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Mango-Süßkartoffel-Suppe mit Chilipopcorn

{…dieses Ding mit Facebook und die Frage „Hast Du Lust auf poppen?“}

Mango Süßkartoffel-Suppe

Wie wahrscheinlich Millionen von anderen Menschen auf dem Planeten beginnt mein Tag neben einem starken doppelten Espresso mit dem Blick auf Facebook.
Was ist so passiert in den letzten Stunden, in denen man mal nicht auf den Handybildschirm oder Rechner geschaut und einfach mal selig geträumt hat.

Es gibt tatsächlich immer noch Menschen die noch nicht bei Facebook sind.
Ich gestehe, ich bin oftmals neidisch, dass es Leute schaffen sich gegen dieses ganze Social Media Gedöns so standhaft zu wehren. Ich bin zu schwach dazu.
Dafür bekomme ich jetzt tagtäglich Informationen von Menschen, die man eigentlich nicht kennt und deren Tagesabläufe einen nicht unbedingt interessieren. Aber der Mensch ist ja ein Voyeurist und so habe ich mir abgewöhnt mich über geposteten Krankheiten und Mitleidsaufrufe aufzuregen. Ich weiß mittlerweile wann eine alte Schulfreundin, die seit ein paar Jahren in Südafrika wohnt, Pause macht, um einen Apfel zu essen. Die dicken Kinder einer früheren Nachbarin lassen meinen Bildschirm manchmal fast platzen und dass der Hund von Herr XY gerade Durchfall hat ist auch eine Information, die ich nicht zum Überleben brauche. Aber irgendwie geht es trotzdem nicht ohne.

Plötzlich hat man 1000 Freunde.

Plötzlich hat man 1000 Freunde. Hallo? 1000!
Was wäre, wenn man mal einen virtuellen Freund wie einen echten Freund behandeln würde? Ich könnte zum Beispiel am Samstag mal bei Benjamin aus Bielefeld klingeln und mir einen Rasenmäher ausleihen und dann auch noch ungefragt zum Essen bleiben, weil ich am Abend nichts Besseres zu tun habe. So wie man das bei einem echten Freund auch machen würde. Ich könnte mich auch mal darüber beschweren, dass keiner mit Kuchen an meinem Geburtstag vor der Tür stand. Oh Gott, nein besser nicht. Nachher macht das tatsächlich noch einer….

Popcorn

Facebook ist für viele eine kostenlose Kontaktbörse.

Zumindest benehmen sie sich so. Wem Parship und Co zu teuer ist, meldet sich bei Facebook an und belästigt völlig fremde Menschen mit geschriebenen Aufdringlichkeiten und Fotos über die ich jetzt hier gar nicht sprechen möchte. Zum Glück hat ja jeder noch die eigene Entscheidungsfreiheit wann man welche Nachricht öffnet und vor allem wem und ob man dann auch noch antwortet.
Wären die Menschen wenigsten halbwegs kreativ und würden nicht einfach plumpe Anmachsprüche raushauen, dann hätte das ganze ja eventuell einen gewissen Unterhaltungswert. Aber das macht ja kaum einer.
Wer verbirgt sich hinter solchen Nachrichten? Einsame Menschen, die sich abends nicht trauen an der Bar jemanden anzusprechen? Muss ja irgendwie so sein! Menschen die nur mit einer Papiertüte auf dem Kopf das Haus verlassen sollten? Bestimmt!
Gerade neulich habe ich mich mit FrauBpunkt darüber unterhalten, wie traurig es ist, dass die Anmach-Barkultur irgendwie so völlig ausgestorben ist. Früher ging man in eine Discotheke (heutzutage heißt das ja nur noch Club), stellte sich an die Bar, flirtete mit dem Barkeeper und trank sich einen. Irgendwann stand man nicht mehr alleine dort und wer wollte ging auch nicht alleine nach Hause. Man holte sich quasi früher die Dosis Selbstbestätigung am Tresen. Und heute? Heute ist man wer, wenn man viele Facebookfreunde und Follower auf allen Sozialen Kanälen hat. Man datet sich ohne seine vier Wände zu verlassen. Solange der Akku durchhält, läuft es.
Eine geschrieben plumpe Anmache ist so schmackhaft wie warmes Bier mit Wodka gemischt. Nach dem ersten Schluck ist einem schlecht. Nach dem zweiten Schluck muss man muss sich übergeben.
Dann verlasse ich doch lieber mein Home-Zone, treffe wahrhaftig echte Menschen, die mir zumindest live in die Augen sehen. Auch wenn die Frage „Hast Du Lust auf Poppen?“ sehr direkt und vielleicht nur teilweise zielführend ist, so kommt sie dann doch von jemand, der Dir dabei nett zuzwinkert, sympatischer rüber, als wenn diese Nachricht mit einem Zunge raustreckenden Emoji auf Deinem Handy auf“poppt“.

Mango-Süsskartoffelsuppe

Echte soziale Kontakte sind zudem gesund.

Der Körper produziert schließlich nicht umsonst das Hormon Oxytocin, dass einen wichtigen Einfluss auf die sozialen Interaktionen nimmt und bei Berührung ausgeschüttet wird.
Wenn man also abends Schulter an Schulter mit seinen Kumpels ein Bier trinkt. Wenn man zu zweit und viel zu dünn angezogen auf einem Motorrad durch die Lande fährt und einem nichts anderes übrigbleibt, als sich an den Vordermann zu pressen. Wenn man sich einfach mal in den Arm nimmt.

So, jetzt mache ich mein Facebook-Fenster zu und freue mich auf meinen Freund, der heute Abend vorbeikommt. So ganz echt. Ein Mensch aus Fleisch und Blut.
Es wird nichts Digitales geben, keine Fotos von fremden Leuten, keine Geschichten aus fremden Leben.
Aber die Frage „Hast Du Lust auf Poppen?“ stelle ich ihm trotzdem. Die hat allerdings nur mit meiner Mango-Süßkartoffelsuppe zu tun, die ich heute Abend auf den Tisch bringe.
Denn ohne Chili-Popcorn ist die Suppe nur halb so gut….

5.0 from 3 reviews
Mango-Süßkartoffel-Suppe mit Chilipopcorn
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Recipe type: Suppe
Serves: 4
Ingredients
  • 500 g Süßkartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehe
  • 1 kleine Chili
  • 20 g Ingwer
  • 500 ml Kokosmilch
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 100 ml Weißwein
  • 1 Mango
  • 1-3 EL Limettensaft
  • 2 EL neutrales Pflanzenöl
  • 2 EL Chiliöl
  • 30 g Popcorn-Mais
  • Salz, Pfeffer
Instructions
  1. Knoblauch, Ingwer und Zwiebel in feine Würfel schneiden und in heißem Öl anbraten. Süßkartoffeln schälen und würfeln und kurz mitdünsten.
  2. Mit Weißwein ablöschen und einreduzieren lassen.
  3. Kokosmilch und Brühe angießen und für 15 Min kochen lassen.
  4. Mango schälen,in Würfel schneiden und mit der klein geschnittenen Chili zur Suppe geben.
  5. Minuten kochen lassen und dann pürieren.
  6. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  7. In einer Pfanne das Chilliöl erhitzen und den Mais dazu geben.
  8. Mit einem Deckel verschließen und warten bis alle Körner aufgepoppt sind.
  9. Mit Salz nachwürzen.
  10. Die Suppe in Schalen füllen und mit Chili-Popcorn anrichten.

Und wer lieber ne andere Suppe auslöffeln möchte, dem empfehle ich diese Pastinaken-Suppe mit Kokosschaum. Das wunderbare Chiliöl bekommt Ihr hier bei Antikleia.

In diesem Sinne, nutzt Eure freie Zeit für echte Menschen in Eurem Leben, dann klappt’s auch mit „allem anderen“ ;)

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Vanille-Milchreis mit Mandarinen-Likör

{…was die H-Milch im Milchreis mit der Vergabe von Kindernamen zu tun hat…}

Vanille-Milchreis mit Mandarinen-Likör

Neue Kinder braucht das Land….
Aber bitte welche, deren Namen man auch unfallfrei aussprechen kann.
Das Thema Namensgebung ist ja bei werdenden Eltern immer eine ganz große und sensible Sache. Ok, Namen sind Geschmackssache, aber bitte was geht in Eltern vor, die ihren Kindern Buchstabier-Namen geben? Oder Namen, wie „Tyron“, Bo-Devin“ und „Clint“ bei denen man die DDR-Flagge den Kids gleich mit auf die Stirn tätowiere könnte.
Kerstin, die Schwester meiner Freundin, hat vor kurzem ihren ersten Sohn geboren und ihn Vlado genannt. Vlado Schubert. Für mich klingt das nach unausgelebten Fantasien der Eltern, nach Restwünschen für die eigene Biografie, die durch die Namen der Kinder noch ausgetobt werden. Vielleicht betreibt ja Vlado irgendwann mal einen Schrottplatz oder wird ein Star am Himmel der Pornoindustrie. Trommelwirbel- Spot on: Meine Damen, bitte nicht mit Schlüpfern werfen… hier kommt Vlado Schubert aus „Hintertupfingen“. Der arme Junge wird sein Leben lang mit mitleidigen Blicken bedacht werden, wenn er irgendwo seinen Namen angeben muss.
Er könnte auch eine eigene Wodka-Marke herausbringen. „Einen Vlado-O bitte! Mit viel Eis und Strohhalm.“ Das geht doch an der Bar ganz geschmeidig über die Lippen, findet Ihr nicht?

Vanille-Milchreis mit Mandarinen-Likör

Ihr merkt, in das Thema Namensgebung von Kindern kann ich mich so richtig reinsteigern.
Im letzten Sommer zum Beispiel war ich auf einem 40 Geburtstag eingeladen. Die Party fand auf einer stylischen Dachterrasse im einem schicken Frankfurter Stadtteil statt. Die Männer trugen alle Bärte, 70erJahre Brillen und spitze Schuhe. Die Frauen hüllten sich entweder in einen Hauch von Nichts oder waren umgeben von durchsichtigen Spitzenstoffen oder hatten Rockebilly Tattoos auf den Armen. Eine bunte Mischung sozusagen.
An der Getränkestation im Badezimmer traf ich auf Holger, der mit seiner schwangeren Freundin Sandra da war. Sandra hatte bereits zwei Kinder (Esteban und Pablo von zwei verschiedenen Männern). In Holger, der nach seiner Aussage noch nicht ganz so lange mit Sandra zusammen war, keimte der Wunsch auf mit dem Namen des Kindes ein Wenig „sein Territorium“ abzustecken. Während wir beide in der mit Eiswürfel gefüllten Badewanne nach einem wohl angesagten koreanischen Bier angelten, verriet er mir, dass es ihm wichtig wäre, dass der Name seines Kindes auch mit „H“ anfinge. „Ich will, dass etwas von mir bleibt… weißt Du Tanja, so wie ein klein Wenig Unsterblichkeit. H, wie Holger…“ Ich plantschte stumm mit meinen Händen in dem Eiswürfelmatsch. Ich hatte von Gedanken dieser Art bei Männern schon gelesen und nun stand so ein Paradebeispiel tatsächlich vor mir. „Aha!“ mehr wusste ich darauf nicht zu antworten.
„Also ich hab’ ja schon ein paar Favoriten.“ Holger nimmt einen tiefen Schluck Bier aus seiner Flasche. „Hadrian, Herkules, Hektor, Hariolf… ich habe mir extra ein Namensbuch besorgt. Davon weiß Sandra aber nichts… Was meinst Du? Welchen Namen findest Du am besten?“
Ich überlege erst ob Holger scherzt oder ob er plant, dass sein Sohn in 20 Jahren bei dem 17. Remake von Gladiator mitspielt. Holger scherzte aber nicht!
Gar nicht so einfach in solch einer Situation nicht zu lachen und vor allem keine Witze über ungeborene Kinder von völlig fremden Leuten zu machen.
„Was wäre denn mit H-Uwe? Oder H-Paul? H-Frank wäre doch auch schön! Sag mal Holger, wird es denn mit Sicherheit ein Junge? Ansonsten hätte ich noch für ein Mädchen H-Olga im Angebot, klingt auch fast wie Holger…“ Ich musste dann doch lachen… und das sogar ziemlich laut. Sich über seine eigenen Witze tot zu lachen kommt irgendwie selten gut. Aber ganz im Ernst: Diese Sache mit den H-Namen hatte einfach viel zu viel Potential, um sich vor Lachen fast einzunässen.

