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Flanksteak | Wildkräuter | Birnensalsa | Papadam

{… vom Leben und leben lassen…}

Flanksteak

Die mit grünen Blütenranken beklebte Glastür schiebt sich automatisch vor mir auseinander und es fühlt sich an, als hätte ich meinen Kopf in einem Jutesack versenkt.
Ein Prise Muff, gepaart mit einem süßen klebrigen Duft empfängt mich. Ich bin angekommen, im Bio-Supermarkt.

Besinnliches einkaufen

Manch einer mag den Geruch ja mögen- ich nicht! Generell bin ich sowieso nicht so der Fan von diesem Markt und ziemlich froh, dass es mittlerweile fast alle sogenannten Superfood-Artikel auch in anderen Supermärkten zu kaufen gibt.
Es fängt schon damit an, dass ich beim Eintreten zur meiner rechten Seite eine ziemlich freudlose Kuchentheke vorfinde. In der Auslage sind trocken aussehende Dinge aus Sanddorn und Hirse, daneben salzfreie und butterlose (vegetarische!) Quichestücke, die aussehen als hätte der Kindergarten Backtag gehabt.
Die Obst- und Gemüseabteilung ist ok, auch wenn hier das Gemüse manchmal einen ziemlich schrumpeligen Second-Hand-Look hat. Aber das stört mich nicht weiter.

Eine andächtige Stille herrscht hier in diesem Laden. Man könnte meinen, die Menschen, die hier einkaufen seien zur Besinnung eingekehrt. Eine Frau in teuren Markenklamotten, ein etwas blasser Herr mit schütterem Haar und durchfallbrauner Hose, drei Jugendliche im Selbstfindungswahn (wir machen vegan, weil das auf Instagram gerade so in ist) und eine Frau mit Baby und Kinderwagen schieben mit ihren kleinen Einkaufswägen durch die übersichtlichen Regalreihen.
Tatsächlich sind hier die Wagen um einiges kleiner, als in meiner Supermarktkette um die Ecke.
Eigentlich wollte ich ja nur Mandelmehl und Gojibeeren kaufen, beschließe aber dann spontan mal eine kleine Entdeckungstour durch den Markt zu starten.

Die Fleischabteilung

Zielstrebig steure ich also die Fleischabteilung an. Äh…Abteilung, ist wohl etwas hochgegriffen. Ich halte vor einem Kühlregal mit abgepackter Bio-Wurst und eingeschweißtem Bio-Hühnchen von zertifizierten glücklichen Hühnern. Daneben ein in Folie verpacktes Steak mit der Dicke eines Schnitzels. Und dann bin ich auch schon durch mit der Fleischabteilung.
Dafür ist das benachbarte Kühlregal um so voller. Veggie Chicken Nuggests, Veggie Geschnetzeltes, Veggie Curry Wurst, Veggie Bolognese, Veggie Aufstrich nach Pfälzer Art, … Veggie, Veggie, Veggie. Irgendwie fühlt man sich hier als Fleischesser echt zweitklassig.
Wer hier immer mal mitliest weiß, dass ich großen Wert auf die Herkunft des Fleisches lege, was bei mir auf den Teller kommt (und das fängt schon bei der Haltung der Tiere an.!) Und ja, ich esse gerne Fleisch!
Deshalb mache ich mir den Spaß und gehe zu dem einzigsten Verkäufer hier in diesem Laden, den ich sehen kann. Er sitzt an der Kasse.

