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Dattel-Birnen-Tartelette

{…Not macht erfinderisch…}

Datteln Birnen Tartelette

Wenn der Ofen kalt bleiben muss, weil die Küche noch im Umbau ist und man Besuch von jemand bekommt, der tierischen Produkten komplett entsagt (hier im House wird jeder empfangen und versorgt, egal mit welchen Essgewohnheiten!), dann muss man in die Trickkiste greifen.

Deshalb gibt’s heute mal ganz „Auf die Schnelle mit der HouseDame“ energiespendende und vegane Dattel-Birnen-Tartelettes. Vielleicht braucht ihr ja auch am Wochenende noch etwas für die Kaffeetafel… Und wer es lieber unvegan mag, haut noch ne ordentliche Portion Schlagsahne obendrauf! Ich kümmere mich jetzt weiter um meine Küche, damit ich in Kürze wieder 4 Herdplatten, statt nur einer mobilen Induktionsplatte, im Gebrauch haben kann. So langsam nervt dieser Zustand nämlich…

Dattel Birnen Tartelette

Hier also schnell das Rezept für dieses vegane Energie-Tartelette:

Dattel-Birnen-Tartelette
 
Author:
Ingredients
  • Boden:
  • 130 g getrocknete Aprikosen
  • 130 g Datteln
  • 20 g Kokosöl
  • 130 g grob gemahlene Mandeln
  • Füllung:
  • 500 g reife Birnen in Würfel
  • 2 EL Zucker
  • 100 g Mandelblätter
  • 1 Vanilleschote ausgekratzt
  • 3 EL Birnenschnaps (z.B. Williamsbirne)
  • ½ Zitrone frisch gepresst
  • etwas Zimt gemahlen
Instructions
  1. Die getrockneten Aprikosen und die Datteln klein schneiden und mit den Mandeln in eine Schüssel geben.
  2. Jetzt das Kokosöl langsam schmelzen und dazu geben.
  3. Die Masse in kleine Tarteletteformen drücken und einen kleinen Rand formen.
  4. Die Tarteletts bis zur Weiterverwendung in den Kühlschrank stellen.
  5. Birnen mit Zucker, Mandeln, Mark einer Vanilleschote, Birnenschnaps, Zitronensaft und einer Prise Zimt vermengen und ca. 10 Min.dünsten.
  6. Das Obst gleichmäßig auf dem Dattel-Mandel-Boden verteilen und am Ende mit gehobelten Mandeln bestreuen.
  7. Für Nicht-Veganer: Die Mandelblättchen in etwas Honig und Butter in der Pfanne karamellisieren lassen und dann darüber geben.

Und falls Ihr doch lieber backen wollt, könntet Ihr ja z.B. mal diese Brombeertörtchen mit Champagnercreme ausprobieren.

Einen wundervollen Samstag für Euch!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

 

Vanille-Milchreis mit Mandarinen-Likör

{…was die H-Milch im Milchreis mit der Vergabe von Kindernamen zu tun hat…}

Vanille-Milchreis mit Mandarinen-Likör

Neue Kinder braucht das Land….
Aber bitte welche, deren Namen man auch unfallfrei aussprechen kann.
Das Thema Namensgebung ist ja bei werdenden Eltern immer eine ganz große und sensible Sache. Ok, Namen sind Geschmackssache, aber bitte was geht in Eltern vor, die ihren Kindern Buchstabier-Namen geben? Oder Namen, wie „Tyron“, Bo-Devin“ und „Clint“ bei denen man die DDR-Flagge den Kids gleich mit auf die Stirn tätowiere könnte.
Kerstin, die Schwester meiner Freundin, hat vor kurzem ihren ersten Sohn geboren und ihn Vlado genannt. Vlado Schubert. Für mich klingt das nach unausgelebten Fantasien der Eltern, nach Restwünschen für die eigene Biografie, die durch die Namen der Kinder noch ausgetobt werden. Vielleicht betreibt ja Vlado irgendwann mal einen Schrottplatz oder wird ein Star am Himmel der Pornoindustrie. Trommelwirbel- Spot on: Meine Damen, bitte nicht mit Schlüpfern werfen… hier kommt Vlado Schubert aus „Hintertupfingen“. Der arme Junge wird sein Leben lang mit mitleidigen Blicken bedacht werden, wenn er irgendwo seinen Namen angeben muss.
Er könnte auch eine eigene Wodka-Marke herausbringen. „Einen Vlado-O bitte! Mit viel Eis und Strohhalm.“ Das geht doch an der Bar ganz geschmeidig über die Lippen, findet Ihr nicht?

Vanille-Milchreis mit Mandarinen-Likör

Ihr merkt, in das Thema Namensgebung von Kindern kann ich mich so richtig reinsteigern.
Im letzten Sommer zum Beispiel war ich auf einem 40 Geburtstag eingeladen. Die Party fand auf einer stylischen Dachterrasse im einem schicken Frankfurter Stadtteil statt. Die Männer trugen alle Bärte, 70erJahre Brillen und spitze Schuhe. Die Frauen hüllten sich entweder in einen Hauch von Nichts oder waren umgeben von durchsichtigen Spitzenstoffen oder hatten Rockebilly Tattoos auf den Armen. Eine bunte Mischung sozusagen.
An der Getränkestation im Badezimmer traf ich auf Holger, der mit seiner schwangeren Freundin Sandra da war. Sandra hatte bereits zwei Kinder (Esteban und Pablo von zwei verschiedenen Männern). In Holger, der nach seiner Aussage noch nicht ganz so lange mit Sandra zusammen war, keimte der Wunsch auf mit dem Namen des Kindes ein Wenig „sein Territorium“ abzustecken. Während wir beide in der mit Eiswürfel gefüllten Badewanne nach einem wohl angesagten koreanischen Bier angelten, verriet er mir, dass es ihm wichtig wäre, dass der Name seines Kindes auch mit „H“ anfinge. „Ich will, dass etwas von mir bleibt… weißt Du Tanja, so wie ein klein Wenig Unsterblichkeit. H, wie Holger…“ Ich plantschte stumm mit meinen Händen in dem Eiswürfelmatsch. Ich hatte von Gedanken dieser Art bei Männern schon gelesen und nun stand so ein Paradebeispiel tatsächlich vor mir. „Aha!“ mehr wusste ich darauf nicht zu antworten.
„Also ich hab’ ja schon ein paar Favoriten.“ Holger nimmt einen tiefen Schluck Bier aus seiner Flasche. „Hadrian, Herkules, Hektor, Hariolf… ich habe mir extra ein Namensbuch besorgt. Davon weiß Sandra aber nichts… Was meinst Du? Welchen Namen findest Du am besten?“
Ich überlege erst ob Holger scherzt oder ob er plant, dass sein Sohn in 20 Jahren bei dem 17. Remake von Gladiator mitspielt. Holger scherzte aber nicht!
Gar nicht so einfach in solch einer Situation nicht zu lachen und vor allem keine Witze über ungeborene Kinder von völlig fremden Leuten zu machen.
„Was wäre denn mit H-Uwe? Oder H-Paul? H-Frank wäre doch auch schön! Sag mal Holger, wird es denn mit Sicherheit ein Junge? Ansonsten hätte ich noch für ein Mädchen H-Olga im Angebot, klingt auch fast wie Holger…“ Ich musste dann doch lachen… und das sogar ziemlich laut. Sich über seine eigenen Witze tot zu lachen kommt irgendwie selten gut. Aber ganz im Ernst: Diese Sache mit den H-Namen hatte einfach viel zu viel Potential, um sich vor Lachen fast einzunässen.

Holger reagierte erwartungsweise ziemlich humorlos. Und ich weiß jetzt auch warum, denn ich hab mich da mal zum Thema Namen schlau gemacht: Die meisten Holgers dieser Welt sind nach einer Studie der Universität Chemnitz so wie dieser Party-Holger. Hierfür wurden nämlich 150 Testpersonen befragt, was die Charaktereigenschaften der 60 gebräuchlichsten deutschen Vornamen so sind. Demnach sind Holgers eher alt, hässlich, humorlos und schwer von Begriff… Noch etwas schlimmer haben es die Dirks, Olafs, Kerstins und Anneliesen. Diese gelten nämlich laut der Studie als völlig PlemPlem… Ob man da allerdings so viel darauf geben soll, weiß ich nicht.
Man sieht, das mit der Namensgebung ist tatsächlich nicht leicht, zumal das Kind ja nachhaltig sein Leben lang damit „gesegnet“ ist. Man wähle den Namen seiner Nachkömmlinge also mit Bedacht….

Mandarinenlikör

Vor Kurzem trudelte dann hier eine Karte mit einem süßen Babyfoto ins House:
HENRIETTE IST DA! stand ganz groß vorne drauf. (…)

Ich lasse das jetzt hier mal unkommentiert und gebe Euch anlässlich des Themas Kinder noch schnell das Rezept für ein beliebtes Kinderessen: Vanille-Milchreis (mit Mandarinen-Likör). Für die Kinder natürlich nur mit Kompott! Wer mag bestreut das ganz Ganze noch mit diesen Cracker-Bröseln. Ich habe zum Schluss noch einen Schuss Mandarinenlikör darüber gegeben.