Holger reagierte erwartungsweise ziemlich humorlos. Und ich weiß jetzt auch warum, denn ich hab mich da mal zum Thema Namen schlau gemacht: Die meisten Holgers dieser Welt sind nach einer Studie der Universität Chemnitz so wie dieser Party-Holger. Hierfür wurden nämlich 150 Testpersonen befragt, was die Charaktereigenschaften der 60 gebräuchlichsten deutschen Vornamen so sind. Demnach sind Holgers eher alt, hässlich, humorlos und schwer von Begriff… Noch etwas schlimmer haben es die Dirks, Olafs, Kerstins und Anneliesen. Diese gelten nämlich laut der Studie als völlig PlemPlem… Ob man da allerdings so viel darauf geben soll, weiß ich nicht.
Man sieht, das mit der Namensgebung ist tatsächlich nicht leicht, zumal das Kind ja nachhaltig sein Leben lang damit „gesegnet“ ist. Man wähle den Namen seiner Nachkömmlinge also mit Bedacht….

Mandarinenlikör

Vor Kurzem trudelte dann hier eine Karte mit einem süßen Babyfoto ins House:
HENRIETTE IST DA! stand ganz groß vorne drauf. (…)

Ich lasse das jetzt hier mal unkommentiert und gebe Euch anlässlich des Themas Kinder noch schnell das Rezept für ein beliebtes Kinderessen: Vanille-Milchreis (mit Mandarinen-Likör). Für die Kinder natürlich nur mit Kompott! Wer mag bestreut das ganz Ganze noch mit diesen Cracker-Bröseln. Ich habe zum Schluss noch einen Schuss Mandarinenlikör darüber gegeben.

Vanille-Milchreis mit Mandarinenokmpott
 
Author:
Recipe type: Dessert
Ingredients
  • Vanille-Milchreis:1 l Milch
  • 250 g Milchreis
  • 5 EL Zucker
  • 1 Vanillezucker
  • Salz
  • ½ Vanilleschote
  • Mandarinenkompott:
  • 3 Orangen
  • 10 Mandarinen
  • 2 EL Zitronensaft
  • ½ Vanilleschote
  • 80 g Zucker
  • 1 TL Speisestärke
  • 2 EL Mandarinenlikör (ersatzweise kaltes Wasser)
Instructions
  1. Vanille-Milchreis:
  2. Milch in einem Topf zum Kochen bringen.
  3. Milchreis, Zucker, Vanillezucker und 1 Prise Salz zugeben und gut verrühren.
  4. Zugedeckt ca. 30 Minuten bei schwacher Hitze unter gelegentlichem Rühren quellen lassen.
  5. Vanilleschote längs einschneiden und das Mark mit dem Messerrücken auskratzen.
  6. Vanillemark unter den Reis rühren, dann in Schüsseln anrichten und dabei in die Mitte mit dem Löffelrücken eine kleine Mulde drücken.
  7. Mandarinenkompott:
  8. Mandarinen so sorgfältig wie möglich schälen und in Stücke teilen.
  9. Die Orangen und restliche Mandarinen auspressen.
  10. Saft und Zitronensaft mischen – es sollten ca. ¼ l sein.
  11. Vanilleschote längs halbieren und das Mark herauskratzen.
  12. Zucker in einen Topf streuen und bei mittlerer Hitze goldbraun karamellisieren lassen, mit dem Saft ablöschen.
  13. Vanilleschote und -mark dazu geben und alles unter Rühren bei großer Hitze um ein Drittel einkochen lassen.
  14. Stärke mit dem Likör (bzw. Wasser) glatt verrühren und in den kochenden Sud einrühren, dann 2-3 Min. bei kleiner Hitze köcheln lassen, bis der Sud leicht bindet.
  15. Vom Herd nehmen und Orangen- und Mandarinenstücke untermischen.
  16. Kompott abkühlen lassen und in die Milchreismulde geben

 
Mandarinenlikör
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Recipe type: Drinks
Serves: 2-3
Ingredients
  • 1,2 Kilogramm Mandarine
  • 250 Gramm brauner Zucker
  • 1 Vanilleschote
  • 4 Stück Sternanis
  • 300 Milliliter Wodka
  • 1 Stück Orange (unbehandelt)
Instructions
  1. Die Mandarinen halbieren und den Saft auspressen. Am Ende sollten mindestens 700 ml Saft zur Verfügung stehen.
  2. Von einer Mandarine ein großes Stück der Schale sehr dünn abschneiden. Von der weißen Schicht sollte so wenig wie möglich an der abgeschnittenen Schale sein. Alternativ kann dafür auch ein Zestenreißer verwendet werden.
  3. Die Vanilleschote halbieren und längs aufschneiden.
  4. Den ausgepressten Fruchtsaft durch ein Sieb in einen Topf gießen, den Zucker hinzufügen und den Sternanis, die Orangenschale und die halbierte Vanilleschote mit hineingeben.
  5. Alles durchrühren, kurz aufkochen lassen und dann bei kleiner Hitze für ca. 15 Minuten köcheln lassen.
  6. Anschließend vom Herd nehmen und abkühlen lassen.
  7. Den abgekühlten Mandarinensirup nun zuerst durch ein grobes und danach durch ein feineres Sieb gießen.
  8. Jetzt den Wodka hinzufügen, alles gründlich durchrühren und dann in eine oder mehrere Flaschen abfüllen.
  9. Ein großer Vorteil dieses Likörs ist, dass er nicht erst wochenlang reifen muss, sondern gleich genossen werden kann.

Ach ja, ich habe den Milchreis übrigens mit H-Milch gekocht *hahaha

Habt eine amüsante restliche Woche,

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Grünkohl-Quesadilla mit Süßkartoffeln

{…oder wie man den Rekord im Bonbonsammeln mit Grünkohl-Quesadilla an Fasching bricht…}

Grünkohl-Quesadilla

Na, dicke Rübe vom Fasching feiern?
Kennt Ihr das, wenn man morgens aufsteht und den Kopf bewegt und die Bilder, die Euer Auge produziert, dann so langsam nachrücken? Ein übles Gefühl. Von Übelkeit im Allgemeinen ja mal ganz abgesehen…
Bei mir ist das Problem an Fasching, dass ich im direkten Vergleich zur Menge der aufgenommenen alkoholischen Getränken, meist zu wenig esse. Ich hab’ doch keine Zeit! Schließlich braucht es schon mindestens ne Stunde, um sich ins passende Kostüm zu werfen. Und wenn das erledigt ist, klingelt es meist schon an der Housetür und die Damen und Herrschaften stehen mit Proseggo davor und wollen „vorglühen“. Da fängt das Dilemma also schon an.
Also muss etwas her, was man schnell zubereiten kann und was sich vor allem einen Tag vorher schon halbwegs vorbereiten lässt.

Grünkohl-Quesadilla2.1

Diese Grünkohl-Quesadilla mit Süßkartoffeln ist ideal, um sich mal eben einen schnellen herzhaften Snack zu machen oder eine perfekte Grundlage für bevorstehende Exzesse. Kalorienzählen ist jetzt dabei nicht ganz so angebracht, aber das zählt ja auch in diesen Tagen nicht wirklich.

Grünkohl-Quesadilla mit Süßkartoffeln
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Serves: 4
Ingredients
  • 8-10 Tortillafladen
  • 3 mittlere Süßkartoffeln, geschält und grob gewürfelt
  • 500 g Grünkohl grob gehackt
  • 1 Zwiebel geschält und klein gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe
  • 150 g geriebener Cheddar
  • Olivenöl
  • 1 TL Salz
  • ½ TL Cumin
  • ½ TL Chilipulver
  • Pfeffer
  • griech. Joghurt/ Schmand/ saure Sahne
Instructions
  1. Zuerst kochst Du die Süßkartoffel in leicht gesalzenem Wasser weich, gießt danach das Wasser ab und lässt die Kartoffelstücke ausdampfen.
  2. In der Zwischenzeit brätst Du die Zwiebelwürfel kurz in heißem Öl mit dem Knoblauch an und gibst nach kurzer Zeit den Grünkohl dazu. Der Grünkohl ist in ca. 5 Minuten gar und darf die Pfanne dann in eine größere Schüssel verlassen.
  3. Zerstampfe die Süßkartoffeln grob und mische sie mit dem Grünkohl.
  4. Jetzt die Mischung mit den Gewürzen abschmecken und etwas Olivenöl nach Belieben untermischen.
  5. Nimm Dir nun einen Tortillafladen und bestreiche diesen mit der Grünkohl-Süßkartoffelmischung.
  6. Bestreue das Ganze mit dem Cheddarkäse und klappe den Fladen in der Mitte übereinander.
  7. Erhitze eine leicht gefettete Pfanne und lege den Tortillafladen hinein bis er leicht gebräunt ist.
  8. Jetzt wenden und warten bis der Käse zerlaufen ist.
  9. Nach Belieben mit griech. Joghurt, Schmand oder saurer Sahne servieren.

Mein Tipp: Bereite die Füllung schon einen Tag vorher vor. Dann hast Du in 3 Minuten etwas zum Beißen, um dem Kater am nächsten morgen vorzubeugen.

Und noch etwas Gutes hat diese Grünkohl-Quesadilla übrigens:
Stell Dir vor Du gehst, nachdem Du Dich damit gestärkt hast, auf einen Faschingsumzug.
Der Grünkohl und die Zwiebeln zeigen gerade seine Wirkung.
Die ersten Bonbons werden von den vorüberziehenden Wagen geworfen.
Du bückst Dich schnell und der Grünkohl sucht in gasförmigem Aggregatzustand den Weg nach draußen.
Was glaubst Du mit wieviel mehr Bonbons Du in diesem Jahr nach Hause kommen wirst?
Du wirst den Rekord brechen! Allerdings wirst Du wahrscheinlich auch relativ alleine auf 5 qm stehen und Helau rufen…. Einen Preis muss man eben immer zahlen ;)
(Bei mir hatte diese Quesadilla übrigens noch nie solche Auswirkungen! „Kohldampf“, ja das schon, wie auch hier bei dem köstlichen und schnellen  Rosenkohl-Sandwich zu lesen *grins)

In diesem Sinne, Helau und fröhliches Feiern!
Tut nichts was ich nicht auch tun würde ;)

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Wurzelgemüse-Risotto

{…die Wut einfach mal wegrühren…}

Risotto mit Gremolata

Es geht mal wieder „Auf die Schnelle mit der HouseDame“…

Heute im Angebot: Wurzelgemüse-Risotto und getreu der neuen Rubrik ohne viele Worte zu verschwenden.