Flanksteak Einfach nur Hack

„Entschuldigung…“
Olaf (ich nenne ihn jetzt mal ganz klischeehaft so), ein ca. 30-jähriger, der aussieht, als würde er unter seinem Bett Klettverschluss-Sandalen sammeln, schaut fragen aus seiner Kassenzelle zu mir rüber.
Ich: „Ich suche Hack.“
Er: „Wie bitte?“
Ich: „Hack…“
Keine Antwort nur große Augen hinter dicker Brille.
Ich versuche ihm auf die Sprünge zu helfen: „Äh…Hack… Also Hackfleisch…!?“
„Aus Fleisch?“ will Olaf wissen.
„Natürlich aus Fleisch! Aus was denn sonst? Hackfleisch eben. Das Zeug was man durch den FLEISCHwolf dreht, um daraus Burger oder echte(!) Bolognese zu machen.“
Olaf wirft mir einen Blick zu, als hätte ich gerade gesagt, dass ich den letzten noch lebenden Pandabären der Welt durch den Wolf drehen wollte. „Nein, Hackfleisch haben wir nicht. Nur aus Soja.“

Die teuer gekleidete Damen, die in der Nähe der Kasse am veganen Kosmetikregal Cremes auf ihrem Handrücken testet, mischt sich ein: „Also Hackfleisch ist doch sowieso kein Fleisch! Man weiß ja nie was da drin ist! Man kann ja auch mal nur Beilagen essen oder die Hamburger aus Bohnen machen…!“
Ich dachte ich werde irre. Stellt Euch mal vor, Ihr ladet zum Grillen ein. Auf dem Grill das feinste Fleisch (vom Metzger Deines Vertrauens) und dann sagen Gäste wie Olaf oder diese Dame: „Für mich nur Bohnen. Hmmm… Bohnen, toll, ich liebe Bohnen, lecker!“

Ich schaue von der Frau zu Olaf und wieder zurück und alles in mir schreit „Hack, Hack, Hack!“
Am liebsten hätte ich vor dem Kassenfließband einen Hackfleischtanz aufgeführt, aber wahrscheinlich wäre ich dann direkt in die Kategorie „Mit-Rinderwahn-Infiziert!“ gerutscht.

Buntes Grau für alle

Leute, mal im Ernst: Ich gestehe jedem seine Ernährungsweise zu und jeder soll auf den Teller bringen, was einem guttut, schmeckt und gefällt. Und nicht, dass es hier falsch rüberkommt: Ich habe überhaupt nichts gegen die vegane Küche. Im Gegenteil! Hier und hier und hier gibt es ja mittlerweile auch wirklich genügend Beweise, dass ich auch gerne mal etwas Veganes auf den Tisch bringe!
Aber warum muss man immer alles so verbissen sehen? Das Leben ist doch nicht nur schwarz oder weiß. Mischen wir uns doch ein fröhliches Grau. Mal mit mehr weißem oder mal mit mehr schwarzem Anteil.

Ich bin dann ein paar Tage später zu meinem Metzger gegangen. Und wen treffe ich an der Theke? Olaf, der sich gerade ein dickes Stück Schweinebauch einpacken ließ. Bestimmt aus Soja….

Zur Feier des Tages und weil heute ja auch MEATwoch ist, gibt es (zwar kein Hack) aber FLEISCH:
Flanksteak mit Wildkräutersalat und Birnensalsa in einer Papadamschale.