Vanille-Milchreis mit Mandarinenokmpott
 
Author:
Recipe type: Dessert
Ingredients
  • Vanille-Milchreis:1 l Milch
  • 250 g Milchreis
  • 5 EL Zucker
  • 1 Vanillezucker
  • Salz
  • ½ Vanilleschote
  • Mandarinenkompott:
  • 3 Orangen
  • 10 Mandarinen
  • 2 EL Zitronensaft
  • ½ Vanilleschote
  • 80 g Zucker
  • 1 TL Speisestärke
  • 2 EL Mandarinenlikör (ersatzweise kaltes Wasser)
Instructions
  1. Vanille-Milchreis:
  2. Milch in einem Topf zum Kochen bringen.
  3. Milchreis, Zucker, Vanillezucker und 1 Prise Salz zugeben und gut verrühren.
  4. Zugedeckt ca. 30 Minuten bei schwacher Hitze unter gelegentlichem Rühren quellen lassen.
  5. Vanilleschote längs einschneiden und das Mark mit dem Messerrücken auskratzen.
  6. Vanillemark unter den Reis rühren, dann in Schüsseln anrichten und dabei in die Mitte mit dem Löffelrücken eine kleine Mulde drücken.
  7. Mandarinenkompott:
  8. Mandarinen so sorgfältig wie möglich schälen und in Stücke teilen.
  9. Die Orangen und restliche Mandarinen auspressen.
  10. Saft und Zitronensaft mischen – es sollten ca. ¼ l sein.
  11. Vanilleschote längs halbieren und das Mark herauskratzen.
  12. Zucker in einen Topf streuen und bei mittlerer Hitze goldbraun karamellisieren lassen, mit dem Saft ablöschen.
  13. Vanilleschote und -mark dazu geben und alles unter Rühren bei großer Hitze um ein Drittel einkochen lassen.
  14. Stärke mit dem Likör (bzw. Wasser) glatt verrühren und in den kochenden Sud einrühren, dann 2-3 Min. bei kleiner Hitze köcheln lassen, bis der Sud leicht bindet.
  15. Vom Herd nehmen und Orangen- und Mandarinenstücke untermischen.
  16. Kompott abkühlen lassen und in die Milchreismulde geben

 
Mandarinenlikör
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Recipe type: Drinks
Serves: 2-3
Ingredients
  • 1,2 Kilogramm Mandarine
  • 250 Gramm brauner Zucker
  • 1 Vanilleschote
  • 4 Stück Sternanis
  • 300 Milliliter Wodka
  • 1 Stück Orange (unbehandelt)
Instructions
  1. Die Mandarinen halbieren und den Saft auspressen. Am Ende sollten mindestens 700 ml Saft zur Verfügung stehen.
  2. Von einer Mandarine ein großes Stück der Schale sehr dünn abschneiden. Von der weißen Schicht sollte so wenig wie möglich an der abgeschnittenen Schale sein. Alternativ kann dafür auch ein Zestenreißer verwendet werden.
  3. Die Vanilleschote halbieren und längs aufschneiden.
  4. Den ausgepressten Fruchtsaft durch ein Sieb in einen Topf gießen, den Zucker hinzufügen und den Sternanis, die Orangenschale und die halbierte Vanilleschote mit hineingeben.
  5. Alles durchrühren, kurz aufkochen lassen und dann bei kleiner Hitze für ca. 15 Minuten köcheln lassen.
  6. Anschließend vom Herd nehmen und abkühlen lassen.
  7. Den abgekühlten Mandarinensirup nun zuerst durch ein grobes und danach durch ein feineres Sieb gießen.
  8. Jetzt den Wodka hinzufügen, alles gründlich durchrühren und dann in eine oder mehrere Flaschen abfüllen.
  9. Ein großer Vorteil dieses Likörs ist, dass er nicht erst wochenlang reifen muss, sondern gleich genossen werden kann.

Ach ja, ich habe den Milchreis übrigens mit H-Milch gekocht *hahaha

Habt eine amüsante restliche Woche,

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Passionsfrucht-Vanilleeis mit Crunch

{…oder wenn FKK-Urlaub zur Adventure-Reise wird…}

Passionsfruchteis

Ja, ich weiß…eigentlich ist ja schon Herbst. Aber wenn Mitte September immer noch 32 Grad  da draußen herrschen, darf man den Sommer durchaus nochmal Revue passieren lassen…. Also alles nochmal auf SOMMER!

Sommer ist Urlaubszeit

Die meisten fliegen in den Süden oder stehen stundenlang in Autokolonnen vorm Brenner oder Gotthard. Andere entspannen mit ihren Kindern auf Bauernhöfen, misten zur Erholung Kuhställe aus, lernen wie Heu eingeholt wird, melken Ziegen. Wieder andere haben zwei Wochen lang einen Eimer mit langen Strohhalmen vor sich auf den Knien und sind täglich einer Alkoholvergiftung nah.

Nachdem Hannes die Sommerurlaube in den letzten Jahren in der Türkei, in Griechenland und Italien verbracht hat, hat er sich dieses Jahr entschieden mal etwas ganz Anderes auszuprobieren. Naja eigentlich hat es seine neue Freundin Romy für sie beide entschieden. Da Romy im Osten von Berlin aufgewachsen ist und ihre Eltern schon seit vielen Jahren ein Ferienhaus außerhalb von Berlin an einem See besitzen, wurde beschlossen dieses Jahr den Sommerurlaub in Deutschland in eben diesem Ferienhaus zu verbringen.

Als es dann ans Kofferpacken ging und Hannes seine neue Badehose mit Flamingoprint in den Koffer legen wollte, kam Romy ins Zimmer und sagte: „Schatz… wofür packst Du eine Badehose ein?“ „Na, ich dachte wir fahren in ein Haus am See…?“  „Ja, aber das Haus liegt direkt an einem FKK-Badesee..! Ich glaube du kannst Dein textiles Gepäck ziemlich stark reduzieren…“  „Das sagst Du mir erst jetzt???“ Hannes war schockiert. „Jetzt sei nicht so spießig! Ich habe früher jeden Urlaub nackt verbracht!“

Passionsfruchteis

Und so fuhr er mit extrem wenig Gepäck und einem mulmigen Gefühl im Bauch 6 Stunden in Richtung Osten. Was so drei Buchstaben alles verändern können. F K K.

„Ach, da sind se ja endlich!“ empfängt Herr Kaschunke das Paar. Herr Kaschunke ist der Ferienhaus-Nachbar von Romys Eltern und seit 10 Jahren in Rente. „Ick sach ma, die Saison is eröffnet, wa?“ Herr Kaschunke ist so etwas wie der Platzwart und Bademeister der kleinen Ferienhaus-Kolonie am See. Und er mag seine Rolle.
Draufgängerisch schiebt er seine rosa nackten Hüften gerne über die Liegewiese am See und schaut ob alles „jut is“. Bei den Damen schaut er immer ziemlich genau, ob wirklich „alles jut“ ist und ob nicht die ein oder andere vielleicht auch den Rücken eingecremt bekommen muss. Längere Strecken unternimmt er „uffem Drahtesel“ und juckelt damit am Wasser entlang. Man stelle sich Harry Wineford mit kleinem Transistorradio am Lenker seines betagten Herrenrades vor…natürlich in nackt!

Hannes muss sich an die textilfreien Gegebenheiten erst gewöhnen. Da er aber vor den anderen Urlaubern und vor allem nicht vor Romy als verklemmter Spießer-Wessi alleinig in Badeshorts am See sitzen wollte, macht auch er jetzt FKK. Zwei Wochen…und einige Erkenntnisse diesbezüglich gibt es kostenfrei dazu.

Passionsfruchteis

Erkenntnis #1: Nur nackt sein reicht einfach nicht in einem FKK-Urlaub. Man muss sich schon auch nackt betätigen.
Eine der liebsten Beschäftigungen der Freikörperkultur-Anhänger ist Ballsport zu betreiben. Mit ungebremster Energie, die man sonst nur aus einschlägiger Hundefutterwerbung kennt, rennt der Urlauber Bällen hinterher. Also spielt auch Hannes Volleyball mit Herr und Frau Kaschunke. Sogar zu Boccia lässt er sich hinreißen, wobei er sich sehr ungern nach Bällen bückt. Ja er joggt sogar an der Seepromenade entlang. Beim Fahrradfahren streikt er allerdings.

Erkenntnis #2: Ein bisschen Textil ist durchaus auch bei FKK erlaubt.
Das liebste Kleidungsstück des gemeinen FKKlers an diesem See sind seine Socken und Turnschuhe. Und auch gerne mal eine Schwimmweste. Eigentlich ist alles erlaubt, solange die Geschlechtsteile frei liegen und nicht durch eine Hose verdeckt werden.

Erkenntnis #3: FKK hat leicht etwas mit Swinger-Club-Erotik zu tun!
Man sieht Dinge die man dann doch nicht sehen möchte und denen man auf einmal nicht mehr so schnell entrinnen kann.

Erkenntnis #4: FKK Urlaub und Sauna haben nichts gemeinsam.
Während man in der Saune nicht unbedingt bestrebt ist den Kontakt mit dem Saunabank-Nachbarn zu machen, sucht der erfahrene FKK Urlauber ganz bewusst das Gespräch mit anderen Feriengästen. Hannes stand also am Gartenzaun der Nachbarn und plauderte über Fußball und Politik, lieh sich Grillkohle und lief morgens zum nahegelegenen Zeitungskiosk um Brötchen zu holen. Natürlich alles nackt! Am Zeitungskiosk kam er dann unweigerlich auch in Kontakt mit komplett angezogenen Menschen, die dort ebenfalls ihre Einkäufe tätigten.

Als Hannes eines morgens einen vorwurfsvollen Blick eines Vaters mit seinem Sohn erntete, kommentiert er diesen Blick ganz selbstbewusst und lautstark mit seinem neuen Spruch:„Seien Sie doch nicht so ein Spießer!“ Er grinste den Vater herausfordernd an und schob seine Hüfte vor. Vater und Sohn flüchteten schnell mit ihrer Brötchentüte. Hannes fühlte sich danach super.

Passionsfruchteis2

Seit diesem Tag war Hannes im FKK-Urlaub angekommen und als einen Tag später Herr Kaschunke ihn zu einer Rundfahrt um den See einlud, sagte er beherzt: „Ja aber gerne!“

Die Rundfahrt um den See fand auf einem alten Klapprad statt, das bei den Kaschunkes noch im Schuppen stand. Niemals hätte Hannes es für möglich gehalten, dass er mal auf einem alten Drahtesel mit blankem Hintern, auf einem klebrigen Ledersattel sitzend durch die Lande radelte. Er fühlte sich wunderbar.

