalotten
  • 150 g Kartoffeln
  • 600 g Pastinaken
  • 40 g Butter
  • 1,2 l Gemüsebrühe
  • 250 ml Schlagsahne
  • Salz
  • Muskat
  • Thymian
  • 1 El Öl
  • Pfeffer
  • 150 ml Kokosmilch (ungesüßt)
Instructions
  1. Die Schalotten fein würfeln.
  2. 150 g Kartoffeln und
 600 g Pastinaken schälen.
  3. Ca. 100g Pastinaken fein würfeln und beiseitestellen.
  4. Kartoffeln und restliche Pastinaken grob in Würfel schneiden.
  5. Die Butter in einem Topf zerlassen.
  6. Schalotten, grobe Pastinakenwürfel und Kartoffeln darin glasig andünsten.
  7. Mit 1,2 l Gemüsebrühe und 250 ml Schlagsahne auffüllen und zugedeckt aufkochen.
  8. Mit Salz und Muskat würzen. Offen weitere 20 Minuten kochen.
  9. Suppe mit dem Schneidstab fein pürieren und beiseite stellen.
  10. Das Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die restlichen Pastinaken darin 10 Minuten bei mittlerer Hitze braten, bis sie weich sind.
  11. Die Kokosmilch in einem Topf kurz aufkochen und mit dem Pürrierstab gründlich aufschäumen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  12. Suppe erwärmen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit der Einlage und dem Kokosschaum in Tellern oder einer Tasse anrichten und mit Thymianblättchen bestreuen.

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So, und jetzt wisst Ihr auch warum ich einen Food- und keinen Modeblog habe…!

Frühlingshafte Grüße an Euch!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

 

 

 

 

 

 

 

10 Comments on Pastinakensuppe mit Kokosschaum

  1. Natja
    2. April 2016 at 16:22 (1 Jahr ago)

    Das Süppchen würd ich nehmen … auch ohne Schrumpelknie ;-)
    War den ganzen Tag im Garten unterwegs und habe ob der warmen Sonnenstrahlen den Wind unterschätzt … jetzt ist mir sch…kalt.

    Antworten
    • Tanja
      21. April 2016 at 15:08 (1 Jahr ago)

      Hey Natja,
      niiiiiemals im Traum hätte ich daran gedacht, dass Du unter Schrumpelknien leidest… Nicht mal nach Hardcore-Gartenarbeit…. :)
      Und Suppe geht irgendwie immer-zumindest bei mir, auch wenn die Temperaturen so langsam steigen, bei Euch auch, oder?
      Ganz liebe Grüße zu Dir
      Tanja

      Antworten
  2. Clemens
    2. April 2016 at 18:47 (1 Jahr ago)

    Liebe Tanja,
    ich bin wieder hier in meinem Revier…..auch wenn das eine Zeile eines Songs von Marius Müller-Westernhagen ist, so trifft sie doch auch bei mir zu! Vielleicht hast du mich ja sogar ein wenig vermisst???!!! Seit meinem letzten Kommentar sind ca. drei Monate (gefühlt mehr *zwinker*) vergangen, und wie du in deinem letzten Blog geschrieben hast „…das Leben ist nun mal so….“, so kann ich das nur heftig bejahen. Umso mehr freue ich mich, jetzt endlich wieder „meinen Senf“ zu deinen Beiträgen geben zu können. Ach, liebe Tanja, wenn dir meine Kommentare nur ein kleines bisschen gefehlt haben wie mir selbst, dann zaubert mir das ein ganz fettes Grinsen auf mein Gesicht. Ich habe in der vergangenen Zeit, wann immer ich Gelegenheit hatte, jeden deiner Beiträge gelesen und deine Texte verschlungen, mich vor Lachen daran verschluckt aber auch deine Rezepte und Fotos gedanklich „geliked“. Nach wie vor ist dein Blog für mich ein ganz besonderer. Ja, und wie man über verschrumpelte Pastinaken den Übergang zu verschrumpelten Knie und löchrigen Hosen findet – das gelingt nur dir *grins*. Ich kenne nur verschrumpelte Haut, wenn man zu lange in der Badewanne liegt… Pastinaken habe ich noch nie probiert, aber wegen dir d. h. wegen deines Rezepts werde ich mich mal am Süppchen versuchen aber mit Pastinaken ohne Schrumpel!!! Hahaha!!!
    Nach so langer Zeit meiner Kommentarenthaltsamkeit fühle dich bitte virtuell ganz fest umarmt! Clemens