Risotto ist mein Seelentröster-Gericht. Und da die Seele auch nicht immer wegen desselben Anlasses getröstet werden muss, gibt es hier im House unterschiedlichste Varianten dieses Gerichts.

Risotto gelingt nur, wenn man sich hingibt. Sich darauf einlässt. Man muss dranbleiben, wie an einem Problem, das an einem nagt.

In der letzten Woche hatte ich so Manches, über das ich mich geärgert habe. Eigentlich ist es nie gut mit Wut im Bauch zu kochen. Aber bei Risotto ist das etwas anderes. Ich habe meinen Ärger einfach weggerührt. Kontinuierlich. Und bei jeder Acht, die mein Kochlöffel im Topf gezeichnet hat, wurde es besser. Dazu kam der Geruch der mir in die Nase stieg.
Und wenn man dann den ersten Löffel dieses wunderbaren Gerichts in den Mund schiebt, die Augen schließt und sich vorstellt in einer kleinen Trattoria irgendwo in Italien zu sitzen, dann hat das Risotto endgültig gegen die Wut gesiegt.

Risotto mit Gremolata

Das Rezept für mein Wunderheiler-Wurzelgemüse-Risotto findet Ihr hier:

5.0 from 1 reviews
Wurzelgemüse-Risotto
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Serves: 4
Ingredients
  • 500 ml Brühe, (bis 700 ml)
  • 1 Schalotte(n)
  • 1 Knoblauchzehe(n)
  • 150 g Möhre(n)
  • 150 g Petersilienwurzel(n)
  • 100 g Rote Bete
  • 2 EL Olivenöl
  • 150 g Reis, (Risotto-)
  • 50 ml Wermut, (z. B. Noilly Prat), ersatzweise Weißwein
  • 1 EL Butter
  • 3 Stiel/e Thymian
  • Salz und Pfeffer
  • 4 Stiel/e glatte Petersilie,
  • 1 TL fein abgeriebene Zitronenschale
  • ½ TL getr. Chiliflocken
  • 50 g Parmesan
Instructions
  1. Brühe erhitzen und warm halten. Schalotte und Knoblauch fein würfeln. Möhren, Petersilienwurzel und Rote Bete putzen, schälen und in 1 cm große Würfel schneiden.
  2. EL Öl in einem Topf erhitzen. Schalotte und Knoblauch darin glasig dünsten. Die Hälfte der Möhre und Petersilienwurzel zugeben und bei mittlerer Hitze 3 Min. mitdünsten. Reis zugeben und unter Rühren kurz mitdünsten. Mit Wermut ablöschen und vollständig einkochen.
  3. Gerade so viel Brühe zugießen, dass der Reis bedeckt ist. Offen bei mittlerer Hitze unter häufigem Rühren 20 Min. garen. Dabei immer wieder etwas Brühe zugießen, sobald sie vom Reis fast aufgesogen ist.
  4. Inzwischen 1 EL Öl und ½ EL Butter in einer Pfanne erhitzen. Das restliche Gemüse und den Thymian darin bei mittlerer bis starker Hitze 10 Min. braten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Petersilie hacken und mit Zitronenschale und Chiliflocken mischen. Parmesan reiben.
  5. Die Hälfte des Parmesans und ½ EL Butter unter den Risotto mischen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Risotto mit gebratenem Gemüse, Petersilie-Zitrone und restlichem Parmesan bestreut servieren.

Risotto mit Gremolata

Ihr könnt natürlich auch Pastinaken statt Petersilienwurzel verwenden. Und wenn Ihr davon zu viel gekauft habt, macht Euch doch noch eine schnelle Suppe wie diese hier daraus. Oder holt Euch den Süden mit dieser Risotto-Variante auf den Tisch. Erlaubt ist alles was gut tut!

Ich wünsche Euch eine Woche frei von Ärger!
Und sollte er doch mal zuschlagen- risottot ihn einfach weg!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Passionsfrucht-Vanilleeis mit Crunch

{…oder wenn FKK-Urlaub zur Adventure-Reise wird…}

Passionsfruchteis

Ja, ich weiß…eigentlich ist ja schon Herbst. Aber wenn Mitte September immer noch 32 Grad  da draußen herrschen, darf man den Sommer durchaus nochmal Revue passieren lassen…. Also alles nochmal auf SOMMER!

Sommer ist Urlaubszeit

Die meisten fliegen in den Süden oder stehen stundenlang in Autokolonnen vorm Brenner oder Gotthard. Andere entspannen mit ihren Kindern auf Bauernhöfen, misten zur Erholung Kuhställe aus, lernen wie Heu eingeholt wird, melken Ziegen. Wieder andere haben zwei Wochen lang einen Eimer mit langen Strohhalmen vor sich auf den Knien und sind täglich einer Alkoholvergiftung nah.

Nachdem Hannes die Sommerurlaube in den letzten Jahren in der Türkei, in Griechenland und Italien verbracht hat, hat er sich dieses Jahr entschieden mal etwas ganz Anderes auszuprobieren. Naja eigentlich hat es seine neue Freundin Romy für sie beide entschieden. Da Romy im Osten von Berlin aufgewachsen ist und ihre Eltern schon seit vielen Jahren ein Ferienhaus außerhalb von Berlin an einem See besitzen, wurde beschlossen dieses Jahr den Sommerurlaub in Deutschland in eben diesem Ferienhaus zu verbringen.

Als es dann ans Kofferpacken ging und Hannes seine neue Badehose mit Flamingoprint in den Koffer legen wollte, kam Romy ins Zimmer und sagte: „Schatz… wofür packst Du eine Badehose ein?“ „Na, ich dachte wir fahren in ein Haus am See…?“  „Ja, aber das Haus liegt direkt an einem FKK-Badesee..! Ich glaube du kannst Dein textiles Gepäck ziemlich stark reduzieren…“  „Das sagst Du mir erst jetzt???“ Hannes war schockiert. „Jetzt sei nicht so spießig! Ich habe früher jeden Urlaub nackt verbracht!“

Passionsfruchteis

Und so fuhr er mit extrem wenig Gepäck und einem mulmigen Gefühl im Bauch 6 Stunden in Richtung Osten. Was so drei Buchstaben alles verändern können. F K K.

„Ach, da sind se ja endlich!“ empfängt Herr Kaschunke das Paar. Herr Kaschunke ist der Ferienhaus-Nachbar von Romys Eltern und seit 10 Jahren in Rente. „Ick sach ma, die Saison is eröffnet, wa?“ Herr Kaschunke ist so etwas wie der Platzwart und Bademeister der kleinen Ferienhaus-Kolonie am See. Und er mag seine Rolle.
Draufgängerisch schiebt er seine rosa nackten Hüften gerne über die Liegewiese am See und schaut ob alles „jut is“. Bei den Damen schaut er immer ziemlich genau, ob wirklich „alles jut“ ist und ob nicht die ein oder andere vielleicht auch den Rücken eingecremt bekommen muss. Längere Strecken unternimmt er „uffem Drahtesel“ und juckelt damit am Wasser entlang. Man stelle sich Harry Wineford mit kleinem Transistorradio am Lenker seines betagten Herrenrades vor…natürlich in nackt!

Hannes muss sich an die textilfreien Gegebenheiten erst gewöhnen. Da er aber vor den anderen Urlaubern und vor allem nicht vor Romy als verklemmter Spießer-Wessi alleinig in Badeshorts am See sitzen wollte, macht auch er jetzt FKK. Zwei Wochen…und einige Erkenntnisse diesbezüglich gibt es kostenfrei dazu.

Passionsfruchteis

Erkenntnis #1: Nur nackt sein reicht einfach nicht in einem FKK-Urlaub. Man muss sich schon auch nackt betätigen.
Eine der liebsten Beschäftigungen der Freikörperkultur-Anhänger ist Ballsport zu betreiben. Mit ungebremster Energie, die man sonst nur aus einschlägiger Hundefutterwerbung kennt, rennt der Urlauber Bällen hinterher. Also spielt auch Hannes Volleyball mit Herr und Frau Kaschunke. Sogar zu Boccia lässt er sich hinreißen, wobei er sich sehr ungern nach Bällen bückt. Ja er joggt sogar an der Seepromenade entlang. Beim Fahrradfahren streikt er allerdings.

Erkenntnis #2: Ein bisschen Textil ist durchaus auch bei FKK erlaubt.
Das liebste Kleidungsstück des gemeinen FKKlers an diesem See sind seine Socken und Turnschuhe. Und auch gerne mal eine Schwimmweste. Eigentlich ist alles erlaubt, solange die Geschlechtsteile frei liegen und nicht durch eine Hose verdeckt werden.

Erkenntnis #3: FKK hat leicht etwas mit Swinger-Club-Erotik zu tun!
Man sieht Dinge die man dann doch nicht sehen möchte und denen man auf einmal nicht mehr so schnell entrinnen kann.

Erkenntnis #4: FKK Urlaub und Sauna haben nichts gemeinsam.
Während man in der Saune nicht unbedingt bestrebt ist den Kontakt mit dem Saunabank-Nachbarn zu machen, sucht der erfahrene FKK Urlauber ganz bewusst das Gespräch mit anderen Feriengästen. Hannes stand also am Gartenzaun der Nachbarn und plauderte über Fußball und Politik, lieh sich Grillkohle und lief morgens zum nahegelegenen Zeitungskiosk um Brötchen zu holen. Natürlich alles nackt! Am Zeitungskiosk kam er dann unweigerlich auch in Kontakt mit komplett angezogenen Menschen, die dort ebenfalls ihre Einkäufe tätigten.

Als Hannes eines morgens einen vorwurfsvollen Blick eines Vaters mit seinem Sohn erntete, kommentiert er diesen Blick ganz selbstbewusst und lautstark mit seinem neuen Spruch:„Seien Sie doch nicht so ein Spießer!“ Er grinste den Vater herausfordernd an und schob seine Hüfte vor. Vater und Sohn flüchteten schnell mit ihrer Brötchentüte. Hannes fühlte sich danach super.

Passionsfruchteis2

Seit diesem Tag war Hannes im FKK-Urlaub angekommen und als einen Tag später Herr Kaschunke ihn zu einer Rundfahrt um den See einlud, sagte er beherzt: „Ja aber gerne!“

Die Rundfahrt um den See fand auf einem alten Klapprad statt, das bei den Kaschunkes noch im Schuppen stand. Niemals hätte Hannes es für möglich gehalten, dass er mal auf einem alten Drahtesel mit blankem Hintern, auf einem klebrigen Ledersattel sitzend durch die Lande radelte. Er fühlte sich wunderbar.