Am nächsten Tag sah das ganze allerdings ganz anders aus. Statt des erwarteten Muskelkaters hatte er eine wunde Stelle zwischen den Beinen. „Da hilft nur Eis!“ riet Frau Kaschunke mütterlich. „Ich mag nur Vanille mit Frucht!“ gab Hannes patzig zurück.  „Det is egal…Hauptsache kalt! Ick hab da noch welches im Eisfach“, und schon war Frau Kaschunke verschwunden und kam kurze Zeit später mit einer Plastikdose zurück und drückte diese Hannes beherzt an seine Männlichkeit. „Det hat meinem Mann och immer jeholfen…Schmeckt übrigens jut. Is Vanille mit Passionsfrucht…selbstgemacht!“

5 Tage später saß Hannes wieder auf seiner eigenen Couch zu Hause, komplett angezogen und ließ im Kopf den Urlaub Revue passieren. Sein Fazit: FKK kann man machen, kann man aber auch lassen. Nächstes Jahr gehts nach Kroatien. Mit Badehose! Aber das Eis von Frau Kaschunke war die Wucht! Zwar nicht an der Stelle an der es zuerst landete, aber danach aus dem Plastikbehälter gelöffelt unbedingt. Cremig, fruchtig, einfach wunderbar.

Das Rezept dazu gibt es hier:

5.0 from 1 reviews
Passionsfrucht-Vanilleeis
 
Author:
Ingredients
  • ½ Vanilleschote
  • 200 ml Milch
  • 80 g Zucker
  • 1 Prise saz
  • 3 Eigelb (L)
  • 300 ml Schlagsahne
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 3 Passionsfrüchte
Instructions
  1. Die Vanillestange längs halbieren und das Mark aus der einen Hälfte herauskratzen.
  2. Milch, Zucker, Salz, Vanilleschote und Vanillemark in einem Topf bis zum Siedepunkt erhitzen.
  3. Den Topf vom Herd nehmen und zugedeckt 30 Minuten ziehen lasen.
  4. Die Eigelbe in einer Schüssel leicht verquirlen.
  5. Die Milchmischung erneut erhitzen und unter Rühren langsam unter die Eigelbe gießen.
  6. Zurück in den Topf geben und unter ständigem Rühren erhitzen bis die Masse andickt.
  7. Die Sahne in eine Schüssel gießen und die Milch-Eimasse durch ein Sieb dazu seihen.
  8. Das Fruchtfleisch der Passionsfrucht auskratzen und darunter rühren (falls gewünscht durch ein Sieb streichen und kerne entfernen)
  9. Alles im Kühlschrank kalt stellen und danach die Masse in einer Eismaschine gefrieren lassen.
  10. Nach Wunsch mit Passonsfrucht und zerbröselten Keksen servieren.

Crunchy Cracker

Und wie siehts mit Euch aus? Habt Ihr schon mal FKK Urlaub gemacht? Los, nackte Wahrheiten auf den Tisch….

Ich wünsche Euch eine Zeit, in der Ihr Euch rundum in Eurer Haut wohlfühlt, ob mit oder ohne Klamotten.

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Mandel-Beerenkuchen

{…und weil Kuchen und Sex doch etwas miteinander zu tun haben…}

Mandel-Beerenkuchen Titel

Auch wenn meine Freundin meint, dass ich hier nicht „darüber“ schreiben soll…. Ich tue es trotzdem! Mein Blog, meine Regeln, meine Themen….
Aber jetzt mal ganz von Anfang:

Kerstin* (den Namen habe ich der Fairness wegen geändert), eine sehr gute Freundin von mir, führt seit Monaten eine Fernbeziehung.
Wenn sie nicht vor Sehnsucht jammert und mir stundenlang am Telefon die Ohren vollheult, redet sie sich gerne mal ein, dass so eine Entfernung beziehungstechnisch ja auch durchaus von Vorteil sein kann. Man freut sich aufeinander, hat diese kleinen doofen Alltagssorgen nicht, alles ist schön. (Ich korrigiere: alles MUSS schön sein, denn die Zeit von Freitag bis Sonntag ist einfach zu kurz für Blödes). Kerstin lebt also an den Wochenenden in ihrer rosa Blase. Dass man an diesen Tagen keine Nachricht oder einen Anruf von ihr bekommt, daran habe ich mich schon gewöhnt. Der Anruf kommt dann erst am Montag, wenn sich Ihr Kerl wieder kilometerweit entfernt befindet. Das mit den Vorteilen von Fernbeziehungen ist also für alle beteiligten (mich eingeschlossen) immer relativ zu betrachten.

Letzten Dienstag ruft sie mich völlig empört an. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass sie mir wieder die Schmacht-Whats-App von und an Mister Right vorliest. Weit gefehlt…
„Mein Nachbar von oben hat eine neue Freundin!“ bricht es direkt aus ihr heraus.
„Aha!“ mehr fällt mir dazu leider nicht ein.
„Ich konnte mal wieder die ganze Nacht nicht schlafen!“ „Wegen der neuen Freundin Deines Nachbarn?!“ „Ja, wegen der! Diese hysterische Kuh!“ „Hä? Du kennst sie also schon?“
„Seit über einer Woche kenne ich sie besser, als mir lieb ist!“ Kerstin schnauft empört in den Hörer. Ich hasse es, wenn ich in einer Unterhaltung nur Brocken vorgeworfen bekomme und mir den Rest irgendwie selbst zusammenreimen muss. „Kannst Du bitte in vollständigen Sätzen sprechen und mich aufklären, was Dich hier gerade so in Rage bringt?!“
„Nö! Das musst Du selbst erleben! Komm heute Abend zu mir und bring was zum Übernachten mit!“ Da ich nichts vorhabe und ein gemeinsamer Abend eh schon lange mal wieder fällig ist, lasse ich mich also breitschlagen und stehe mit Zahnbürste und Schlafklamotten im Gepäck um 18.30 Uhr vor Kerstins Tür.

Mandel-Beerenkuchen3

„Komm rein, wir haben nicht viel Zeit zum Quatschen! Um 22 Uhr spätestens müssen wir im Bett liegen!“ „Du spinnst doch! Ich dachte wir machen uns einen gemütlichen Abend!“ „Abwarten wie gemütlich der noch wird!“ blafft sie mir entgegen und schiebt mich in die Küche.
„Also was ist denn jetzt mit der neuen Freundin deines Nachbarn?“ „Tanja, Du kannst es Dir nicht vorstellen… Jeden Abend schieben die da über mir eine Nummer! Um Punkt 22 Uhr geht es los. Und dann diese Töne, die sie und er dabei von sich geben. Ich dreh durch!!!“ Kerstin schlägt sich theatralisch die Hände vors Gesicht, während ich mir ein Grinsen nur schwer verkneifen kann. „Freu Dich doch für Deinen Nachbarn…!“ „Freuen? Hallo? Das klingt als ob man zwei pubertierende Affen mit Kokain und Viagra zugeballert hat und einfach abwartet was geschieht! Das kann man nicht mal mehr Sex nennen, was die da treiben!“ Ich fange laut an zu lachen. „Sag mal, kann es sein, dass Du einfach eifersüchtig bist?“ „Pffff… eifersüchtig. Was ein Quatsch! Ich habe mal recherchiert: Der Durschnitts-Deutsche hat ca. 140 Mal Sex pro Jahr. Wenn die da oben so weiter machen schaffen die Ihre Quote in einem Drittel der Zeit!!!“ „Dein Nachbar und seine neue Freundin sind in der Viel-Sex-Phase. Das ist doch normal am Anfang einer Beziehung! Gönn es ihnen doch!“ Ich versuche zu klingen wie eine Waldorflehrerin auf buddhistischem Erleuchtungstrip. „Wenn Du einmal gehört hast, was ich jetzt über eine Woche lang hier jeden Abend mitmachen muss, wirst Du verstehen was ich meine!“

Mandel-Beerenkuchen4

Kerstin schaut auf die Uhr. „Los, wir müssen ins Bad und dann ins Bett!“ scheucht sie mich auf, dass ich gerade noch schnell mein Glas Rotwein herunterstürzen kann und mir noch eine Hand voll Chips in den Mund stopfe.
Um 21.57 Uhr liegen wir nebeneinander im Bett. Jeder in seinem ollen ausgeleierten Schlafshirt, ungeschminkt, auf dem Rücken und die Arme auf der Bettdecke. Keiner sagt etwas. Wir warten einfach.
Es wird 22.02 Uhr. „Die verspäten sich heute!“ merke ich trocken an und überlege mir gerade, wie es wohl für einen Außenstehenden wirken mag, wie wir hier liegen. Gerade schießt mir das Bild von Waldorf und Statler (die zwei Alten vom Balkon aus der Muppetshow) durch den Kopf, als man ein Schnaufen von oben hört.
„Da! Jetzt geht’s los!“ ruft Kerstin aufgeregt und schiebt sich ihr Kissen unter dem Kopf zurecht.
Ein weibliches „OOOOCH“ weht durch die Zimmerdecke zu uns nach unten. Es klingt als ob sie gerade sagen möchte: „Ooooch, schon wieder kein fettarmer Joghurt im Kühlschrank!“ Kurz darauf ein männliches Ächzen, was stark an einen alten Mann erinnert, der sich zu Bücken versucht, um seine Klettverschluss-Schuhe zuzumachen. So ähnlich wie: „UUUUUUHHHH, meine Knie machen auch nicht mehr so mit…“ Das Quietschen der Bettfedern vermischt sich rhythmisch mit den Ooooochs und Uhhhhhs.
Kerstin schaut triumphierend zu mir herüber. „Na, ist DAS nicht scheiße? Sag doch mal! Das klingt doch echt mies!“ Kerstin sitzt mittlerweile aufrecht und mit verschränkten Armen, schmollend im Bett. „Hm… ich sag mal so, SEX, den man nicht selbst hat, klingt irgendwie immer mies!“ denke ich laut. „Da hast Du Recht! Aber es ist doch auch wirklich grauenvoll, wenn man anderen dabei zuhören muss. Das ist wie, wenn man jemanden Kuchen essen sieht, da bekommt man auch gleich Lust selbst welchen zu essen…!“

Mandel-Beerenkuchen 2

Wir sitzen einfach da und lauschen nach oben. Kerstin schüttelt immer mal den Kopf. Ich schäme mich ein wenig über mich und überlege was wohl schlimmer ist: wenn man zugibt Frauentausch im Fernsehen zu schauen oder wenn man gesteht den Nachbarn beim Sex zuzuhören, als sei es das neuste Bestseller-Hörbuch.
Ein lautes abschließendes „Och-Uh“ kommt von oben und dann ist Stille.
„So, jetzt haben wir knapp ne Stunde Zeit, bis es weiter geht…“ sagt Kerstin und grinst mich an. „Lust auf Kuchen?“