Flanksteak | Wildkräuter | Birnensalsa | Papadam
 
Author:
Serves: 4
Ingredients
  • Birnensalsa:
  • 1 Birne (reif, aber fest)
  • 1 El Zitronensaft
  • 3 El Weißweinessig
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 rote Pfefferschote
  • 4 Stiele glatte Petersilie
  • Salz
  • Pfeffer
  • Papadam-Schale:
  • 4-6 Papadams
  • Öl oder Ghee zum Frittieren
  • Salat:
  • Wildkräutersalat mit essbaren Blüten
  • 800 g Flank Steak
  • Salz, Pfeffer
  • 5 EL Olivenöl
  • 2 EL Balsamico
  • 1 EL Wasser
  • 1-2 TL Akazienhonig
  • 1 TL Senf
Instructions
  1. Birne waschen, entkernen, fein würfeln und in eine Schüssel geben. Mit Zitronensaft und Essig mischen. Rote Zwiebel fein würfeln. Pfefferschote waschen, längs halbieren, entkernen und fein würfeln. Die Petersilie fein hacken und alles zu den Birnenwürfeln geben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  2. Öl oder Ghee in einem tiefen Topf erhitzen, dann die Papdams einzeln ins heiße Öl/Ghee geben und frittieren bis das Fladenbrot aufgeht. Dabei in der Mitte mit einem Kochlöffel herunterdrücken, so dass sich beim Frittieren eine Schale bildet. Die fertigen Papadam-Schalen auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen.
  3. Aus dem Olivenöl, Balsamico, Wasser Honig und Senf ein Dressing herstellen und mit Pfeffer und Salz abschmecken.
  4. Das Flank Steak parieren und auf dem Grill bei direkter Hitze von beiden Seiten scharf anbraten. Dann das Fleisch auf die indirekte Hitze legen und auf eine Kerntemperatur von 54 Grad (medium rare) gar ziehen. Danach das Flank Steak noch 2-3 Minuten ruhen lassen, mit Salz und Pfeffer würzen und dann quer zur Faser in Scheiben schneiden.
  5. Das Dressing an den Wildkräutersalat geben und diesen dann in die Papadamschalen füllen. Flank Steak darauf anrichten und Birnensalsa darüber geben. Eventuell mit essbaren Blüten ausdekorieren.

Bis bald,
Eure

Tanja

Dieses Rezept hat es übrigens in die aktuelle Ausgabe der Meat In geschafft. Schaut doch mal im Zeitschriftenhandel in Eurer Nähe. Die Zeitschrift ist großartig und für alle Fleischfans eine absolute Bereicherung im Dschungel der ganzen Koch- und Lebensmittelzeitschriften.

Männlichkeit vs. Schirmchengetränk

 

3.3

Was ist des Deutschen liebste Beschäftigung im Sommer? Grillen! Genau.

Hier oben in meinem beschaulichen Taunusörtchen, sieht man bei gutem Wetter, hinter den akkurat gestutzten Hecken oder den perfekt gestrichenen Gartenhäuschen, ständig weiße Rauchwolken aufsteigen. Man könnte glatt meinen, dass auf jedem der Grundstücke heimlich der persönliche Papst gewählt wird. Der ein oder andere Ortsansässige schwebt allerdings auch oft mit eben dieser gleichen Anmut durch die Gemeinde oder schiebt das eigene Papamobil in Form eines Rollators vor sich her. Ups, jetzt werde ich gemein. Vergesst das mit dem Rollator!

Natürlich wählen die Menschen hier nicht alle den eigenen Haus-Papst, eher wird das Grillgut mit Hingabe auf den polierten Markengrills hin und her gewendet und die köstlichsten Düften wehen durch die Straßen.
Gerade am letzten Wochenende, an dem hier oben auch, wie in ganz vielen Teilen Deutschlands, Rekordtemperaturen gemessen wurden, lag ein dichter Würstchen-Grill-Smog über dem Ort . Grillen ist ja bewiesener Maßen so ein Männerding. Der Chef grillt und das Frauchen bereitet Soßen und Salate zu. Und während der Grillmeister stolz in der eigenen Designer-Schürze mit der einen Hand locker die Grillzange schwingt, wird mit der anderen Hand der Bizeps trainiert. Schließlich erfordert es ja eine gehörige Portion Kraft, die Bierflasche immer zum Mund zu führen. Und was soll ich sagen? Der Herr am Grill macht es richtig, denn in allen Medien wurde geraten, daran zu denken, bei diesen Temperaturen viel zu trinken und sich nicht in der direkten Sonne aufzuhalten. Grillflammen sind ja keine direkte Sonne…

2

Bei den dazugehörigen Damen, die für die Organisation oder Herstellung der Beilagen verantwortlich sind, steht Bier nicht unbedingt auf dem 1. Platz der Getränkeliste. Zumindest nicht in dem Kreis meiner „Salat- und Soßen-Anricht-und-Deko-Feen“. Hier herrscht der Wunsch nach sommerlichen Schirmchengetränken vor. Sprich Cocktails oder auch alkoholische Mischgetränke genannt, die dann vielleicht noch ganz mädchen-like dekoriert oder in schönen Gläsern kredenzt werden.