Am nächsten Tag sah das ganze allerdings ganz anders aus. Statt des erwarteten Muskelkaters hatte er eine wunde Stelle zwischen den Beinen. „Da hilft nur Eis!“ riet Frau Kaschunke mütterlich. „Ich mag nur Vanille mit Frucht!“ gab Hannes patzig zurück.  „Det is egal…Hauptsache kalt! Ick hab da noch welches im Eisfach“, und schon war Frau Kaschunke verschwunden und kam kurze Zeit später mit einer Plastikdose zurück und drückte diese Hannes beherzt an seine Männlichkeit. „Det hat meinem Mann och immer jeholfen…Schmeckt übrigens jut. Is Vanille mit Passionsfrucht…selbstgemacht!“

5 Tage später saß Hannes wieder auf seiner eigenen Couch zu Hause, komplett angezogen und ließ im Kopf den Urlaub Revue passieren. Sein Fazit: FKK kann man machen, kann man aber auch lassen. Nächstes Jahr gehts nach Kroatien. Mit Badehose! Aber das Eis von Frau Kaschunke war die Wucht! Zwar nicht an der Stelle an der es zuerst landete, aber danach aus dem Plastikbehälter gelöffelt unbedingt. Cremig, fruchtig, einfach wunderbar.

Das Rezept dazu gibt es hier:

5.0 from 1 reviews
Passionsfrucht-Vanilleeis
 
Author:
Ingredients
  • ½ Vanilleschote
  • 200 ml Milch
  • 80 g Zucker
  • 1 Prise saz
  • 3 Eigelb (L)
  • 300 ml Schlagsahne
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 3 Passionsfrüchte
Instructions
  1. Die Vanillestange längs halbieren und das Mark aus der einen Hälfte herauskratzen.
  2. Milch, Zucker, Salz, Vanilleschote und Vanillemark in einem Topf bis zum Siedepunkt erhitzen.
  3. Den Topf vom Herd nehmen und zugedeckt 30 Minuten ziehen lasen.
  4. Die Eigelbe in einer Schüssel leicht verquirlen.
  5. Die Milchmischung erneut erhitzen und unter Rühren langsam unter die Eigelbe gießen.
  6. Zurück in den Topf geben und unter ständigem Rühren erhitzen bis die Masse andickt.
  7. Die Sahne in eine Schüssel gießen und die Milch-Eimasse durch ein Sieb dazu seihen.
  8. Das Fruchtfleisch der Passionsfrucht auskratzen und darunter rühren (falls gewünscht durch ein Sieb streichen und kerne entfernen)
  9. Alles im Kühlschrank kalt stellen und danach die Masse in einer Eismaschine gefrieren lassen.
  10. Nach Wunsch mit Passonsfrucht und zerbröselten Keksen servieren.

Crunchy Cracker

Und wie siehts mit Euch aus? Habt Ihr schon mal FKK Urlaub gemacht? Los, nackte Wahrheiten auf den Tisch….

Ich wünsche Euch eine Zeit, in der Ihr Euch rundum in Eurer Haut wohlfühlt, ob mit oder ohne Klamotten.

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Camembert-Zwiebel-Tarte mit Pflaumen Chutney

{…und der peinlichste Toilettengang ever…}

Camembert-Zwiebel-Tarte

Also eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen NIE wieder auf dieser Seite über Klamotten zu schreiben.Habt Ihr das Wort ‚eigentlich’ gelesen? Ein völlig sinnloses Füllwort ohne Bedeutung! Naja, eigentlich ohne Bedeutung…
Kommen wir zum Punkt: Ich habe mich also mal wieder auf einen Internet-Klamotten-Einkauf eingelassen. Ungeachtet meiner merkwürdigen Körpermaße, meines Klamottengeschmacks und so weiter.

Eine wunderbare Fotostrecke in einer einschlägigen Frauenzeitschrift suggerierte mir, dass auch in diesem Jahr unbedingt modetechnisch ein Catsuit oder Overall in jedem weiblichen Kleiderschrank zugegen sein muss. Joa. Ich gestehe: ich bin empfänglich für solche Druckmittel aus der Presse (übrigens genauso für Putzmittel, die mir als DIE neue Innovation und Zeitersparnis beim Houseputz vorgegaukelt werden). Ich bin der Traum einer jeden Marketingkampagne! Und ich habe zugeschlagen.
Ein Einteiler. In Größe M… obwohl ich mit meiner Länge eher L tragen sollte. Aber es ist eben weder alles M, noch L an mir. Und M war noch verfügbar, L nicht…
Der besagte Einteiler kommt recht schnell im House an. Und natürlich muss er auch gleich anprobiert werden.

Linkes Bein steigt in weiche Viskose, rechtes Bein steigt in weiche Viskose…Beide Arme ziehen gleichmäßig den gesamten Stoffberg über die Oberschenkel. Nichts spannt, trotz fehlendem Elastan. Ich wackle leicht mit den Hüften, um den Sitz des Overalls von Anfang an perfekt zu haben, und die Taille genau da zu platzieren, wo sie zu sitzen hat. Ich versuche es zumindest. An dieser Stelle unter uns: ich scheitere das erste Mal. Bei mir sitzt die Taille nämlich NIE an der Stelle, an der sie zu sitzen hat. Ein Gürtel kann das eventuell kaschieren. Dann beginnt die Challenge.

Der rechte Arm versucht sich in die dafür vorgesehene Öffnung zu schieben. Es klappt hervorragend. Dann versucht auch der linke Am mit dem rechten gleich zu tun und gleichzeitig das an der Hose festgenähte Oberteil nach oben zu ziehen. Es scheitert an massiver Spannkraft im Rücken. Ich hänge fest. Das Schlimme ist, dass ich weder den einen noch den anderen Arm aus den Armöffnungen bekomme, geschweige denn hinein. Ich fühle mich wie das Opfer in der Vorstellung eines Entfesselungskünstlers, der die Arme auf dem Rücken fixiert hat. In irgendeinem Film habe ich mal gesehen, wie jemand versucht hat sich aus einer Zwangsjacke zu befreien. Das versuche ich jetzt auch und hüpfe stetig auf und ab. Es bewegt sich was. Meine Arme rutschen tatsächlich komplett in die Ärmel und der Stoff schiebt sich über meine Schultern, so dass ich den Overall tatsächlich schließen kann. Äh…könnte… Ein Druckknopf sträubt sich und springt direkt nachdem ich ihn mit einem leisen Klick geschlossen habe über meiner Brust wieder auf.

Mit eingezogenem Bauch laufe ich langsam und vorsichtig zu meinem Schlafzimmerspiegel und betrachte mich skeptisch. Och… Geht eigentlich, denke ich mir. Macht schlank. Auch wenn die Hosenbeine etwas kurz sind, der eine Knopf nur mit wenig ein- und ausatmen geschlossen bleibt und die Arme sich anfühlen, als wären sie in einem Trombosestrumpf gefangen. Mit diesem Einteiler spart man sich jegliche Schummelwäsche, das erledigt dieser Overall eigenständig.

Camembert-quiche3house

Es klingelt an der Tür und meine Freundin Nicole steht davor.
„Wow! Wo willst du denn hin? Das ist ja mal ein tolles Teil! Neu? Der sitzt ja super!“ sagt sie zur Begrüßung und schaut an mir herunter.  Naja… sitzt super… „Nirgends wollte ich hin. Ich habe den eigentlich nur mal anprobiert. Aber wo willst Du denn hin?“ Nicole steht völlig aufgebrezelt vor mir. „Ich habe doch zwei Einladungskarten zu dieser exklusiven Vernissage. Carsten muss heute länger arbeiten und da dachte ich ich frag Dich einfach mal. Das wäre doch eine gute Gelegenheit Dein neues Teil gleich mal auszuführen!“ „Ich weiß noch gar nicht ob ich das Ding hier behalte. Außerdem ist es noch nicht mal gewaschen.“ „Ach, das ist doch egal, Du wirst nicht gleich einen Ausschlag bekommen! Noch dazu steh Dir das Teil großartig!“ Es gibt Tage da lasse ich mich einfach sehr schnell überzeugen. Also Gürtel um die schlecht sitzende Taille und schnell in passende Schuhe geschlüpft.

Ich hätte einfach zu Hause bleiben sollen, denn wenn ich heute an diesen Nachmittag denke, laufe ich noch im Nachhinein dunkelrot im Gesicht an.

Camembert Quiche 4 Kopie

Die Katastrophe fing schon kurz nach dem Betreten der Ausstellungsräume an. Ein netter charmanter Herr, wollte mir zur Begrüßung ein Gals Champagner anbieten. Ich strecke meine Arm danach aus. Es macht *ping und schon öffnet sich der verdammte Druckknopf über meiner Brust, der mich schon zu Hause so geärgert hat. Der Kellner grinst breit und glotzt mir  unverhohlen aufs Dekoltée. Ich drücke hektisch die beiden Knopfteile wieder aneinander und stürze beschämt das Glas Champagner in einem Schluck hinab. Wortlos reicht er mir ein weiteres und geht dann immer noch grinsend zu den anderen Gästen.

Ich versuche ganz entspannt alles einzuziehen, was ich einziehen kann, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Zwei Gläser Champagner später merke ich wie ich auf die Toilette muss. Gerade spricht der Künstler über seine Werke und erklärt theatralisch, wie es zu diesen farbenfrohen Exponaten kam, die allesamt fragwürdige Titel tragen, in denen häufig Fäkalwörter  eingebaut sind, die man normaler Weise eher nicht laut ausspricht, sondern sich nur denkt. Ich raune Nicole zu, dass ich mal eben auf dem stillen Örtchen verschwinde und gleich zurück bin. Die Tür der Toilette ist direkt im Ausstellungsraum und ich quetsche mich durch die Menschen, um leise hinter eben dieser Tür zu verschwinden.

Als ich hinter mir abgeschlossen habe und mir bewusst wird, dass man sich mit einem Overall quasi komplett entkleiden muss, um sich Erleichterung zu verschaffen, bekomme ich leichte Panik.

Der Kampf beginnt und ich überlege mir wie ich am Geschicktesten aus dieser Pelle herauskomme. Wenn hüpfen beim Anziehen geholfen hat, sollte es ja auch beim Ausziehen funktioniere. Also fange ich an in dieser kleinen Toilettenkabine so leise wie möglich auf und ab zu hüpfen. (Ich konnte noch nie leise hüpfen.) Noch dazu war der Raum so klein, dass meine Arme beim Versuch sich aus den schrecklichen Ärmeln zu schälen, ständig an die Wand schlugen. Ich fluche laut und derbe und nach gefühlten 15 Minuten und kurz vor einem Inkontinenz-Vorfall, schaffe ich es tatsächlich. Völlig erschöpft lasse ich mich auf der Toilette nieder und tupfte mir den Schweiß mit Toilettenpapier von der Stirn. Mir ist klar, dass ich mich irgendwie erneut in diesen textilen Fehlkauf quetschen muss und fange mutig wieder an, mich rumpelnd und fluchend in den Stoff zu springen. Die Frisur ist nun völlig zerstört und schlauer Weise steht meine Handtasche mit meiner Haarbürste und dem Gesichts-Restauration-Kit bei Nicole im Ausstellungsraum. So leise wie Möglich öffne ich die Tür, um mich unbemerkt aus der Toilette zurück zur Vernissage zu schleichen und schaue beim Heraustreten in gefühlt 200 Paar Augen, die alle auf mich gerichtet sind. Nicole reicht mir kopfschüttelnd meine Handtasche und der charmante Herr mit dem Champagner hält mir ein silbernes Tablett mit kleinen Zwiebeltörtchen hin. „Hellhörige Toiletten sind echt ein Abenteuer!“ raunt er mir zu.