(…)

Mandel-Beerenkuchen guten Appetit

Habt Ihr jetzt auch Lust auf….äh…. Kuchen?
Dann gibt’s hier noch schnell das Rezept:

5.0 from 4 reviews
Mandel-Beerenkuchen
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Ingredients
  • Für den Mürbeteig:
  • 150 g Mehl
  • 80 g Zucker
  • 80 g Butter
  • 1 Eigelb
  • 1 TL abgeriebene Bio Orangenschale
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL kaltes Wasser
  • Für die Mandelfüllung:
  • 100 g weiche Butter
  • 100 g Zucker
  • 2 Eier
  • 100 g gemahlene Mandeln
  • 2 TL Mehl
  • 1,5 TL abgeriebene Bio Orangenschale
  • ½ Flasche Bittermandelöl
  • Für das Topping:
  • 300g Doppelrahmfrischkäse
  • 60 g Puderzucker
  • Saft einer Limette
  • 200 g Magerquark
  • gemischte Sommerbeeren nach Wunsch
  • Minze
  • Puderzucker zur Deko
Instructions
  1. Für den Mürbeteig alle Zutaten zu einem glatten Teig verarbeiten.
  2. Diesen dann in die Form drücken und mit Folie abgedeckt eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
  3. Die Form nun aus dem Kühlschrank holen, am Boden mehrmals mit einer Gabel einstechen, mit Backpapier auslegen und mit getrockneten Kichererbsen o.ä. befüllen und den Teig 10 Minuten bei 190 Grad vorbacken.
  4. Die Kichererbsen und das Backpapier entfernen und die Form noch mal für 5 Minuten in den Backofen schieben.
  5. Für die Mandelfüllung die Butter, Zucker und Eier mit dem Handmixer schaumig schlagen.
  6. Danach die restlichen Zutaten vorsichtig unterheben und in den vorgebackenen Mürbeteig füllen. Den Kuchen noch mal für 30 Minuten in den Ofen schieben.
  7. Den Kuchen auskühlen lassen und auf eine Tortenplatte setzten.
  8. Für das Topping den Frischkäse mit dem gesiebten Puderzucker und dem Limettensaft glatt rühren und anschließend den Quark unter den Frischkäse heben.
  9. Alles auf dem ausgekühlten Kuchen verteilen und großzügig mit Beeren belegen.
  10. Eventuell mit Minzblättern ausgarnieren.
  11. Mit Puderzucker bestreut servieren.

 

 

Am Freitag darauf bekam ich dann übrigens diese Nachricht von Kerstin auf mein Handy: „Mister Right ist wieder in der Stadt *freu ! Jetzt zeigen wir denen da oben mal was Lautstärke bedeutet!!! Schönes Wochenende für Dich! *Kuss-Emoji“

Ich muss gestehen, dass mein Bedarf an Kopfkino für die nächste Zeit erst einmal gedeckt ist.

Ich wünsche Euch eine erlebnisreiche Zeit…. *hüstel

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Milchreis-Erdbeere-Sushi mit Pistazien-Minz-Pesto

(…eine neue alte Generation im Kommunikationsrausch…)

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Erdbeer-Sushi1.1

Vor ein paar Wochen wurde meine Tante Doris 75. Ein Alter, das in der heutigen Zeit ja nun noch kein Alter ist, wie sie immer betont. Tante Doris ist sehr modern. Sie hat einen exklusiven Wohngeschmack, sammelt moderne Kunst von unbekannten Künstlern und interessiert sich immer für die angesagteste Mode auf den Laufstegen dieser Welt. Das einzige wogegen sie sich die ganze Zeit gesträubt hat, war das Thema Handy.

„Warum soll mich bitte jemand anrufen, wenn ich doch eh nicht zu Hause bin?“ war ihr Argument. Dass es vielleicht auch mal Notsituationen geben könnte, schloss sie kategorisch aus. An ihrem 75. Geburtstag bekam sie von meinem Cousin und mir dennoch ein schickes Smartphone geschenkt, was erst einmal mit hochgezogenen Augenbrauen achtlos auf dem Gabentisch hinter einem Meer von Blumensträußen und Gestecken verschwand.

Erdbeer-Sushi3.1

Ein paar Tage später, es war fast Mitternacht und ich war gerade eingeschlafen, wurde ich durch das Brummen meines Handys wieder in die Wirklichkeit geholt. Das Wort TEXT steht da in der Sprechblase der SMS und erleuchtet mein dunkles Schlafzimmer. Mehr nicht. Und schon blinkt mein Handy wieder. TEXT. HALLO. TEXT. Immer mehr Nachrichten werden auf meinem Display angezeigt. Irgendwann erscheint dann HIER IST TANTE DORIS. Zuerst leicht genervt, dann belustigt, bin ich doch sehr stolz auf meine Tante, dass sie das Handy tatsächlich in Benutzung hat. Ich antworte kurz mit „Gute Nacht“.

Mein Cousin erzählt mir dann ein paar Tage später wie es dazu kam. Tante Doris hatte bei ihrem Bridge-Treffen den anderen Damen völlig empört von diesem unnützen Geschenk erzählt. Daraufhin holten alle anderen stolz Ihre Handys aus den Taschen und meinten, dass sie auf auf dieses Wunderding gar nicht mehr verzichten wollten und dies so viel Spaß machen würde.

Seit dem ist die Frau im modernen Kommunikationsrausch. Anfänglich kamen alle Nachrichten konsequent in Großbuchstaben. SONNE. Was so klang, als ob ich dafür sorgen sollte, dass gefälligst die Sonne scheinen soll. Für mich vermitteln Großbuchstaben oftmals so einen sehr bestimmenden Befehlston. Einmal hat sie, anstatt meiner Handynummer einzugeben, meine Festnetznummer getippt. Eine monotone Computerstimme las mir durch den Hörer vor: ICH FREUE MICH. MEINE ERSTEN GÄNSEBLÜMCHEN SIND AUF DER WIESE. ES WIRD FRÜHLING. Das klang als hätte Darth Vader auf einmal seine softe Seite entdeckt.

Erdbeer-Sushi2.2

Ich muss sagen, Tante Doris lernt wirklich schnell. Nach nur zwei Wochen wurden die SMS mit lustig hüpfenden Smileys ergänzt. Mal küssend, mal genervt blickend, wenn es im Supermarkt wieder zu lange dauerte. Die Kommunikationsmaschine machte keine Pause mehr und jagte zu jeder sich bietenden Situation Nachrichten am mich heraus. Dann kam eine Nachricht meines Cousins: „Meine Mutter nervt mich mit ihrem Handy und diesen SMS *rollende-Augen-Smiley* Ich bereue unser Geschenk mittlerweile etwas…“ Am Telefon erzählt er mir dann, dass er mittlerweile kaum noch Anrufe von ihr bekommt. Und wenn, dann sind diese fast genauso stenografisch wie ihre SMS. Postkarten gibt es seitdem auch nicht mehr. Nur noch ein Foto mit der Bridge-Gruppe beim Kirchenausflug in Sankt Bartholomä, ein kurzer getippter Gruß und an dessen Ende zwei schunkelnde Bierkrüge. Mein Cousin klang echt frustriert. Und ich kann ihn verstehen.

Gerade vor zwei Tagen schrieb ich nämlich Tante Doris abends eine umfangreiche SMS, in der ich ihr erzählte, dass ich das Rezept für ihren Milchreis, den sie uns damals immer einmal in der Woche nach der Schule gekocht hat nicht mehr finde und fragte sie, ob sie es mir vielleicht nochmal aufschreiben könnte. Daraufhin bekam ich ein Bild von ihr geschickt, auf dem man sie jugendlich gekleidet in einer Bar am Tresen sitzen sah, neben ihr Frau Dörrhöfer, ihre Bridge-Freundin, umringt von einem Dutzend halb so alten Männern. Darunter der Satz: „ICH MELDE MICH MORGEN BEI DIR TANJA. HAB ZU TUN. BIN JETZT OFFLINE!

Erdbeer-Sushi6.1

Das Rezept bekam ich dann ausnahmsweise handgeschrieben von meiner Tante  persönlich überreicht. Allerdings mit dem Satz: „Also, so ein Computer soll ja auch sehr praktisch sein….“

Ich war dann so frei und habe das Rezept von Tante Doris Milchreis ein wenig neu interpretiert. Heraus kam Milchreis 2.0 in Form von Milchreis-Sushi mit Erdbeeren und Pistazien-Minz-Pesto. Und um auch komplett im Zeitalter von Internet & Co. zu bleiben, habe ich mir diesmal alle Zutaten dafür einfach liefern lassen. Sehr praktisch, wenn man mal wieder keine Zeit hat das House zu verlassen oder das Auto seinen Geist aufgegeben hat.

Wenn ich das Tante Doris verrate, flippt sie total aus. Sie wird alle ihre Bridge-Damen damit neidisch machen, dass sie nun endlich nicht mehr von der aufdringlichen Frau Auperle, die seit gefühlt 100 Jahren im ortsansässigen Supermarkt an der Kasse arbeitet, darauf hingewiesen wird, dass die Plastik-Einkausfskörbe den Markt nicht verlassen dürfen.