    Antworten
    • Tanja
      21. April 2016 at 15:13 (1 Jahr ago)

      Oh juhuuuu…Clemens, da bist Du ja wieder!
      Wie schön von Dir zu lesen. Toll, dass Du wieder in Deinem Revier bist!
      Ich hoffe Dein Leben ist nun nicht mehr nur „so“, sondern „SO“- nämlich ganz toll, fröhlich, entspannt und wundervoll.
      Ehrlich…schön Dich wieder mal im House angetroffen zu haben.
      Und Pastinaken solltest Du tatsächlich mal versuchen. Die schmecken auch umschrumpelig sehr lecker.
      Ich hoffe sehr, Dich bald mal wieder hier zu Besuch zu haben.
      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Antworten
  3. Sandra
    2. April 2016 at 19:10 (1 Jahr ago)

    Liebe Tanja, heute habe ich mal wieder das House No. 15 besucht, und was empfängt mich? Eine Pastinakensuppe. Pastinaken habe ich noch nie gegessen. Du hattest mal eine Topinambursuppe gepostet. Die fand ich lecker. Beim Lesen deines Posts habe ich so etwas von gelacht. Du guckst in den Kühlschrank, findest verschrumpelte Pastinaken, machst daraus eine Suppe und schreibst einen witzigen Text. Dass die Tochter deiner Freundin euch beide auch noch zum Trinken von zwei Flaschen Prosecco gewissermaßen anstiftete; das ist hart….:o))) Ach, Mode wird sowieso überbewertet: was einem gefällt ist modern; sagte schon meine Oma! Zu ihrer Zeit gab’s Löcher in den Socken und nicht in den Hosen! Toller Blogbeitrag! …ach ja, und übrigens „schwarz ist das neue bunt!“
    Liebe Grüße
    Sandra

    Antworten
    • Tanja
      21. April 2016 at 15:34 (1 Jahr ago)

      Hey Sandra,
      ja ja die lieben Teenager… Übrigens hast sie an diesem Tag quasi Omas Socken an…MIT Löchern *lach
      Ich stehe auch auf dem Standpunkt: ’schön ist was gefällt und was einen kleidet‘
      Ich freue mich sehr, dich hier im House zu Besuch zu haben liebe Sandra! Und Pastinaken sind wirklich einen Test wert.
      Bis bald,
      liebe Grüße

      Tanja

      Antworten
  4. Krisi von Excusemebut...
    3. April 2016 at 8:50 (1 Jahr ago)

    Wunderschön geschrieben, da muss man doch grinsen und wird irgendwie auch zum Nachdenken angeregt=)
    Die Suppe sieht jedenfalls köstlich aus, und klingt auch sO!
    Liebe Grüsse,
    Krisi

    Antworten
    • Tanja
      21. April 2016 at 15:39 (1 Jahr ago)

      Hey Krisi,
      wie schön, dass Du Spaß beim Lesen hattest.
      Die Suppe hat wirklich lecker geschmeckt…und das Verschrumpelte war gar nicht mehr zu sehen. ;)
      Hab einen schönen Tag!
      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Antworten
  5. Karin
    5. April 2016 at 18:53 (1 Jahr ago)

    Liebe Tanja,
    es freut mich zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die mit zerschlissenen Hosen nichts anfangen kann. Den Trend gab es vor etwa 30 Jahren schonmal. Und glaube mir, es liegt nicht am alternden Schwabbelknie – ich fand die Hosen damals auch schon daneben und das, obwohl ich damals auch noch etwas knackiger war.
    Viele meiner Freunde (männlich und weiblich) haben sogar mit einer Feile nachgeholfen, um den erwünschten used look herzustellen.
    Die Pastinakensuppe würde ich allerdings auch nehmen. Gab es bei mir schon viel zu lange nicht mehr….
    LG
    Karin

    Antworten
    • Tanja
      21. April 2016 at 15:45 (1 Jahr ago)

      Hallo liebe Karin,
      hihi, an den Trend von vor 30 Jahren erinnere ich mich auch. Damals hat sich meine Mutter schon geweigert mehr Geld für eine zerfetzte Hose auszugeben, als für eine intakte (heute verstehe ich sie bestens!) Ich hab dann auch die Feile und das Schmirgelpapier von meinem Papa zu Hilfe genommen…hat prima geklappt ;)
      Und Suppe geht irgendwie immer… ;)
      Ich freue mich sehr über Deinen Besuch hier im House :)
      Liebe Grüße
      Tanja

      Antworten

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