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Der Künstler kommt zu mir, schüttelt mir strahlend die Hand und bedankt sich für meine amüsante Untermalung seiner Ansprache, die von meiner Wortwahl so wunderbar zu seinen Bildern und deren Titel gepasst hat. „Sie möchten mich nicht auf meiner Ausstellungstour begleiten?“ fragt der mich tatsächlich. „Äh…NEIN!“,  stottere ich mit knallrotem Kopf.

Jedesmal wenn es jetzt irgendwo Zwiebelquiche oder Karte gibt, werde ich zwangsläufig an diesen Tag erinnert. Und ich sage Euch, es treibt mir jedes mal wieder die Schamröte ins Gesicht.

Den Overall habe ich übrigens zur Kleidersammlung gegeben. Irgendjemand hat bestimmt die passende Größe und Figur dafür.

Zum Nachmachen bekommt Ihr natürlich trotzdem das Rezept:

5.0 from 3 reviews
Camembert-Zwiebel-Tarte
 
Author:
Ingredients
  • Teig:
  • 300 g Mehl
  • 150 g kalte Butter in kleinen Stücken
  • 0,5 Tl Salz
  • 2 Bio-Eigelb M
  • 5 El eiskaltes Wasser
  • Mehl zum Bearbeiten
  • etwas weiche Butter für die Form

  • Belag:
  • 40 g ungesalzene Butter
  • 3 rote Zwiebeln in sehr dünne Scheiben geschnitten
  • 1 Tl feiner Zucker
  • 2 Tl weißen Balsamico
  • 1 Stiel Rosmarin fein gehackt
  • 2 Bio Eier leicht verschlagen
  • 60 ml Sahne
  • 200 g Camembert in Scheiben geschnitten
  • Muskatnuss
  • Salz
  • Pfeffer
Instructions
  1. Aus den Zutaten für den Mürbeteig schnell mit den Händen einen geschmeidigen Teig kneten und diesen in Folie gewickelt für 30 min im Kühlschrank ruhen lassen.
  2. Eine Muffinform mit Butter einfetten.
  3. Danach den Teig dünn auf etwas Mehl ausrollen und mit einem Glas Kreise in größerem Durchmesser als die Muffinform ausstechen und in die die Vertiefungen drücken, so dass ein hoher Rand entsteht.
  4. Den Boden mehrfach mit einer Gabel einstechen.
  5. Für den Belag in einer großen Pfanne die Butter schmelzen und darin die Zwiebeln für 10 Minuten abgedeckt dünsten.
  6. Zucker und Balsamico, Rosmarin, Rosmarin und Salz und Puffer dazu geben und weitere 5 Minuten dünsten.
  7. Die Eier mit der Sahne verquirlen und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
  8. Die Zwiebelmischung auf den Teig geben und die Eiermasse darüber gießen.
  9. Zum Schluss üppig mit Camembert belegen und bei 180 Grad für ca. 15-20 Minuten goldbraun backen.
  10. Mit Pflaumen-Chutney servieren.

Pflaumen Chutney

Und zum Schluss noch ein kleiner Housefrauen-Tipp:
Trage nie ein Outfit, was man mit den Worten „Ich habe nicht damit gerechnet, das House verlassen zu müssen“ beschreiben kann.

Euch allen eine bequeme Restwoche!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Mandel-Beerenkuchen

{…und weil Kuchen und Sex doch etwas miteinander zu tun haben…}

Mandel-Beerenkuchen Titel

Auch wenn meine Freundin meint, dass ich hier nicht „darüber“ schreiben soll…. Ich tue es trotzdem! Mein Blog, meine Regeln, meine Themen….
Aber jetzt mal ganz von Anfang:

Kerstin* (den Namen habe ich der Fairness wegen geändert), eine sehr gute Freundin von mir, führt seit Monaten eine Fernbeziehung.
Wenn sie nicht vor Sehnsucht jammert und mir stundenlang am Telefon die Ohren vollheult, redet sie sich gerne mal ein, dass so eine Entfernung beziehungstechnisch ja auch durchaus von Vorteil sein kann. Man freut sich aufeinander, hat diese kleinen doofen Alltagssorgen nicht, alles ist schön. (Ich korrigiere: alles MUSS schön sein, denn die Zeit von Freitag bis Sonntag ist einfach zu kurz für Blödes). Kerstin lebt also an den Wochenenden in ihrer rosa Blase. Dass man an diesen Tagen keine Nachricht oder einen Anruf von ihr bekommt, daran habe ich mich schon gewöhnt. Der Anruf kommt dann erst am Montag, wenn sich Ihr Kerl wieder kilometerweit entfernt befindet. Das mit den Vorteilen von Fernbeziehungen ist also für alle beteiligten (mich eingeschlossen) immer relativ zu betrachten.

Letzten Dienstag ruft sie mich völlig empört an. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass sie mir wieder die Schmacht-Whats-App von und an Mister Right vorliest. Weit gefehlt…
„Mein Nachbar von oben hat eine neue Freundin!“ bricht es direkt aus ihr heraus.
„Aha!“ mehr fällt mir dazu leider nicht ein.
„Ich konnte mal wieder die ganze Nacht nicht schlafen!“ „Wegen der neuen Freundin Deines Nachbarn?!“ „Ja, wegen der! Diese hysterische Kuh!“ „Hä? Du kennst sie also schon?“
„Seit über einer Woche kenne ich sie besser, als mir lieb ist!“ Kerstin schnauft empört in den Hörer. Ich hasse es, wenn ich in einer Unterhaltung nur Brocken vorgeworfen bekomme und mir den Rest irgendwie selbst zusammenreimen muss. „Kannst Du bitte in vollständigen Sätzen sprechen und mich aufklären, was Dich hier gerade so in Rage bringt?!“
„Nö! Das musst Du selbst erleben! Komm heute Abend zu mir und bring was zum Übernachten mit!“ Da ich nichts vorhabe und ein gemeinsamer Abend eh schon lange mal wieder fällig ist, lasse ich mich also breitschlagen und stehe mit Zahnbürste und Schlafklamotten im Gepäck um 18.30 Uhr vor Kerstins Tür.

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„Komm rein, wir haben nicht viel Zeit zum Quatschen! Um 22 Uhr spätestens müssen wir im Bett liegen!“ „Du spinnst doch! Ich dachte wir machen uns einen gemütlichen Abend!“ „Abwarten wie gemütlich der noch wird!“ blafft sie mir entgegen und schiebt mich in die Küche.
„Also was ist denn jetzt mit der neuen Freundin deines Nachbarn?“ „Tanja, Du kannst es Dir nicht vorstellen… Jeden Abend schieben die da über mir eine Nummer! Um Punkt 22 Uhr geht es los. Und dann diese Töne, die sie und er dabei von sich geben. Ich dreh durch!!!“ Kerstin schlägt sich theatralisch die Hände vors Gesicht, während ich mir ein Grinsen nur schwer verkneifen kann. „Freu Dich doch für Deinen Nachbarn…!“ „Freuen? Hallo? Das klingt als ob man zwei pubertierende Affen mit Kokain und Viagra zugeballert hat und einfach abwartet was geschieht! Das kann man nicht mal mehr Sex nennen, was die da treiben!“ Ich fange laut an zu lachen. „Sag mal, kann es sein, dass Du einfach eifersüchtig bist?“ „Pffff… eifersüchtig. Was ein Quatsch! Ich habe mal recherchiert: Der Durschnitts-Deutsche hat ca. 140 Mal Sex pro Jahr. Wenn die da oben so weiter machen schaffen die Ihre Quote in einem Drittel der Zeit!!!“ „Dein Nachbar und seine neue Freundin sind in der Viel-Sex-Phase. Das ist doch normal am Anfang einer Beziehung! Gönn es ihnen doch!“ Ich versuche zu klingen wie eine Waldorflehrerin auf buddhistischem Erleuchtungstrip. „Wenn Du einmal gehört hast, was ich jetzt über eine Woche lang hier jeden Abend mitmachen muss, wirst Du verstehen was ich meine!“

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Kerstin schaut auf die Uhr. „Los, wir müssen ins Bad und dann ins Bett!“ scheucht sie mich auf, dass ich gerade noch schnell mein Glas Rotwein herunterstürzen kann und mir noch eine Hand voll Chips in den Mund stopfe.
Um 21.57 Uhr liegen wir nebeneinander im Bett. Jeder in seinem ollen ausgeleierten Schlafshirt, ungeschminkt, auf dem Rücken und die Arme auf der Bettdecke. Keiner sagt etwas. Wir warten einfach.
Es wird 22.02 Uhr. „Die verspäten sich heute!“ merke ich trocken an und überlege mir gerade, wie es wohl für einen Außenstehenden wirken mag, wie wir hier liegen. Gerade schießt mir das Bild von Waldorf und Statler (die zwei Alten vom Balkon aus der Muppetshow) durch den Kopf, als man ein Schnaufen von oben hört.
„Da! Jetzt geht’s los!“ ruft Kerstin aufgeregt und schiebt sich ihr Kissen unter dem Kopf zurecht.
Ein weibliches „OOOOCH“ weht durch die Zimmerdecke zu uns nach unten. Es klingt als ob sie gerade sagen möchte: „Ooooch, schon wieder kein fettarmer Joghurt im Kühlschrank!“ Kurz darauf ein männliches Ächzen, was stark an einen alten Mann erinnert, der sich zu Bücken versucht, um seine Klettverschluss-Schuhe zuzumachen. So ähnlich wie: „UUUUUUHHHH, meine Knie machen auch nicht mehr so mit…“ Das Quietschen der Bettfedern vermischt sich rhythmisch mit den Ooooochs und Uhhhhhs.
Kerstin schaut triumphierend zu mir herüber. „Na, ist DAS nicht scheiße? Sag doch mal! Das klingt doch echt mies!“ Kerstin sitzt mittlerweile aufrecht und mit verschränkten Armen, schmollend im Bett. „Hm… ich sag mal so, SEX, den man nicht selbst hat, klingt irgendwie immer mies!“ denke ich laut. „Da hast Du Recht! Aber es ist doch auch wirklich grauenvoll, wenn man anderen dabei zuhören muss. Das ist wie, wenn man jemanden Kuchen essen sieht, da bekommt man auch gleich Lust selbst welchen zu essen…!“