Und so kommt jede Generation irgendwann und irgendwie im neuen Zeitalter an. Ich sage Euch, die Alten sind die neuen Jungen Wilden…

Das Milchreis-Sushi-Rezept gibt es hier:

5.0 from 5 reviews
Milchreis-Erdbeere-Sushi mit Pistazien-Minz-Pesto
 
Author:
Ingredients
  • 1 Liter Milch, zimmerwarm
  • 250 g Milchreis
  • 4 EL Zucker
  • 1 EL Butter
  • 1 Vanilleschote
  • Reispapier
  • 250g Erdbeeren gewürfelt
  • Sesam ungeschält
  • Für das Pesto:
  • 15 g gehackte Mandeln
  • 5 Stiele Minze
  • 3 Stiele Thai-Basilikum
  • 30 g Pistanzien
  • 4 Tl Honig
  • 2 El Limettensaft
  • Salz
  • 5 El Traubenkernöl
Instructions
  1. In einem ausreichend großen Topf die Butter schmelzen, anschließend den Milchreis kurz in der Butter anschwitzen. Nun die zimmerwarme Milch sowie 4 EL Zucker hinzugeben. Das Mark einer Vanilleschote sowie die aufgeschlitzte Schote ebenfalls in den Topf geben. Alles unter vorsichtigem Rühren mit dem Holzkochlöffel einmal aufkochen lassen, dabei aufpassen, dass sich nichts am Topfboden ansetzt.
  2. Nun den Topf auf eine Herdplatte stellen, die auf kleinster Stufe heizt. Den Milchreis im geschlossenen Topf ca. 30 Minuten ziehen lassen. Zwischendurch immer mal umrühren.
  3. Den Milchreis auskühlen lassen.
  4. In der Zwischenzeit für das Pistazien-Minz-Pesto die Mandeln in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten, auf einen Teller geben und abkühlen lassen. Minze- und Basilikumblätter abzupfen. Mit Mandeln, Pistazien, Honig, Limettensaft, 1 Prise Salz und Traubenkernöl in einen Blitzhacker geben und sehr fein mixen. In ein Gläschen füllen und beiseitestellen.
  5. Die Reisblätter mit Wasser befeuchten und auf einem Brett auslegen.
  6. Im oberen Drittel den Milchreis verstreichen und mit Erdbeerwürfeln belegen.
  7. Dann aufrollen und die Enden zusammendrücken.
  8. Die noch feuchten Rollen in Sesam wälzen und kühl stellen.
  9. Die Sushi-Rollen in Scheiben schneiden und mit dem Pesto anrichten.
  10. Guten Appetit!

Mordernste Zeitalter angepasste Grüße
(keine Ahnung wie man modern grüßt…Ich sollte Tante Doris vielleicht demnächst noch die Ghettofaust beibringen :-) )

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von allyouneedfresh.de

Schokokuchen vs. Schock-Oh-Kuchen

{… oder warum frisch gebackener Schokoladenkuchen das beste Raumdeo gegen müffelnde Teenager ist…}

Schokoladenkuchen2.1

Als Michaela am letzten Freitagmittag vom Arbeiten nach Hause kam, versuchte sie die Haustür aufzuschieben und scheiterte. Erst nachdem sie, bepackt mit zwei vollen Einkaufstüten, einer Laptoptasche und einem Ordner unter dem Arm, unsanft mit ihrem rechten Fuß gegen die Tür trat, schob diese sich langsam auf. Der Grund für die Türblockade war eine cognacfarbene Kunstleder-Umhängetasche und ein paar ehemals weiße Markenturnschuhe, die jemand achtlos direkt hinter der Eingangstür ausgezogen und an Ort und Stelle liegen gelassen hat. Michaela zwängte sich durch den engen Türspalt und wuchtete ihre Tüten und den Rest in den Flur.

Hinter einer der vielen Türen, die von dem Flur abgingen, vernahm sie dumpfe wummernde Geräusche und eine junge Mädchenstimme, die in schrägen Tönen englisch sang. „Hannah, mir stinkt das ganz gewaltig…“ Sie öffnete die Tür und prallte zurück. Der Anblick des Grauens bot sich ihr, als sie in den Raum blickte. Der Boden war übersät von nahezu dem gesamten Inhalt des Kleiderschranks. Dazwischen halbleere Joghurtbecher, beschriebene Zettel, leere Getränkedosen und Chipstüten. Mit offenem Mund stand sie da und starrte ungläubig in das Zimmer, das gestern noch in einem durchaus betretbaren Zustand war. Ein säuerlicher Geruch nach vergorener Milch und Müll, gemischt mit süßem Parfum lag in der Luft. Hannah, ihre 15 jährige Tochter, stand mit einem sehr knappen T-shirt bekleidet vor dem großen Spiegel, mit einem Fuß auf einem von Michaelas Pullovern, den sie schon seit einer Woche vergebens suchte und kämmte sich die langen braunen Haare.

Schokoladenkuchen3.1

„Oh, hallo Mum!“ rief Hannah gegen die Musik an und bürstete seelenruhig ihre lange Mähne weiter. Michaela rang nach Luft. „Bevor Du Dich jetzt wieder aufregst, wie es hier aussieht… Ich räume nachher auf. Ich treffe mich nur kurz mit Lisa und Nick. So um acht bin ich dann zurück. Übrigens, ich brauche neue Unterwäsche! Kannst Du mir morgen Geld geben?“ Mit einer dicken Schicht Wimperntusche wurden noch schnell die Augen umrahmt und schon griff Hannah nach ihrer Jacke irgendwo in dem Haufen auf dem Boden und wollte an ihrer Mutter in der Tür vorbei. „Ne ne Fräulein, sooo nicht!“ presste Michaela hervor. Auf ihrer Stirn zeichnete sich schon wieder diese scheußliche Ader ab, die immer zum Vorschein kam wenn sie sich ärgerte oder aufgeregt war. „Hannah wir müssen reden!“ „Nachher Mum!“ Und schon quetschte sich das Mädchen an ihrer Mutter vorbei, machte einen großen Schritt über die immer noch im Flur liegende Tasche und Turnschuhe und verließ mit wehendem Haar die Wohnung. Michaela lehnte an der Wand im Flur und versuchte Ihre Wut weg zu atmen. Das einzige was sie atmete war der süßliche Geruch von billigem Parfum, der noch immer in der Luft hing.

Kurz darauf klingelte es Sturm an der Tür. Michaela öffnete die Tür und Simon, ihr mit unzähligen Pickeln übersäter 13 Jahre alter Sohn stand ihr mit seinen knapp 1,90 Meter gegenüber. „Sorry Mum, ich hab meinen Schlüssel vergessen – und ich muss aufs Klo!“ Während er diesen kurzen Satz hervorpresste, wechselte er dabei zweimal die Tonlage. Ein grauer Rucksack flog in den Flur, eine Sweatshirtjacke hinterher und der Junge verschwand im Badezimmer ohne sich zu bemühen die Tür zu schließen. „Was gibt’s zu essen?“ Die Frage ging in unschönen Toilettengeräuschen unter. Als Simon in die Küche kam und an seiner Mutter vorbeischlurfte, zog ein penetranter Schweißgeruch, der stark an Zwiebeln erinnerte, hinter ihm her. Der Junge ließ sich auf einen Stuhl fallen und räkelte sich ausgiebig mit in die Luft gestreckten Armen. Der Zwiebelgeruch verstärkte sich. „Was gibt’s denn jetzt heute zu essen?“ „Zwiebelkuchen!“ „Iiiiiihhhhh! Mum, ich hasse Zwiebeln!“ „Ich weiß!“ „Und warum tust Du mir das dann an?“ „Warum tust DU mir das an, Simon?“ „Hä?“ „Simon, Du musst mal duschen gehen!“ Michaela stand auf und öffnete das Küchenfenster. „Ich hab heute Morgen geduscht!“ empörte er sich. „Dann geh bitte nochmal! In deinem Alter ist es eben so, dass man häufiger duschen muss…“ „Zu viel Wasser schadet der Haut, hat mein Biolehrer gesagt. Wegen dem HP-Wert!“ „PH-Wert!“ „Ach egal, auf jeden Fall ises nicht gesund! Und außerdem liegen meine Haare gerade so gut! Wenn ich jetzt dusche, ist wieder alles für den Arsch!“

Schokoladenkuchen4.1

Michaela stand wortlos auf und öffnete nacheinander alle vorhandenen Fenster, nebst Haustür, in der Wohnung. Ein kalter Wind wehte durch die Räume. „Willst Du dass ich erfriere?“ Simon holte einen Schal aus seinem Zimmer. „Willst Du, dass ich ersticke?“, war die Antwort seiner Mutter darauf. „Simon, geh bitte duschen! J E T Z T !!!“

Mürrisch verzog er sich ins Badezimmer. Natürlich nicht ohne auf dem Weg einen ganzen Schwall der verschiedensten F-Wörter und sonstigen unschönen Dingen von sich zu geben.

Im Badezimmer setzte er sich erstmal ganz bequem angezogen auf die Toilette und blätterte ein wenig in einer der Autozeitschriften seines Vaters, die stapelweise neben der Toilettenschüssel lagen. Nach drei Minuten stellte er in der Dusche das Wasser an und ließ sich wieder auf dem Toilettendeckel nieder, während Liter um Liter Wasser den Weg in den Duschabfluss suchten. Nach weiteren 5 Minuten hatte er das Gefühl das Wasser wieder abstellen zu können, um kurz darauf einen Sprühstrahl aus der Deodorantdose laut zischend unter seinen Achseln zu verteilen. Zufrieden schnupperte er an sich, prüfte kurz den Sitz seiner Frisur im Spiegel und warf anschließend achtlos ein zerknülltes Badetuch vor die Dusche auf dem Boden, damit alles authentisch wirkte. „Frisch geduscht“ betrat er die Küche. Michaela verstaute unterdessen die Einkäufe in den Schränken. „Fertig! Hier riech!“ Und schon presste Simon seiner Mutter seine Achsel dicht vor die Nase. Ein undefinierbares Geruchsgemisch aus verschwitzem T-Shirt, Deo und Waschmittel brannte sich in ihre Nase ein. Kurz musste sie ihren Würgereflex unterdrücken. „Du hast doch niemals geduscht!“ „Aber klar habe ich geduscht! Haste doch gerochen, oder?“ „Was ich da gerade gerochen habe möchte ich nicht laut aussprechen mein lieber Sohn! Eigentlich bräuchte ich jetzt nämlich eine Nasendusche, um diesen Geruch jemals wieder aus meinen Nasenflügeln zu verbannen! Aber bitte- Du musst ja stinkend herum laufen. Und soll ich Dir noch was sagen? Mir stinkt’s auch! Und zwar ganz gewaltig! Mittagessen fällt aus wegen Appetitlosigkeit durch Geruchsbelästigung! Ich brauche frische Luft!“

Schokoladenkuchen

Michaela verließ wutenbrannt die Wohnung und verbrachte die nächsten drei Stunden bei ihrer Nachbarin, die kinder- und mannlos in einer klinisch aufgeräumten Wohnung eine Etage über ihr wohnte. Hier roch es nach nichts, außer nach teuren Möbeln und man musste niemals über Schuhe am Boden steigen, denn die wurden feinsäuberlich aufgereiht, wie in einem Showroom in einem Regal im Flur präsentiert. Eine Oase der Ruhe für Augen und Sinne sozusagen.

