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Gemüsechips mit Chili-Sour-Creme

{…Achtung Kontrolle am Handgelenk…}

Gemüsechips

Ich habe seit einiger Zeit eine Plastik-Allergie

Überall wo ich hinkomme, leuchten bunte Plastikarmbänder an den Handgelenken meiner Freunde, Kunden und Mitmenschen. Jeder gelaufene Schritt, jede verbrannte Kalorie, der Herzschlag, die Tiefschlafphase, die Dauer des Beischlafs…. alles wird gemessen und aufgezeichnet. Sie vibrieren, leuchten, zeigen Whats Apps und sonstige Nachrichten an und ermahnen Dich sich mehr zu bewegen und den Hintern von der Couch zu erheben. Grundsätzlich ist so ein Arschtritt am Handgelenk ja keine ganz so verkehrte Sache.
Wenn sie dir allerdings anfangen den Abend zu verderben und zur totalen Kontrolle mutieren, dann wird das Ganze schon etwas unlustiger…

Auf die Quote kommt es an

Vor Kurzem habe ich mich mit einer Bekannten zum Wein in einer unserer Lieblingsbars verabredet. Als der Kellner kam, bestellte sie einen Pfefferminztee mit frischer Minze, denn ihr Fitness-Armband hatte ihr morgens den Tipp gegeben, dass sie besser schlafe, wenn sie heute keinen Wein am Abend zu sich nehmen würde. „Mir fehlen nur noch 21% zur optimalen Schlafqualität. Ein Glas Wein schraubt das direkt mal auf satte 36,5% hoch…!“ Der Kellner und auch ich waren fassungslos. Mein Vorschlag, dass wir uns zum Frühschoppen mit Schnaps an einem Montagmorgen um 7 Uhr treffen (ist ja dann nicht Abend), kam irgendwie nicht so gut an.
Eine andere Freundin cancelte unsere Verabredung zu einem gemeinsamen Mittagessen, da sie am Vortag auf dem Kindergeburtstag ihrer Tochter bereits einen Schokoladenmuffin verdrückt hatte und laut Fitnessarmband für den nächsten Tag nur noch 231 Kalorien zur Verfügung hatte. „Dann iss halt einen Salat!“ war mein Vorschlag. „Salat? Tanja spinnst Du? So einen Salat, den es da gibt, hat mindestens 357 Kalorien… Und dann soll ich dir auch noch gegenübersitzend zusehen wie Du Dir einen ganzen Teller Pasta mit Sauce reinschaufelst? Vergiss es! Das treibt dann auch noch zusätzlich meinen Stresssensor in die Höhe… Ganz schlecht für meine Wochenquote!“
Es ist echt zum Verzweifeln. Ich fahre alleine S-Bahn, weil dem/der andere(n) noch 4500 Schritte für das Tagesziel fehlen und sie lieber laufen. Ich esse alleine mein Stück Kuchen am Nachmittag, während mein Gegenüber die Zahlen auf seinem Fitnesswecker beobachtet. Spaß und Genuss sieht für mich irgendwie anders aus!

Gemüsechips

Ein Koch, mit dem ich noch bis vor einiger Zeit zusammengearbeitet habe, sprang stündlich beim Arbeiten um mich herum, um mir unter die Nase zu reiben wie viel Schritte er jetzt  schon getan hat, damit er seine Figur- und Herzprobleme in den Griff bekommt. Komischer Weise ist er in der ganzen Zeit nicht weniger geworden und sein Blutdruck hat sich auch nicht verbessert.

Vor ein paar Jahren prophezeite der mittlerweile verstorbene Frank Schirrmann (Herausgeber der FAZ), dass demnächst eine neue Zeit anbrechen würde, als sich die EU-Kommissarin Neelie Kroes mit einer der ersten Fitness-Tracking-Armbänder zeigte. Er sagte quasi voraus, dass die zukünftige Gesellschaft zu selbstregulierten Mensch-Maschinen mutieren könnten.
Wie Recht er in manchen Bereichen damit behalten würde, habe ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht vorgestellt und dachte mir: „Immer diese mediale Schwarzmalerei…!“

Das Fitnesskonto wird mit Fleißpunkten gefüllt

Die Plastikarmbänder scheinen die Antwort auf einige menschliche dringende Fragen zu sein: Wie nehme ich ab? Wie bringe ich viele Leute dazu sich zu bewegen? Wie bekomme ich eine gesündere Lebensweise?
Die Fitnessbänder geben einem das Gefühl überall und jederzeit mühelos anfangen zu können etwas für sich zu tun. Dazu kommt, dass sich der Mensch von diesem Gerät kontrolliert fühlt, da ja täglich mehrfach Impulse, Ermahnungen oder auch Lob am Handgelenk aufleuchten.
Morgens zur Bahn gelaufen? Wow, schon 1023 Schritte, da gönn ich mir doch direkt mal einen Schoko-Donut am Bahnhof… Kleine Sünden macht man mit kurzem Gehen um den Block wieder wett und scheffelt so Fleißpunkte auf seinem Fitnesskonto.