Mandel-Beerenkuchen 2

Wir sitzen einfach da und lauschen nach oben. Kerstin schüttelt immer mal den Kopf. Ich schäme mich ein wenig über mich und überlege was wohl schlimmer ist: wenn man zugibt Frauentausch im Fernsehen zu schauen oder wenn man gesteht den Nachbarn beim Sex zuzuhören, als sei es das neuste Bestseller-Hörbuch.
Ein lautes abschließendes „Och-Uh“ kommt von oben und dann ist Stille.
„So, jetzt haben wir knapp ne Stunde Zeit, bis es weiter geht…“ sagt Kerstin und grinst mich an. „Lust auf Kuchen?“

(…)

Mandel-Beerenkuchen guten Appetit

Habt Ihr jetzt auch Lust auf….äh…. Kuchen?
Dann gibt’s hier noch schnell das Rezept:

5.0 from 4 reviews
Mandel-Beerenkuchen
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Ingredients
  • Für den Mürbeteig:
  • 150 g Mehl
  • 80 g Zucker
  • 80 g Butter
  • 1 Eigelb
  • 1 TL abgeriebene Bio Orangenschale
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL kaltes Wasser
  • Für die Mandelfüllung:
  • 100 g weiche Butter
  • 100 g Zucker
  • 2 Eier
  • 100 g gemahlene Mandeln
  • 2 TL Mehl
  • 1,5 TL abgeriebene Bio Orangenschale
  • ½ Flasche Bittermandelöl
  • Für das Topping:
  • 300g Doppelrahmfrischkäse
  • 60 g Puderzucker
  • Saft einer Limette
  • 200 g Magerquark
  • gemischte Sommerbeeren nach Wunsch
  • Minze
  • Puderzucker zur Deko
Instructions
  1. Für den Mürbeteig alle Zutaten zu einem glatten Teig verarbeiten.
  2. Diesen dann in die Form drücken und mit Folie abgedeckt eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
  3. Die Form nun aus dem Kühlschrank holen, am Boden mehrmals mit einer Gabel einstechen, mit Backpapier auslegen und mit getrockneten Kichererbsen o.ä. befüllen und den Teig 10 Minuten bei 190 Grad vorbacken.
  4. Die Kichererbsen und das Backpapier entfernen und die Form noch mal für 5 Minuten in den Backofen schieben.
  5. Für die Mandelfüllung die Butter, Zucker und Eier mit dem Handmixer schaumig schlagen.
  6. Danach die restlichen Zutaten vorsichtig unterheben und in den vorgebackenen Mürbeteig füllen. Den Kuchen noch mal für 30 Minuten in den Ofen schieben.
  7. Den Kuchen auskühlen lassen und auf eine Tortenplatte setzten.
  8. Für das Topping den Frischkäse mit dem gesiebten Puderzucker und dem Limettensaft glatt rühren und anschließend den Quark unter den Frischkäse heben.
  9. Alles auf dem ausgekühlten Kuchen verteilen und großzügig mit Beeren belegen.
  10. Eventuell mit Minzblättern ausgarnieren.
  11. Mit Puderzucker bestreut servieren.

 

 

Am Freitag darauf bekam ich dann übrigens diese Nachricht von Kerstin auf mein Handy: „Mister Right ist wieder in der Stadt *freu ! Jetzt zeigen wir denen da oben mal was Lautstärke bedeutet!!! Schönes Wochenende für Dich! *Kuss-Emoji“

Ich muss gestehen, dass mein Bedarf an Kopfkino für die nächste Zeit erst einmal gedeckt ist.

Ich wünsche Euch eine erlebnisreiche Zeit…. *hüstel

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Polnische Pierogi

(…kulturelle Freundschaften funktionieren auch ohne EM…)

Pierogi

 

Heute räume ich mal auf, bzw. mach mal reinen Tisch… (auch in den Ecken!)
Bis vor einiger Zeit habe ich den Putzfeudel und den Staublappen noch selbst geschwungen. Mein Househalt wurde immer ausschließlich von mir eingesaut und dann auch wieder von mir saubergemacht. Denn, wer den Dreck verursacht, hat ihn schließlich auch wieder zu entfernen. Dies war jahrelang meine Meinung und ist sie eigentlich ja heute noch. Viele Damen in meinem näheren und engeren Umfeld hingegen, haben schon jahrelang eine „Unterstützung“ für genau dieses Thema. Viele sind NICHT berufstätig und gönnen sich einfach den Luxus, in der Zeit, in der die „Unterstützung“ da ist, mit einer anderen Freundin (ebenfalls nicht berufstätig) Kaffee- und Prosecco trinken zu gehen und dann in ein frisch duftendes und glänzendes, gewienertes Heim zurückzukehren. Nicht, dass es hier falsch rüberkommt: ich gönne diesen Luxus jedem!
Jahrelang war ich wirklich stolz darauf mein Berufsleben, nebst Househalt ganz souverän und ohne Mühe zu meistern. Zumindest nach außen… Heimlich wünschte ich mir natürlich jede Nacht vorm Schlafengehen die Heinzelmännchen, die in der Zeit meines Schlafes alles schön, ordentlich und saubermachen. Morgens war das House leider der gleiche Saustall wie am Abend zuvor. Keiner der Heinzelmännchen hat meinen Hilferuf je gehört.
Nachdem mir aber eines Morgens auf der Toilette ein niedlicher Silberfisch über die Füße lief, wusste ich: es besteht akuter Handlungsbedarf! Und zwar schnell.
Seitdem ist Natalia einmal die Woche da. Fragt nicht was es ein Kampf für mich war, es nicht als Erniedrigung für diejenige zu sehen, meinen Dreck wegzumachen. (Ja ich gestehe: beim ersten Mal habe ich sogar vorgeputzt!) Nach Woche drei war ich im Dienstleistungsgefühl angekommen.
Nach Woche 5 konnte ich ein paar Worte polnisch. Und nach Woche 8 war ich eingeladen für Woche 11…
Ein Zettel klebte an meiner Housetür:

LIEBE FRAU TANJA,
MANN WIRD 50 UND WILL FEIERN GROSE PARTY MIT VIEL FREUNDE UND VIEL TRINKE.
ICH MICH FREUEN WENN DU AUCH KOMST. (…)

Ok. Eine Einladung zu einer polnischen Feier mit „viel trinke“ war absolutes Neuland für mich. Deshalb erst mal den Herrn Googel befragen, was denn „viel trinke“ in Polen bedeutet.
Oha! Das erste was mir entgegensprang war „Wodka“… Pur. Nicht mit Fruchtsaft, sonstigem süßen Kram oder so. Ganz alleine im Glas. Einfach so.
Himmel, wie soll ich das unbeschadet überstehen, ohne mich zu blamieren?! Also erneut Herrn Googel zu Rate ziehen.
Der erste Tipp kam von >>Lilliana1409<< „Bevor Du eine polinsche oder russische Party besuchst solltest Du Dir unbedingt Kartoffeln kochen und Dir diese mit zwei rohen Eiern und zwei Esslöffel Öl einverleiben.“  Ich soll was???? Rohe Eier und Öl… Oh man…. Was bringt man nicht für Opfer für einen Abend mit neuen Kulturen.

Pierogi_4

Der Tag der Party war gekommen und ich koche mir also besagte Kartoffeln und schlucke sie mit zwei rohen verquirlte Eiern und zwei Löffeln Öl hinunter. Den Würgereflex unterdrücke ich ganz professionell in dem ich an Götterspeise mit ähnlicher Konsistenz denke. (Waldmeistergeschmack mag ich am liebsten bei Götterspeise.) Dann setze ich mich in den Bus und mache mich auf den Weg in Richtung „Polen“.

Schon von Weitem erkenne ich, dass ich an der richtigen Adresse von Natalia und ihrem Mann bin, denn die Straße ist zugeparkt mit Autos, die mit polnischen Kennzeichen versehen sind. Klingeln ist nicht nötig, die Tür steht offen. Eine weißblonde Schönheit von ca. 22 Jahren kommt mir in der Haustür entgegen, lacht mich an und deutet wortlos mit dem Zeigefinger ins Haus hinein. Im Wohnzimmer sitzen ungefähr 40 Personen, alle mit Wassergläsern in der Hand, laut und fröhlich in fremder Sprache plaudernd und lachend. In diesem Moment kommt schon Tomasz, der Mann von Natalia um die Ecke geschossen, umarmt mich herzlich, drückt mir ein Wasserglas in die Hand und schenkt fröhlich Wodka aus einer überdimensionierten Flasche in mein Glas und in das der Umsitzenden. Eine Frau steht auf und spricht irgendeinen polnischen Trinkspruch, den jeder außer mir versteht und laut lacht. Ich lache einfach höflich mit. Dann stürze ich das klare Getränk hinunter. „Nein, Du darfst Dich jetzt nicht schütteln! Schau entspannt und tu so, als ob es nach frischer Limonade geschmeckt hat!“ rede ich mir ein. Noch ist meine Fantasie groß genug, dass mir dies gelingt… Ich setze also ein souveränes Gesicht auf. Da kommt Natalia und zieht mich mit sich in die Küche.

Wodka

Die Küche ist nicht groß, dafür aber vollgestellt mit allem was das polnische Herz höher schlagen lässt. Sie schaut mich ernst an und sagt dann: „Frau Tanja, nix trinken viel Wodka ohne essen viel vorher. Ist gefääährrrlich!“ Dabei hebt sie ihren Zeigefinger und wedelt damit vor meinem Gesicht herum. Und schon habe ich einen Teller in der Hand und bekomme von allem was das Buffet hergibt aufgeladen.
Ihr Mann kommt schnellen Schrittes in die Küche, drückt mir erneut ein Glas in meine freie Hand und sagt: „Essen nur gut mit Wodka. Nix alleine nur essen. Immer trinken. Viiiel trinken!“ Und schon knallt sein Glas an meines und wir stürzen gemeinsam den klaren Inhalt herunter. Ich schaffe es wieder ohne Schütteln. Die weißblonde Schönheit, die ich beim ankommen sah, betritt zeitgleich die Küche, sagt etwas auf polnisch und bekommt, ebenso wie ich, erneut ihr Glas vollgegossen. Sie lässt einen Trinkspruch vom Stapel, kichert, prostet mir zu und schon fließt das gekühlte klare Getränk meine Kehle hinunter. Gegessen habe ich immer noch nichts. Meine Hand klammert an dem vollen Teller und hat kurz Mühe ihn in der waagerechten zu halten. In meinen Ohrspitzen beginnt es ziemlich warm zu werden und ich weiß, dass sie in Kürze in knalligem Rot wie ein Signal an meinem Kopf leuchten werden. Ich muss etwas essen. Sofort. Die erste Gabel fördert eine Art Ravioli in meinen Mund. Es schmeckt himmlisch. Diese Füllung- weich und würzig, mit kleinen Speckwürfeln in der Sauce. Genau das, was mein alkohlberauschter Körper jetzt zum Aufsaugen dieser tückischen klaren Flüssigkeit braucht. Ich schiebe mir gierig eine nächste übervolle Gabel in den Mund und werde plötzlich von hinten ins Wohnzimmer geschoben.