Nach 3 Stunden sehnte sie sich aber doch irgendwie nach ihrem stinkenden Chaos und stieg die Treppe zu ihrer Wohnung hinab und machte sich auf einen weiteren Schock gefasst, der sie vermutlich hinter der Tür erwartete. Michaela schloss die Tür auf und Schock- nein kein Schock! Ein „Oh“ entwich ihr. „Oh-Kuchen!“ Durch Ihre Nase zog ein herrlicher Duft nach selbstgebackenem Kuchen und nach dunkler Schokolade. Keine Spur von Gestank. Dann fiel ihr auf, dass sich die Haustür auch ganz einfach öffnen ließ und keine Schuhe, Taschen, Jacken oder sonstiges auf dem Boden lagen.

Vorsichtig öffnete sie Hannahs Zimmertür. Wie von Zauberhand war das Chaos verschwunden, Zettel lagen geordnet auf dem Schreibtisch, Klamotten waren ordentlich gefaltet im Schrank und auch der saure, modrige Geruch war verschwunden. Ungläubig betrat Michaela die Küche. Am Küchentisch saßen ihre beiden Kinder. Simon in einem frischen T-Shirt und neuer Frisur, Hannah ungeschminkt und in Jogginghose. Beide strichen einträchtig dicke Ganache auf einen perfekten Schokoladenkuchen vor dem ein kleiner Zettel mit >>SORRY MUM<< lag.
(…)

Auch wenn dieser Zustand von Ordnung, Friede und wohlriechendem Raumklima wohl nur eine kurze Momentaufnahme war, Schokokuchen ist und bleibt trotzdem der beste Raumduft der Welt. Das funktioniert übrigens nicht nur bei müffelnden Teenagern, sondern auch bei nassen Hunden, vollen Babywindeln und getragenen Sportsocken….

Und wenn Ihr auch mal ganz spontan Euren Raum-Mief (weshalb auch immer) bekämpfen müsst, kommt hier das beste Schokoladenkuchenrezept dafür:

5.0 from 2 reviews
Schokokuchen vs. Schock-Oh-Kuchen
 
Author:
Ingredients
  • Kuchen:
  • 250 g Zucker
  • 2 Eier Gr. M
  • 130 g Vanillejoghurt
  • 120 ml Milch
  • 200 g Mehl
  • 50 g Backkakao
  • 2 TL Backpulver
  • Mark einer Vanilleschote
  • 120 g Zartbitterschokolade
  • 125 g Butter
  • 200 g backfeste Schokotropfen
  • Ganache:
  • 250 g gehackte Zartbitterschokolade
  • 230 ml Sahne
  • Himbeeren optional
Instructions
  1. Zucker und Eier schaumig schlagen.
  2. Dann nacheinander Joghurt, Milch Mehl, Backpulver, Mark der Vanilleschote und den Backkakao dazu geben und verrühren.
  3. Die Schokolade in der Butter schmelzen und unter den Teig rühren.
  4. Zum Schluss die Schokotröpfchen unterheben.
  5. Den Teig in eine gefettete Kastenform geben und bei 180 Grad 50-60 Minuten backen.
  6. Kurz vor Ende der Backzeit die Stäbchenprobe machen.
  7. Den Kuchen in der Form auskühlen lassen und danach auf ein Kuchengitter stürzen.
  8. Für die Ganache die Schokolade in kleine Stücke brechen.
  9. Die Sahne erhitzen und über die Schokolade gießen.
  10. So lange rühren, bis sich die Schokolade in der Sahne aufgelöst hat.
  11. Den Kuchen mit der Ganache bestreichen und nach Belieben mit Himbeeren ausdekorieren.

Schokoladenkuchen

Ich hoffe Ihr verzeiht mir den kurzen Ausflug in die Welt der Pubertierenden, mitsamt deren Gerüchen… (Übrigens: Alle in diesem Post geschilderten Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.)

Habt einen duften Sonntag

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Bratapfelmarmelade

{…oder warum mir gestern der Himmel auf den Kopf gefallen ist…}

Bratapfel Marmelade 1

Äh… wisst Ihr eigentlich, dass in 52 Tagen Weihnachten ist?! Jaaaa Weihnachten… Sorry to say, aber die Zeit wird rennen. Wenn der November gestartet ist, wird die Zeit bis zum 24.12. verfliegen wie im Flug. Denkt an meine Worte!

Am Wochenende habe ich tatsächlich intensiv an Weihnachten gedacht und darüber sinniert was Weihnachten eigentlich so ausmacht. Ich gebe zu, ich hatte ein etwas melancholisches Wochenende, aber auch das gehört ja irgendwie zum Leben dazu.

Und wisst Ihr wie ich auf die ganze Weihnachts-Arie kam? Ich habe ganz unweihnachtlich Äpfel von einer Wiese geklaut. Gestern. Am heiligen Sonntag.
Der Baum hat mich bei meinem letzten Spaziergang so leidend angeblickt, weil seine Äste so sehr von den ganzen Äpfeln nach unten hingen, dass ich gestern dem Leiden einfach ein Ende machen musste. Ich habe gepflückt was da Zeug hielt und mir bei jedem Apfel gedacht: So…Du wirst zu Apfelmus verarbeite, Du zu Crumble, Du zu einem köstlich duftenden Apfelkuchen und Du zu Bratapfelmarmelade. Da keiner der gepflückten Äpfel mir ein Widerwort gab, bin ich davon ausgegangen, dass eine absolute Zustimmung in Bezug auf die Verwertungs-Verteilung der Äpfel bei ihnen lag. Ok.-ein Widerwort als solches gab es nicht, aber vielleicht doch ein sanfter Protest. Zumindest bildete ich mir dies ein, als ein kleiner frecher rotbackiger Apfel ohne Vorwarnung mit einem komischen Klong-Geräusch auf meinem Kopf landete, um dann in einem Meer von herabgefallenen Blättern zu verschwinden. Kleine Sünden werden dann wohl doch schneller bestraft, als man denkt. Die Beule am Kopf spüre ich heute nämlich ziemlich deutlich. Ich hab den Wink von da ganz oben verstanden-vielen Dank für die Lektion!

Bratapfel Marmelade 2

Als ich mich dann bückte, um den fiesen kleinen Apfel aus dem Blätterwust am Boden zu fischen, tasteten meine Hände zwischen all dem Laub nicht nur Apfelmus aus Fallobst, sondern zogen auch ein etwas mitgenommen aussehendes Stück Papier hervor. Zuerst dachte ich, dass es irgendeine Werbebeilage einer Zeitung sei, die vom Herbstwind hierher geweht wurde. Aber Miss W. ist ja ein eher neugieriger Mensch (eine Freundin von mir nennt es „wissbegierig“, das klingt positiver :) ) und hat sich den Zettel dann doch mal genauer betrachtet. Hach, und was soll ich Euch sagen? Nix Werbebeilage. Keine alte Zeitung. Ein Liebesbrief. Hier mitten auf der Wiese im zertretenen Fallobst unter dem Laub. Da ich den Brief natürlich nicht hier im Original online stellen wollte, habe ich ihn Euch kurz aufgeschrieben.

Liebesbrief

Ist der nicht wunderschön? Natürlich fragt man sich in diesem Moment, warum diese schönen Zeilen hier irgendwo auf dem feuchten Boden rumliegen. Hat er sich doch nicht getraut Ihr den Brief zu geben? Hat sie den Brief einfach achtlos weggeworfen? Ist er vielleicht einfach aus einer Tasche gefallen, bevor er überreicht werden konnte oder nachdem er gelesen wurde? Fragen auf die ich natürlich nie eine Antwort bekommen werde. Vielleicht sollte ich einen Aushang im Rewe machen: „Liebesbrief auf Wiese gefunden-wer ihn vermisst kann ihn im House No.15 abholen.“ Ob da einer kommt? Also ich würde meinen verlorenen Brief abholen. Ich hoffe Euch fällt auch mal der Himmel mit solch einem Brief auf den Kopf (natürlich ohne Beule am nächsten Tag).

Auf dem Nachhauseweg habe ich darüber nachgedacht, wie schade es doch ist, dass im heutigen Zeitalter von Handy, Email & Co. das Schreiben mit der Hand so völlig verloren gegangen ist. Jeder tippt nur noch alles ein. Die Sätze werden auf 3-5 Worte im Schnellsende-Modus geschrieben, meist bekräftigt durch kleine gelbe Smileys, die mal küssen, mal grinsen oder verärgert schauen, um diesen wenigen Worten wenigstens einen winzig kleinen Unterton mitgeben zu können. Ich gehöre auch zu dieser Sorte Mensch, dessen Daumen wohl schon verkürzte Muskeln und Sehnen aufweist, die mittlerweile Abkürzungen wie OMG und GN benutzt und für die es manchmal leichter ist schnell eine Nachricht über das Handy loszuschicken, als denjenigen kurz anzurufen oder gar mal einen Brief oder eine Postkarte zu schreiben. Fragt man mal in die Runde, ob andere noch „echte“ Karten und Briefe schreiben, heißt es oft: „ Ach dafür habe ich ja gar keine Zeit!“ „Das ist mir zu umständlich.“ „Hab ich schon ewig nicht gemacht. Allein weil ich dann auch noch zur Post laufen muss.“ „Email geht doch viel schneller und einfacher.“

Stimmt. Email geht schneller. Stimmt. Man muss auch noch eine Briefmarke bei der Post besorgen. Stimmt. Es beansprucht Zeit. Stimmt. Alles. Aber….