Es soll ja sogar mittlerweile schon Krankenkassen geben, die solche Armbänder in ihr Bonusprogramm mit aufgenommen haben. Es gilt lediglich nachzuweisen, dass man mind. 10.000 Schritte am Tag gelaufen ist oder alternativ über 30 Minuten lang einen Herzschlag von 120 aufrechterhält. Ob man joggt, fahrradfährt oder schwimmt bleibt jedem selbst überlassen. Macht schlappe 180 Euro Beitragsersparnis im Jahr.
Der Gedanke, dass dann auch noch meine Krankenkasse mitbekommt (und sogar aufzeichnet) wo ich gerade bin und weshalb mein Puls gerade so rast, gruselt mich.

Gemüsechips

Gerade gestern sitze ich mit einer Freundin gepflegt zum Serienabend auf dem Sofa, als sie wild mit ihrem linken Arm in der Luft rudert. Die Hand kreist vor und zurück, der Arm schwingt hin und her, während das kleine Display an ihrem Handgelenk munter leuchtet und ich mich nicht mehr auf das Fernsehbild konzentrieren kann.
„Äh, was machst Du da?“ „Ha! Ich habe herausgefunden, dass man mit wedelnden Bewegungen der Hand das Armband austricksen kann. Ich habe gleich zirka 600 Schritte gespart und die blöde Uhr hört auf zu motzen, dass ich hier untätig mit Dir auf der Couch sitze.“ Sagt sie, grinst und greift mit der nicht wedelnden Hand in meine Chipstüte…

Ich wünsche Euch einen tollen Sonntag, bleibt beweglich ;-)

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Diese Grünkohl-Quesadilla eignen sich übrigens auch hervorragend für einen entspannten Couchabend!

Gemüsechips mit Chili-Sour-Creme
 
Author:
Recipe type: Snack
Ingredients
  • Kartoffeln
  • Pastinaken
  • Rote Bete
  • Gelbe Bete
  • Olivenöl
  • Salz

  • 100 g Schichtkäse (ersatzweise Quark, 20% Fett)
  • 80 g Schmand
  • 50 g saure Sahne
  • 50 g Crème fraîche
  • 3 El Salat-Mayonnaise
  • 2 El Weißweinessig
  • 0.5 Tl Worcestershiresauce
  • 1 Prise Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Pfeffer
  • Chili-Kresse (z.B. von Koppert Cress)
Instructions
  1. Das Gemüse putzen und schälen.
  2. Mit einem Gemüsehobel in dünne Scheiben hobeln. (Je dünner die Scheiben sind, desto knuspriger werden die Chips.)
  3. Etwas Olivenöl mit Salz in einer Schüssel verrühren. Die Gemüsechips hineingeben und Öl vermengen.
  4. Backbleche mit Backpapier auslegen und die Gemüsechips gleichmäßig darauf verteilen, so dass sie nicht übereinander liegen.
  5. Im Ofen circa 40-50 Min. bei 140°C Umluft backen. Den Ofen zwischendurch immer wieder öffnen, sodass der Wasserdampf entweichen kann. Öfter nachschauen - zwischen knusprig und verbrannt liegen nur wenige Augenblicke.

  6. Schichtkäse oder Quark mit Schmand, saurer Sahne, Crème fraîche und Salat-Mayonnaise in einer Schüssel verrühren. Mit Weißweinessig, Worcestershiresauce, Zucker, Salz und Pfeffer würzen.
  7. Die Chili-Kresse unterheben und zu den Gemüsechips servieren.

Hessisch‘ Brot macht Wangen rot!