7

So, und jetzt kommt die Herausforderung. Wie kombiniert man die pure Männlichkeit am Grill mit dem Schönsinn und der Weiblichkeit? Ganz klar: man beauftragt die Herren damit, sich sich an der Zubereitung des Schirmchengetränks zu beteiligen. Das „Stolze-Brust-schwill-an-Barometer“ schießt dadurch in ungeahnte Höhen und die verächtlichen Blicke auf das Getränk der Damen bleibt damit auch noch aus. Was will man mehr?

6

Deshalb gab es am Wochenende bei mir gegrillte Caipirinha.

Männer grillen die Limetten, Frauen mixen den Cocktail und schlürfen mit anerkennenden Blicken zu den Grillmeistern ihr 1A-Sommergetränk. Und da ja die Auflage war bei diesen Temperaturen gaaaaanz viel zu trinken, haben wir uns natürlich ganz brav, (wie Mädchen nun mal sind) daran gehalten. *hicks* (das Kleingedruckte, dass man hauptsächlich Wasser zu sich nehmen sollte, haben wir irgendwie überlesen. Aber schließlich waren die Eiswürfel ja aus Wasser…..) Das Potenzgehabe am Grill ist übrigens nach der zweiten Caipirinha gar nicht mehr nervig, sondern nur noch urkomisch!

8

Am kommenden Wochenende hat der Wetterdienst schon wieder knackige 30 Grad angekündigt. Und deshalb gibt’s jetzt hier mal eben das Rezept für den Cocktail, damit die Männer am Grill beeindrucken und die Mädels einen wunderbaren Cocktail schlürfen können.

5.0 from 4 reviews
Gegrillte Caipirinha
 
Serves: 1
Ingredients
  • 4-6 cl Cachaça
  • 1 Limette
  • etwa 2 gehäufte Teelöffel Rohrzucker
  • Crushed Ice
Instructions
  1. Die Limette halbieren und mit der Schnittfläche auf den heißen Grillrost legen.
  2. Ca. 3-4 Minuten rösten, bis die Ränder des Fruchtfleisches dunkel werden.
  3. Dann die gegrillten Limetten zusammen mit dem Zucker in einem stabilen Glas zerquetschen.
  4. Anschließend wird das Glas mit Crushed Ice aufgefüllt, der Cachaça hinzugegeben und umgerührt.
  5. Satt Cachaça kann, als alkoholfreie Variante, auch Ginger Ale verwendet werden (dann funktioniert der Drink auch wunderbar für Kinder oder Schwangere, oder oder oder….)
  6. Tipp: Durch das Grillen werden die Limetten wunderbar saftig, weshalb auch schon etwas ältere Limetten dazu gut verwendet werden können!

Und für alle die jetzt denken, dass es keinen Unterschied macht, ob man die Limetten vor dem Pressen grillt oder nicht, sollten das unbedingt ausprobieren, denn die Röstaromen (andere nenne es vielleicht Acrylamit) kommen geschmacklich toll hervor.

4

Cheers alle zusammen! Genießt die Sonne, den Anblick der gestählten, beschürzten Herren am Grill, den der betrunkenen Damen mit alkoholischen Getränken in der Hand und überhaupt die lauen Sommernächte!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Dieser Drink war übrigens mein Beitrag zu Jasmins Sommerspecial „Sommerliche Getränke“. Besucht sie doch mal hier und schaut Euch die anderen tollen Sommergetränke an!