Bratapfel Marmelade 4

Während ich in meiner Küche stand und mir der wunderbare Duft der Bratapfelmarmelade, die ich aus den gesammelten Äpfeln gekocht habe, in die Nase stieg, habe ich beschlossen diese Woche zur „Housepost-Week“ zu ernennen. Irgendwie kam mir der feierliche Gedanke (es roch ja so nach Weihnachten in meiner Küche), mir einfach mal bewusst Zeit zu nehmen, um einen Brief zu schreiben. Jemandem meine Wertschätzung mit einer handgeschriebenen Karte mitzuteilen. Sich auf den Weg zur Post zu machen und alles zu verschicken. Sich Zeit nehmen für Gedanken und Wertschätzung für den anderen. Das bleibt leider auf der Strecke, in der heutigen schnelllebigen Zeit mit Handy & Co. In der Zeit von Weihnachten besinnen sich ja doch die einen oder anderen ja auch darauf. Aber warum bis Weihnachten warten?

Bratapfel Marmelade 5

Ich mache mir jetzt ein Brot mit dieser wunderbaren Bartapfelmarmelade (die übrigens auch toll auf Vanilleeis schmeckt), setzte mich an meinen Schreibtisch und werde lieben Menschen eine Karte oder einen Brief ganz altmodisch per Hand schreiben. Das Handy und der Computer bleiben in dieser Zeit aus! Kein Blinken oder blöde zwitschernde Töne sollen mich dabei ablenken.

Macht Ihr mit und verschickt handgeschriebene Post? Nehmt Euch doch mal die Zeit und macht einem Menschen, den Ihr gerne habt, eine unerwartete Freude, dass nicht nur Rechnungen und Werbung im Briefkasten liegen, sondern ein ganz persönlicher Gruß von Euch.

Falls Ihr keine Karte zur Hand habt, könnt Ihr Euch hier eine HOUSEPOST herunterladen. Und falls Ihr zu Eurem Brief oder Eurer Karte noch die Bratapfelmarmelade verschenken möchtet, gibt’s hier das Etikett dazu.

Wie die Marmelade gemacht wird seht Ihr hier:

5.0 from 8 reviews
Bratapfelmarmelade
 
Author:
Ingredients
  • 1 kg säuerliche Äpfel
  • 50 g Rosinen
  • 50 g Mandel(n), gehobelt
  • 100 ml Apfelsaft
  • 3 EL Zitronensaft
  • 500 g Gelierzucker, 2:1
  • ½ TL Zimt
  • 1 Vanilleschote(n), das Mark
Instructions
  1. Die geschälten Äpfel in kleine Würfel schneiden und mit den Rosinen, dem Apfelsaft und der ausgekratzten Vanilleschote weichkochen. (die Vanilleschote mit kochen)
  2. Die Mandeln in der Pfanne anrösten.
  3. Die Vanilleschote entfernen.
  4. Den Zimt, die Mandeln und den Zitronensaft unterrühren.
  5. Danach den Gelierzucker dazu geben und für ca. 4 Minuten sprudelnd aufkochen.
  6. Alles in heiß ausgespülte Gläser füllen.

Falls ich Euch auch mal ein paar ganz persönliche Zeilen per Hand schreiben soll, sagt mir unter mail@houseno15.de Bescheid, gebt mir Eure Adresse und schon ganz bald flattert eine kleine Housepost zu Euch in den Briefkasten.

Ich nehme mir jetzt mal 2 Stunden ganz bewusste Zeit und bin dann jetzt mal offline.

Eure

Tanja

aus dem House No.15

P.S: Dieser Beitrag entstand übrigens NICHT mit freundlicher Unterstützung diverser Brieftransport-Unternehmen! Meine Briefmarken kaufe ich mir nämlich immer selbst…am Schalter…in meiner kleinen Provinz-Poststelle…bei einer sehr netten Dame….die es verdient hätte auch mal Post zu bekommen.

Falls Ihr noch Lust auf weitere tolle Rezepte für den Herbst habt, schaut unbedingt mal hier in dieses wunderschön gestaltete Online-Magazin von Dorit Schmitt. Dort erscheint dann auch ab November in der neuen Ausgabe meine Bratapfel-Marmelade.

 

 

Olivenöl-Trüffel-Praline

{…oder die ewige Frage: „Passt das zusammen?“…}

Olivenölpralinen1.1

Irgendwie ist das ganze Leben ein großes Memoryspiel.
Ständig stellt man sich die Frage: „Passt das zusammen?“
Morgens geht das Suchspiel schon in die erste Runde. Passt der rote Pulli zur gelben Hose? Passt die braune Tasche zu den blauen Schuhen?
Am Abend ein ähnliches Schauspiel in derselben Kulisse. Passt das kleine Schwarze oder eher Jeans und Bluse zu dem Anlass der Party? Oh man… ich weiß das sind eindeutig Frauenprobleme.

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Aber nicht nur das weibliche Geschlecht hat Probleme etwas Passendes zu finden.
Meine Freundin Claudia recherchiert gerade für Ihre Doktorarbeit das Thema „Partnersuche im Internet“. Natürlich muss sie dafür im Selbstversuch diverse Plattformen testen und hat sich demnach bei einigen Anbietern angemeldet. Da sie tatsächlich ein Single-Dasein fristet (was sie nach eigener Aussage ziemlich genießt) gibt es also auch keine Eifersuchtsdramen im häuslichen Umfeld. Nach der erfolgreichen Registrierung und Sofortüberweisung der anfallenden Gebühren geht es dann auch schon gleich los. Und das tollste…Ich sitze immer live daneben.
Am lustigsten finde ich ja das Ausdenken der Nicknamen und die Beschreibung der eigenen Person, bei der ich ganz hochoffiziell Ghostwriter sein darf. Und Freunde, ich sage Euch: wenn die richtigen Getränke am Start sind, hat Claudia auf einmal Fähigkeiten und Hobbies, die selbst den uninteressiertesten Stubenhocker aufhorchen lassen. Natürlich haben wir pro Partnerportal ganz verschiedene Charaktere erschaffen, der Test musste ja schließlich vielschichtig sein.
Meine Freundin leidet, seit dem ich sie kenne, unter Höhenangt. Jetzt ganz im Ernst! Aber so ganz heimlich über Nacht hat sie auf einmal so aufregende Hobbies wie „Segelfliegen“, „Bungeejumping“ und Fallschirmspringen. In einem anderen Portal liebt sie es stundelang im Garten zu wurschteln, obwohl sie im 8. Stock eines Hochhauses in der City wohnt, in dem man die Balkone von innen grün angestrichen hat, damit man wenigstens einen Mü das Feeling hat, dass man sich tatsächlich draußen befindet. Selbst der Basilikum auf dem Küchenfensterbrett lebt bei Claudia meist nicht länger als 4 Tage.
Und seit dieser Paarsuch-Aktion hat meine Freundin schon so oft den Job gewechselt, wie andere Leute Ihre Schlüpfer. Von A wie Astrologin und Arbeitssuchende bis zu Z wie Zahnärztin, über F wie Fleischereifachangestellte und selbständige Fußpflege. Ja ja, so vielschichtig ist die Gute! Wobei es einem ja freigestellt ist, ob man den Beruf angibt. Alles eine ziemlich spannende Sache und für unsere Lachmuskeln das beste Training überhaupt.

Aber mal ehrlich: Heutzutage ist ja die Partnersuche im Netz gar nicht mehr wegzudenken. Während der frühe Neandertaler noch den Baum mit seinem Duftstoff markierte, muss der heutige Homosapiens bestenfalls im Zweifinger-Suchsystem halbwegs kreativ ein Benutzerprofil erstellen und schon hat man die Chance den Partner fürs Leben zu finden. Zumindest angenehmer und bequemer als an einem markierten Baumstamm zu schnuppern. Aber letztlich geht es doch immer nur um das zentrale Thema „Wer passt zu mir?“. Oder besser gesagt, wieviel Prozent Übereinstimmung werden vom Computer errechnet.
Nachdem Claudia dann ihre ersten Anfragen bekommen hatte, druckten wir alle Profilbilder im quadratisch-praktischen-Instagramformat in doppelter Ausführung auf dickerem Papier aus und trafen uns an einem weiteren Abend bei zwei weiteren Flaschen Rotwein, um „Kerle-Memory“ zu spielen. Die Idee dahinter war, dass das erste aufgedeckte Pärchen auch gleichzeit ihr erstes Date werden würde. Das große Los fiel auf Ansgar, der in seiner eigenen Beschreibung gerne zu Hause DVDs schaut, klassische bis moderne Musik hört (was bedeutet bitte modern?), sammelt alte Autozeitschriften und singt einmal in der Woche im Gesangsverein. Sorry Claudia, ich konnte doch nix dafür, dass ich ausgerechnet den „spannendsten“ von allen aufgedeckt habe. Optisch konnte Ansgar allerdings in der ganz oberen Liga mithalten. Und da haben wir es wieder… Wie passt so ein gottgeschaffenes optisches Wunderwerk (ooookeeee…ich übertreibe ein wenig) mit diesen Hobbies überein? Aber genau das ist es ja, was das Leben so spannend macht. Für eine andere Claudia (oder Carina, Mechthild, Silvia), irgendwo da draußen in der Welt, wäre so ein Ansgar der Held ihrer schlaflosen Nächte. Im Schlafzimmer würden die DVDs in Dauerschleife laufen, während er ihr verliebt ein Lied in D-Moll trällert und sie gemeinsam seine Autozeitschriften archivieren. Irgendwie und irgendwo gibt‘s immer das Passende. Man muss eben nur das passende Puzzleteil aufspüren, oder die richtige Memorykarte rumdrehen.

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Natürlich ist ja auch immer alles eine Frage des Geschmacks. Mag man es, bzw. „passt es einem“? Sei es bei Menschen, Farben, Muster, Kleidung, Gerüche, Musik oder aber natürlich beim Essen.
Beim Essen liegt der Spagat zwischen lecker und wääääh zumindest bei ungewöhnlichen Kombinationen sehr weit auseinander. Der Experimentierfreudige sagt: „Das könnte passen!“ Der Ängstliche denkt: „Igitt das passt doch niemals zusammen“ und steckt sich wieder eine Gabel voll althergebrachtes Wiener Schnitzel in den Mund.
Zu welcher Kategorie Ihr bei meinem heutigen Rezept gehört wird sich gleich weisen. Denn heute gibt es housegemachtes Trüffelkonfekt mit Ölivenöl und Fleur de Sel. Meine Meinung: DAS PASST! Aber sowas von perfekt!!!