2.1

Italienische Pizza, türkische Köfte, griechische Moussaka, holländische Fritten, schweizer Raclette, spanische Paella… Alles Gerichte die ich liebe, alles Länder die ich toll finde. Aber warum immer in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Kebo von Kebo homing hat dazu aufgerufen etwas typisches aus der Region zu machen, in der man lebt. Tolle Idee! Da bin ich doch direkt dabei.
Ich bin ein echtes hessisches Mädsche aus dem Frankfurter Raum, bzw. aus dem Taunus. Allerdings akzent-und dialektfrei (zumindest so lange man mich nicht darum bittet Dialekt zu sprechen!) Das bekannteste und typischste aller Gerichte hier in Frankfurt und im Taunus ist wohl die Frankfuter „Grie Soss“ (grüne Sauce). Aber die kennt ja schon jeder- wie langweilig (obwohl ich diese kalte Kräutersauce absolut vergöttere). Das Nationalgetränk der Hessen ist der Apfelwein und mit dem lässt sich wirklich viel anstellen. Zum einen natürlich trinken. Am besten pur oder für die Äppelwoi-Neueinsteiger erstmal mit Wasser gemischt. Aber niemals mit Limonade! Das kann in einschlägigen Apfelwein-Lokalen fast zur Enthauptung führen. Doch nicht nur zum Trinken eignet sich das Frankfurter Stöffsche (so nennt man den Apfelwein hier). Man kann es wunderbar in die verschiedensten Gerichte integrieren. In Suppen und Saucen, in Cremes und Desserts. Man kann Fleisch darin kochen und schmoren und und und…

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Sogar Brot kann man damit backen. Und genau das habe ich heute gemacht. Frankfurter Äppelwoi-Brot. Das passt natürlich hervorragend zu typischem Frankfurter Handkäs mit Musik, schmeckt aber auch toll einfach nur mit Butter und Schnittlauch.

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Allein wegen des Duftes, der durch die Küche weht, wenn das Brot so langsam backt, lohnt sich die Arbeit mit dem Sauerteigbrot. Und wenn es dann warm aus dem Ofen kommt, kann ich mich immer kaum zurück halten es nicht sofort anzuschneiden und mir in den Mund zu schieben. Probiert es doch einfach mal aus! Wer keinen Apfelwein bekommt, kann natürlich auch Cidre nehmen. Und wer sich am Alkohol im Brot stört nimmt Apfelsaft. Den Zusatz hessisch oder frankfodder müsst Ihr dann natürlich streichen. Denn nur mit Äppelwoi ises en eschter Froangforter Genuss!

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So, und jetzt seid Ihr dran. Traut Ihr Euch an hessische Kost heran?
Ich halte es damit getreu dem Motto: Haubdsach es bassd dorsch de Halls unn machd schwinnelisch. (Hauptsache es passt durch den Hals und macht schwindelig) Aber keine Angst, schwinnelisch wird Euch von dem Brot nicht (höchstens weil’s so lecker ist), aber dorsch de Halls bassds immä.

Hier ist noch das Rezept für das Hessische Brot, dass Dir vor Genuss die Röte auf die Wangen zaubern wird:

5.0 from 1 reviews
Hessisches Apfelweinbrot
 
Author:
Ingredients
  • 500 g Roggenmehl
  • 200 g Weizenmehl, Typ 1050
  • 1 Pck. Trockenhefe
  • 1 Beutel Sauerteig, flüssiger
  • 1 EL Salz
  • 2 EL Sirup, dunkler
  • 340 ml Apfelwein, lauwarm
  • Anis, Kreuzkümmel nach Belieben
  • Kardamom, Koriander nach Belieben
Instructions
  1. Den Sauerteig-Beutel in eine Schale mit lauwarmem Wasser legen.
  2. Die Mehle mit Salz und Trockenhefe mischen.
  3. Die Gewürze nach Geschmack dazugeben, ich nehme immer jeweils etwa ¼ TL, vom Anis etwas weniger. Das kann jeder selber ausprobieren. Man kann natürlich auch fertiges Brotgewürz nehmen. Auch da bleibt einem die Menge selber überlassen.
  4. Dann Sauerteig, Sirup, Apfelwein zum Mehl geben, alles gut mischen und gut verkneten.
  5. Weitere Flüssigkeits- oder Mehlzugabe nach Konsistenz des Teiges. Er sollte so lang geknetet werden, bis er nicht mehr an den Händen klebt.
  6. Den Teig zu einer Kugel formen und mit Mehl bestäuben.
  7. Dann zugedeckt an einem warmen Ort 1,5 Stunden gehen lassen.
  8. Danach den Teig erneut verkneten, und in eine Brotbackform, oder Kastenform geben. Ich nehme immer eine große Kastenform. Die Teigoberfläche mehrmals leicht einschneiden und das Brot weitere 45 Minuten gehen lassen.
  9. Den Backofen auf 230°C vorheizen. Eine feuerfeste Schale mit heißem Wasser mit in den Ofen stellen, und erst unmittelbar vor dem Backen heraus nehmen.
  10. Das Brot einschieben, den Backofen auf 200°C herunter drehen und das Brot 70 bis 80 Minuten backen.

 

3

Mer säje uns hier im House No.15!
Eure

Tanja

Wenn Ihr weitere Rezepte aus allen teilen Deutschlands sucht, schaut doch mal hier bei Kebo vorbei und lasst Euch inspirieren.