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Kauend stehe ich da, während Tomasz mich der Runde vorstellt (auf polnisch…wie sonst?!? Natalia übersetzt in gebrochenem Deutsch). Ein junger Mann geht herum und schenkt erneut alle Gläser voll. Trinkspruch? Alle warten und sehen mich an. Ich schlucke hastig meine polnische Ravioli herunter und überlege krampfhaft nach passenden Worten. „Danke für die nette Einladung und ein Hoch auf Tomasz!“ Ich erhebe mein Glas, proste in die Runde und leere erneut den Inhalt mit einem Zug. Das Gefühl von sich-schütteln-müssen ist mittlerweile verschwunden. Einfach so. Ich merke wie ein kleiner Rinnsal Flüssigkeit an meinem Mundwinkel herunterläuft, wische ihn mit dem Handrücken weg und spüre wie sich ein kleiner Speckwürfel mit zur Seite schiebt. Huch…der klebte wohl die ganze Zeit schon in meinem Gesicht, während ich in die Runde prostete und meinen Trinkspruch sagen musste. Peinlich! Darauf gleich nochmal einen Wodka. Das Glas in meiner Hand war schon gefüllt, bevor ich darum bitten konnte. Ich muss sagen, das mit der Gastfreundschaft haben sie wirklich drauf. Ich habe mich ja vorher mit der polnischen Mentalität nie auseinander gesetzt. Aber ich bin von Glas zu Glas mehr begeistert von diesem Land und seinen Menschen. Irgendwann tanzen alle. Glaube ich. Also zumindest tanze ich. Und vor meinen Augen tanzt auch alles andere. Zeit nach Hause zu gehen. Wo war der Ausgang? Ich muss an der Küche vorbei. Und da steht sie noch, die Schüssel mit den mittlerweile kalten Pierogi. Ich mag kaltes Essen nach dem Tanzen. Also schnappe ich mir die Schüssel mit den köstlichen Nudeltaschen, verlasse das Haus und steige in das wartende Taxi.

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Am nächsten Morgen blickt mich die leere Schüssel eines polnischen Porzellanherstellers neben meinem Bett vorwurfsvoll an. Wer hat bitte das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Polen klauen, frage ich mich beschämt und schreibe Natalia eine Handynachricht, in der ich mich für den Diebstahl entschuldige und für den schönen Abend bedanke.

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Das Rezept für diese oberköstlichen Pierogi gibt’s hier:

5.0 from 9 reviews
Polnische Pierogi
 
Author:
Serves: 4
Ingredients
  • 400 g Mehl
  • 4 Eier
  • Salz
  • 400 g mehligkochende Kartoffeln
  • 2 Schalotten
  • 2 EL Butter
  • 200 g Quark
  • 1 Eigelb
  • Salz
  • bunter Pfeffer aus der Mühle
  • Speckwürfewürfel nach Belieben
  • 1 Zwiebel in feinen Ringen
  • Mehl
  • Butterschmalz
Instructions
  1. Auf der Arbeitsfläche das Mehl aufhäufen und in der Mitte eine Mulde formen.
  2. Die Eier, ½ TL Salz und nach Bedarf etwas Wasser zugeben und zu einem festen, glatten Teig verkneten. Diesen in Frischhaltefolie wickeln und ca. 30 Minuten ruhen lassen.
  3. Für die Füllung die Kartoffeln waschen und in Salzwasser ca. 30 Minuten gar kochen. Anschließend schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken.
  4. Die Schalotten schälen, fein würfeln und in der Butter goldgelb anschwitzen.
  5. Zusammen mit dem Quark und dem Eigelb unter die Kartoffeln mengen und mit Salz und Pfeffer würzen.
  6. Dann den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen.
  7. Mit einem Ausstecher Kreise von 6-8 cm Durchmesser ausstechen.
  8. In die Mitte von jedem Teigkreis einen gehäuften Teelöffel Füllung geben, dann den Teig zu Halbmonden zusammenklappen und die Ränder sorgfältig andrücken.
  9. Nach Belieben mit einer Gabel Muster eindrücken.
  10. In Salzwasser ca. 5 Minuten sieden lassen.
  11. Währenddessen die Zwiebelringe in Mehl wälzen und in Butterschmalz knusprig ausbacken.
  12. Nach Belieben Speckwürfel ebenfalls anbraten und alles mit den Pierogi auf einem Teller anrichten.

Und wer zu ner Wodka-Sause eingeladen ist- kleiner Tipp von meiner Seite: Immer mal heimlich ein Wasser aus dem Wodkaglas trinken (sieht aus wie Wodka und verlängert den Abend!)

In diesem Sinne,
Na zdrowie!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Milchreis-Erdbeere-Sushi mit Pistazien-Minz-Pesto

(…eine neue alte Generation im Kommunikationsrausch…)

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Vor ein paar Wochen wurde meine Tante Doris 75. Ein Alter, das in der heutigen Zeit ja nun noch kein Alter ist, wie sie immer betont. Tante Doris ist sehr modern. Sie hat einen exklusiven Wohngeschmack, sammelt moderne Kunst von unbekannten Künstlern und interessiert sich immer für die angesagteste Mode auf den Laufstegen dieser Welt. Das einzige wogegen sie sich die ganze Zeit gesträubt hat, war das Thema Handy.

„Warum soll mich bitte jemand anrufen, wenn ich doch eh nicht zu Hause bin?“ war ihr Argument. Dass es vielleicht auch mal Notsituationen geben könnte, schloss sie kategorisch aus. An ihrem 75. Geburtstag bekam sie von meinem Cousin und mir dennoch ein schickes Smartphone geschenkt, was erst einmal mit hochgezogenen Augenbrauen achtlos auf dem Gabentisch hinter einem Meer von Blumensträußen und Gestecken verschwand.

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Ein paar Tage später, es war fast Mitternacht und ich war gerade eingeschlafen, wurde ich durch das Brummen meines Handys wieder in die Wirklichkeit geholt. Das Wort TEXT steht da in der Sprechblase der SMS und erleuchtet mein dunkles Schlafzimmer. Mehr nicht. Und schon blinkt mein Handy wieder. TEXT. HALLO. TEXT. Immer mehr Nachrichten werden auf meinem Display angezeigt. Irgendwann erscheint dann HIER IST TANTE DORIS. Zuerst leicht genervt, dann belustigt, bin ich doch sehr stolz auf meine Tante, dass sie das Handy tatsächlich in Benutzung hat. Ich antworte kurz mit „Gute Nacht“.

Mein Cousin erzählt mir dann ein paar Tage später wie es dazu kam. Tante Doris hatte bei ihrem Bridge-Treffen den anderen Damen völlig empört von diesem unnützen Geschenk erzählt. Daraufhin holten alle anderen stolz Ihre Handys aus den Taschen und meinten, dass sie auf auf dieses Wunderding gar nicht mehr verzichten wollten und dies so viel Spaß machen würde.

Seit dem ist die Frau im modernen Kommunikationsrausch. Anfänglich kamen alle Nachrichten konsequent in Großbuchstaben. SONNE. Was so klang, als ob ich dafür sorgen sollte, dass gefälligst die Sonne scheinen soll. Für mich vermitteln Großbuchstaben oftmals so einen sehr bestimmenden Befehlston. Einmal hat sie, anstatt meiner Handynummer einzugeben, meine Festnetznummer getippt. Eine monotone Computerstimme las mir durch den Hörer vor: ICH FREUE MICH. MEINE ERSTEN GÄNSEBLÜMCHEN SIND AUF DER WIESE. ES WIRD FRÜHLING. Das klang als hätte Darth Vader auf einmal seine softe Seite entdeckt.

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Ich muss sagen, Tante Doris lernt wirklich schnell. Nach nur zwei Wochen wurden die SMS mit lustig hüpfenden Smileys ergänzt. Mal küssend, mal genervt blickend, wenn es im Supermarkt wieder zu lange dauerte. Die Kommunikationsmaschine machte keine Pause mehr und jagte zu jeder sich bietenden Situation Nachrichten am mich heraus. Dann kam eine Nachricht meines Cousins: „Meine Mutter nervt mich mit ihrem Handy und diesen SMS *rollende-Augen-Smiley* Ich bereue unser Geschenk mittlerweile etwas…“ Am Telefon erzählt er mir dann, dass er mittlerweile kaum noch Anrufe von ihr bekommt. Und wenn, dann sind diese fast genauso stenografisch wie ihre SMS. Postkarten gibt es seitdem auch nicht mehr. Nur noch ein Foto mit der Bridge-Gruppe beim Kirchenausflug in Sankt Bartholomä, ein kurzer getippter Gruß und an dessen Ende zwei schunkelnde Bierkrüge. Mein Cousin klang echt frustriert. Und ich kann ihn verstehen.

Gerade vor zwei Tagen schrieb ich nämlich Tante Doris abends eine umfangreiche SMS, in der ich ihr erzählte, dass ich das Rezept für ihren Milchreis, den sie uns damals immer einmal in der Woche nach der Schule gekocht hat nicht mehr finde und fragte sie, ob sie es mir vielleicht nochmal aufschreiben könnte. Daraufhin bekam ich ein Bild von ihr geschickt, auf dem man sie jugendlich gekleidet in einer Bar am Tresen sitzen sah, neben ihr Frau Dörrhöfer, ihre Bridge-Freundin, umringt von einem Dutzend halb so alten Männern. Darunter der Satz: „ICH MELDE MICH MORGEN BEI DIR TANJA. HAB ZU TUN. BIN JETZT OFFLINE!

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Das Rezept bekam ich dann ausnahmsweise handgeschrieben von meiner Tante  persönlich überreicht. Allerdings mit dem Satz: „Also, so ein Computer soll ja auch sehr praktisch sein….“

Ich war dann so frei und habe das Rezept von Tante Doris Milchreis ein wenig neu interpretiert. Heraus kam Milchreis 2.0 in Form von Milchreis-Sushi mit Erdbeeren und Pistazien-Minz-Pesto. Und um auch komplett im Zeitalter von Internet & Co. zu bleiben, habe ich mir diesmal alle Zutaten dafür einfach liefern lassen. Sehr praktisch, wenn man mal wieder keine Zeit hat das House zu verlassen oder das Auto seinen Geist aufgegeben hat.

Wenn ich das Tante Doris verrate, flippt sie total aus. Sie wird alle ihre Bridge-Damen damit neidisch machen, dass sie nun endlich nicht mehr von der aufdringlichen Frau Auperle, die seit gefühlt 100 Jahren im ortsansässigen Supermarkt an der Kasse arbeitet, darauf hingewiesen wird, dass die Plastik-Einkausfskörbe den Markt nicht verlassen dürfen.

Und so kommt jede Generation irgendwann und irgendwie im neuen Zeitalter an. Ich sage Euch, die Alten sind die neuen Jungen Wilden…

Das Milchreis-Sushi-Rezept gibt es hier:

5.0 from 5 reviews
Milchreis-Erdbeere-Sushi mit Pistazien-Minz-Pesto
 
Author:
Ingredients
  • 1 Liter Milch, zimmerwarm
  • 250 g Milchreis
  • 4 EL Zucker
  • 1 EL Butter
  • 1 Vanilleschote
  • Reispapier
  • 250g Erdbeeren gewürfelt
  • Sesam ungeschält
  • Für das Pesto:
  • 15 g gehackte Mandeln
  • 5 Stiele Minze
  • 3 Stiele Thai-Basilikum
  • 30 g Pistanzien
  • 4 Tl Honig
  • 2 El Limettensaft
  • Salz
  • 5 El Traubenkernöl
Instructions
  1. In einem ausreichend großen Topf die Butter schmelzen, anschließend den Milchreis kurz in der Butter anschwitzen. Nun die zimmerwarme Milch sowie 4 EL Zucker hinzugeben. Das Mark einer Vanilleschote sowie die aufgeschlitzte Schote ebenfalls in den Topf geben. Alles unter vorsichtigem Rühren mit dem Holzkochlöffel einmal aufkochen lassen, dabei aufpassen, dass sich nichts am Topfboden ansetzt.
  2. Nun den Topf auf eine Herdplatte stellen, die auf kleinster Stufe heizt. Den Milchreis im geschlossenen Topf ca. 30 Minuten ziehen lassen. Zwischendurch immer mal umrühren.
  3. Den Milchreis auskühlen lassen.
  4. In der Zwischenzeit für das Pistazien-Minz-Pesto die Mandeln in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten, auf einen Teller geben und abkühlen lassen. Minze- und Basilikumblätter abzupfen. Mit Mandeln, Pistazien, Honig, Limettensaft, 1 Prise Salz und Traubenkernöl in einen Blitzhacker geben und sehr fein mixen. In ein Gläschen füllen und beiseitestellen.
  5. Die Reisblätter mit Wasser befeuchten und auf einem Brett auslegen.
  6. Im oberen Drittel den Milchreis verstreichen und mit Erdbeerwürfeln belegen.
  7. Dann aufrollen und die Enden zusammendrücken.
  8. Die noch feuchten Rollen in Sesam wälzen und kühl stellen.
  9. Die Sushi-Rollen in Scheiben schneiden und mit dem Pesto anrichten.
  10. Guten Appetit!

Mordernste Zeitalter angepasste Grüße
(keine Ahnung wie man modern grüßt…Ich sollte Tante Doris vielleicht demnächst noch die Ghettofaust beibringen :-) )

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von allyouneedfresh.de

Pastinakensuppe mit Kokosschaum

(…oder über meine Erkenntnisse, dass ich Schrumpelknie habe…)

Pastinakensuppe_2

Ostern ist seit ein paar Tagen erfolgreich ad acta gelegt und nun warte ich sehnsüchtig darauf, dass endlich mal die Sonne scheint und die nicht gefundenen Schokoladeneier in der Wiese schmelzen. Damit ist die Gefahr, dass ich sie beim Rasenmähen finde und gierig in den Mund stopfe nämlich im Keim erstickt. In der Sonne geschmolzene Schokolade finde ich total eklig.

Der „Nachteil“ an Sonne und Wärme ist aber, dass man sich auch in der Klamottenwahl wieder völlig umstellen muss. Ab 18 Grad Außentemperatur sieht es einfach lächerlich aus, wenn man noch mit dickem Strickpulli umherläuft, nur weil er die Pfunde von Weihnachten und Ostern so schön wegschummelt. (Im Übrigen, finde ich, dass dieses Konzept nicht bei allen Menschen aufgeht… Zopf-Strick-Muster zum Beispiel befördert optisch sogar noch einige Kilos mehr auf den Leib, es sei denn man trägt Kleidergröße Zero…)

In dieser Woche traf ich mich mit einer Freundin zum After-Easter-Brunch. Ihre 15 jährige Tochter Kim saß mit uns am Tisch und irgendwann kam unweigerlich das Thema auf Klamotten und Modebewusstsein. Kim behauptete doch allen Ernstes, dass Ihre Mutter die am schlechtesten angezogene Mutter in Ihrer Klasse wäre, worauf mir fast mein Vollkornbrötchen im Hals hängen blieb. Daraufhin bekamen wir dann eine Einführung in die abstrakte Modewelt eines pubertierenden Teenagers, geprägt durch bildhafte Darstellungen von Instagram, Tumblr und Co und dem Satz: „Ihr habt ja noch nicht mal eine Jeans mit Löchern im Schrank!“ Zwei Flaschen Prosecco später, waren meine Freundin und ich davon überzeugt, dass wir echt im Mode-Aus geparkt haben.

Mit diesem Wissen bin ich dann nach House gefahren und habe mal einen intensiven Blick in meinen Kleiderschrank geworfen. Zugegeben…Spektakulär ist anders, aber zum Davonrennen fand ich es auch nicht. Ich sag mal so: ich sehe immer schwarz in meinem Kleiderschrank. Viel schwarz. Ich mag schwarz eben. Trotzdem hatte ich auf einmal das dringende Bedürfnis shoppen zu gehen.

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich (sehr frauenuntypisch) shoppen gehen hasse. Mag zum einen daran liegen, dass ich keine Standard-Norm-Körpergröße habe und gefühlt an alle Beine und Ärmel 15 cm drannähen könnte. Zum anderen finde ich Umkleidekabinen widerlich. Allein wenn ich den Vorhang zur Seite schiebe und mir ein Geruchsgemisch aus Parfum, Fuß- und Achselschweiß entgegenweht, könnte ich die Verkäuferin schon nach der Ausgabe von Kotztüten fragen. Noch dazu finde ich, dass das Licht und die Spiegel in diesen Zellen alles andere als vorteilhaft auf meine Figur und meinen Teint wirken.

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Also entschloss ich mich, mich im Internet inspirieren zu lassen und ohne das House verlassen zu müssen shoppen zu gehen. (In außerklamottigen Angelegenheiten unterstütze ich übrigens immer den Einzelhandel!). Nachdem ich in der Rubrik Hosen fast ausschließlich verschlissene Modelle mit Löchern an den Knien und Abnutzungsstellen an den Oberschenkeln gefunden habe, war ich ganz von Kims Meinung überzeugt. Ich brauche auf jeden Fall eine Hose mit Löchern…!!! Und schon wanderte eine solche Hose (natürlich in schwarz) in den Onlinewarenkorb. Lieferzeit 1 Tag, was für mich als ungeduldiger Mensch wie Musik in meinen Ohren klang.

Und tatsächlich klingelte am nächsten Tag der Postbote und überreichte mir mein Paket. Wie gesagt kann ich nicht behaupten eine Stangengröße zu tragen, weshalb ich die Hose direkt mal in 3 verschiedenen Größen bestellt habe. In der Beschreibung stand ja, kostenlose Rückgabe…Perfekt also!

Die Ernüchterung siegte aber viel schneller, als geplant, über die Euphorie. Als ich vorm Spiegel stand und mich in perfektem Licht in meiner neuen völlig zerrissenen Hose (welch Ironie) betrachtete, grauste es mir. Kim hatte in ihrer Ausführung irgendwie nicht bedacht, dass der Altersunterschied zwischen Ihr und ihrer Mutter, bzw. mir, bei so guten 20 Jahre plus liegen. Natürlich ist 20 Jahre ältere Haut auch nicht mehr mit so viel Spannkraft besäht. Nein, auch nicht am Knie! Und genau diese Stelle stach mir, dank textilfreiem Anblick, bedingt durch das Loch in der Hose, ins Auge. Himmel…Ich habe Schrumpelknie!!! Wie ein schwarzer Bilderrahmen umrahmte der noch intakte Stoff der Hose meine unschöne Kniepartie, die mir vorher so nicht aufgefallen war. Ein Fall für den Schönheitschirurgen? Äh, nein! Eher ein Fall die Hose schnell auszuziehen, wieder einzupacken und zurückzuschicken. Und oh Wunder, als ich die Hose ausgezogen hatte, waren meine Schrumpelknie verschwunden. Alles glatt und wunderbar. Oder lag es daran, dass sie nun nicht mehr in Szene gesetzt waren??? Ganz egal, die Hose musste weg!

Ich war dennoch leicht gefrustet, dass die Zeit von trendigen teuren zerstörten Hosen wohl für mich vorbei ist. Naja, und gegen Frust hilft bei mir eines immer: Kochen und Essen.  Also auf zum Kühlschrank und erst mal inspizieren was sich so als Frustheilmittel anbot. Ganz hinten in der letzten Ecke erblickte ich dann etwas, was mich sehr stark an meine gerade gesehenen Knie erinnerte… „Ach herrje, die habe ich ja total vergessen!“ schoss es mir durch den Kopf. Drei leicht verschrumpelte Pastinaken schauten mich traurig an und schrien förmlich danach erlöst zu werden. In einem Wahn von „Was-koche-ich-alles-an-Ostern“ habe ich vor über einer Woche Pastinaken gekauft und die armen Dinger ganz einfach im Kühlschrank vergessen.

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Noch mehr schrumpelige Anblicke konnte ich an diesem Tag wirklich nicht verkraften, weshalb ich die Pastinaken kurzerhand zu einer wunderbaren Suppe verarbeitet habe. (Mit meinen Knien konnte ich das ja schlecht machen *lach)

Ach und was war das Süppchen köstlich. Und tröstlich. Und wärmend. Und hat gar nicht verschrumpelt geschmeckt. Im Gegenteil, ich finde ja, dass das Pastinakenaroma sogar dadurch noch viel besser durchkam!

Und deshalb mein Fazit zu diesem Tag: Reife Früchte sehen vielleicht stellenweise nicht mehr so schön aus, aber sind auf jeden Fall besser als zu junges Gemüse!

Wer an Schrumpelknien leidet oder schrumpelige Pastinaken verwerten muss, hier das Rezept:

5.0 from 3 reviews
Pastinakensuppe mit Kokosschaum
 
Author:
Serves: 4
Ingredients
  • 50 g Schalotten
  • 150 g Kartoffeln
  • 600 g Pastinaken
  • 40 g Butter
  • 1,2 l Gemüsebrühe
  • 250 ml Schlagsahne
  • Salz
  • Muskat
  • Thymian
  • 1 El Öl
  • Pfeffer
  • 150 ml Kokosmilch (ungesüßt)
Instructions
  1. Die Schalotten fein würfeln.
  2. 150 g Kartoffeln und
 600 g Pastinaken schälen.
  3. Ca. 100g Pastinaken fein würfeln und beiseitestellen.
  4. Kartoffeln und restliche Pastinaken grob in Würfel schneiden.
  5. Die Butter in einem Topf zerlassen.
  6. Schalotten, grobe Pastinakenwürfel und Kartoffeln darin glasig andünsten.
  7. Mit 1,2 l Gemüsebrühe und 250 ml Schlagsahne auffüllen und zugedeckt aufkochen.
  8. Mit Salz und Muskat würzen. Offen weitere 20 Minuten kochen.
  9. Suppe mit dem Schneidstab fein pürieren und beiseite stellen.
  10. Das Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die restlichen Pastinaken darin 10 Minuten bei mittlerer Hitze braten, bis sie weich sind.
  11. Die Kokosmilch in einem Topf kurz aufkochen und mit dem Pürrierstab gründlich aufschäumen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  12. Suppe erwärmen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit der Einlage und dem Kokosschaum in Tellern oder einer Tasse anrichten und mit Thymianblättchen bestreuen.

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So, und jetzt wisst Ihr auch warum ich einen Food- und keinen Modeblog habe…!

Frühlingshafte Grüße an Euch!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

 

 

 

 

 

 

 

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