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Allerdings muss ich eine kurze Einschränkung hinzufügen: es schmeckt wirklich nur, wenn Ihr bestes Olivenöl verwendet. Und natürlich beste Schokolade (aber das versteht sich bei Trüffel ja von selbst!).
Mein Olivenöl hat mir der liebe Rudi Braun von Antikleia geschenkt und ich bin sowas von beeindruckt von dieser coolen Flasche. Das Öl ist nicht nur ein Hingucker in der Küche, sondern auch im Geschmack erstklassig. Mein Olivenöl No.1!
Solltet Ihr also Lust auf bestes griechisches Olivenöl haben, schaut unbedingt hier vorbei!

Olivenölpralinen9.1

Seid auf jeden Fall mutig und experimentierfreudig und probiert diese Kombination von zartschmelzender Schokolade, kräftigem Olivenöl und einem Hauch Salz aus. Es lohnt sich und PASST!

5.0 from 7 reviews
Olivenöl-Trüffel-Praline
 
Author:
Ingredients
  • 175 g Sahne
  • 30 g Honig
  • 200 g beste dunkle Kuvertüre (70 %), gehackt
  • 200 g beste Vollmilchkuvertüre, gehackt
  • 100 ml kräftiges Olivenöl
  • Fleur de Sel
  • etwas Öl für die Form
Instructions
  1. Die Sahne und Honig aufkochen, den Topf vom Herd nehmen und beide Kuvertüresorten in der heißen Sahne schmelzen lassen.
  2. Das Olivenöl zugießen und alles mit einem Kochlöffel glatt rühren.
  3. En wenig Fleur de Sel unterrühren (ganz nach Geschmack)
  4. Eine rechteckige Form (30 x 21 cm) leicht ölen und mit Frischhaltefolie auslegen.
  5. Die Ganache etwa 1 cm hoch einfüllen und die Form über Nacht kühlstellen.
  6. Am nächsten Tag mit einem kleinen Löffel die festgewordene Ganache abstechen und in der Hand zu kleinen Kugeln rollen und wieder in den Kühlschrank stellen.
  7. Vor dem Servieren mit dunklem Kakaopulver bestreuen und nach Belieben noch etwas Fleur de Sel darüber geben.

Also ich habe den passenden Partner für meinen entspannten Nachmittagskaffee oder als Abschluss eines gelungenen Dinners in dieser schokoladigen-olivenöllastigen-Sünde gefunden.

Ich hoffe alle Eure Töpfe haben den passenden Deckel und Ihr seid Profi-Memory-Spieler!
Genießt das Wochenende!

Es grüßt Euch Eure

Tanja

aus dem House No.15

P.S. Claudia entschuldigt sich übrigens für die Schummelei zum Zwecke ihrer Doktorarbeit.

Sommer-Kirsch-Trüffel

Kirschtrüffel4.1

Vor zwei Tagen hatte ich nachts einen akuten Nigella Lawson-Anfall.
Für alle die Nigella Lawson nicht kennen: Sie ist eine britische Fernsehköchin und Buchautorin und mittlerweile gibt es ihre Sendungen auch im deutschsprachigen Fernsehprogram. An ihren, nun sagen wir, runden weiblichen Formen, kann man durchaus erkennen, dass Sahne & Co. häufiger verwendete Zutaten in ihren Rezepten sind. Aber noch mehr, als die viele Sahne, stört mich, dass sie am Ende jeder Sendung, quasi wenn der Abspann kommt, immer im Dunkeln in die Küche tapst. Dann wird ihr Gesicht durch das fahle Kühlschranklicht beleuchtet und man sieht wie sie tief mit dem Kopf in die Kühlzone eintaucht, um sich dann gierig mit der Hand Reste vom Mittag- oder Abendessen in den Mund zu stopfen. Gerne auch mal große Stücke Kuchen mit Schlagsahne. Puh…
Aber ich darf ja gar nicht lästern. Vor zwei Tagen ging es mir nämlich ähnlich.
Wieso wacht man bitteschön nachts auf und kann vor lauter Lust auf Kekse oder Pralinen nicht mehr schlafen? Nein- ich bin nicht schwanger! Ich bin kurzzeitig mal vom Nigella-Lawson-Syndrom infiziert. Zum Glück kommt das ja äußerst selten vor, aber wenn es dann mal zuschlägt, dann so richtig.

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Also tigerte ich in tiefster Dunkelheit durchs House in Richtung Küche, natürlich nicht ohne mir vorher mal schön den kleinen Fußzeh an einer Wasserkiste im Flur anzuschlagen. Warum parken nachts Wasserkisten bei mir im Flur? Nigella stößt sich nachts nie irgendwas in vollkommener Dunkelheit! Wie macht sie das? Noch dazu sieht sie nachts besser aus, als ich, die wie das Haarmonster aus der Muppets Show völlig orientierungslos herumirrt und bei Weitem ein nicht so schicke Schlafdress trägt wie sie! Ich sollte nachts wirklich besser schlafen…. Aber die Lust auf Kekse und/oder Pralinen war einfach zu übermächtig.

Auf dem Küchenschrank steht seit letztem Weihnachten eine Dose. Immer noch halb voll mit Keksen, bzw. selbstgebackenen Plätzchen. Genau die sollten meiner Gier heute zum Opfer fallen.
Wer mitten in der Nacht schon mal auf den Küchenschrank geklettert ist, um eine Dose von dort oben herunterzuholen, wird wissen, dass dies nicht unbedingt ein Spaziergang ist. Zumal mein Fußzeh echt ziemlich geschmerzt hat. Aber was tut man nicht alles für seine Süchte. Die Dose war zum Glück noch da. Aber vom Inhalt fehlte jede Spur. Hallo? Wo waren sie denn alle hin, die leckeren Sterne, Tannenbäume, Elchköpfe und Nikolausstiefel, dich ich vor 9 Monaten stundenlang ausgestochen und gebacken hatte? Aber es blieb keine Zeit zum Nachdenken. Der Schmacht nach Süßem meldete sich unmittelbar wieder nach dem frustrierenden Fund der leeren Keksdose. Fast wäre ich beim Runterklettern von der Arbeitsfläche in die Tiefen gestürzt. Zum Glück aber nur fast.
In einer der unzähligen Schubladen mussten doch noch die Pralinen liegen, die ich vor einiger Zeit von einem Kunden geschenkt bekommen habe… Und schon fing ich an wie eine Gestörte die Schubladen aufzuzerren und mit lautem Fluchen darin herumzuwühlen. Aber auch diesmal ohne Erfolg. Auch die Pralinen waren verschwunden. Weg. Unerklärlich.
Völlig deprimiert musste ich dann wohl oder übel die widerlichen Piemontkirschfüllungs-Dinger in den Mund stopfen (die waren bestimmt auch schon so alt wie meine Plätzchen-droht der Hersteller nicht jedes Jahr mit Sommerpause?). Naja zumindest war auch ne Ladung Kirschwasser mit drin, so dass ich danach auf schnellen und zufriedeneren Schlaf hoffen durfte. Mit einem echt ekligen Piemontkirschgeschmack bin ich dann wieder ins Bett gegangen.

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Am nächsten Morgen ging mir dieses Nigella-Lawson-Erlebnis nicht aus dem Kopf. Und egal ob Sommerpause hin oder her, habe ich beschlossen mir meine eigenen Pralinen zu machen. So! Und auch nicht mit ekliger Piemontkirsche, sondern mit erstklassigen House-Kirschen aus dem Garten. Naja und weil ich ja in der Nacht auch so furchtbare Lust auf Plätzchen hatte, wurden also kurzerhand auch noch ein paar Kekse gebacken. Das geht ja auch im Sommer bei 38 Grad ganz gut. Und als dann der Ofen noch so schön warm lief, war ich kurz in der Stimmung die White Christmas CD anzuwerfen. So viel zum Thema antizyklisches Denken und Arbeiten…
Herausgekommen sind dann zwei wundervolle Sorten Pralinen, dessen Herstellung bei diesen Außentemperaturen doch kniffliger war als gedacht. Aber sie vereinen einfach alles, was ich mir in der dieser Nacht so gewünscht hätte. Wunderbare Creme mit Kirschgeschmack, gespickt mit feinsten Butterkeksen und umhüllt von bester Schokolade.

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Jetzt lagern die kleinen Schmachtbällchen in meinem Kühlschrank. Und bevor ich das nächste Mal nachts einen Nigella-Lawson-Anfall bekomme, gehe ich jetzt noch schnell nette Nachtwäsche kaufen, damit mein Glück in Zukunft auch perfekt ist, wenn ich mit meinem Kopf genau wie sie im Kühlschrank hänge und ungeniert Süßkram in mich reinstopfe. Zumindest hat das Ganze dann optisch Stil….

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Aber wo meine Kekse und die Pralinen hingekommen sind bleibt mir immer noch ein Rätsel. Vielleicht habe ich diese Nigella-Lawson-Anfälle doch öfter als gedacht und ich merke es schon nicht mehr?!
Sollte Euch die Pralinen-Sommerpause auch völlig schnurz sein oder habt Ihr auch nachts unkontrollierbares Verlangen nach Keksen und Pralinen, verrate ich Euch schnell das Rezept. Ist übrigens auch ein tolles Weihnachtsgeschenk…nur mal so… Ich sage Euch: Weihnachten kommt wieder schneller als es einem lieb ist!

5.0 from 6 reviews
Sommer-Kirsch-Trüffel
 
Author:
Ingredients
  • Trüffel mit Kirschfüllung:
  • 400 g weiße Kuvertüre
  • 50 g weiche Butter
  • 1 Handvoll Kirschen entsteint
  • 3 EL Cassis-Pulver
  • 2 EL Zucker
  • Butterkekse nach belieben
  • Schwarze Trüffel mit Kirschwasser:
  • 150 ml Sahne
  • 100 g Kirschwasser
  • 35 g Butter
  • 600 g Zartbitter-Kuvertüre
  • Butterkekse nach Belieben
Instructions
  1. Trüffel mit Kirschfüllung:
  2. Die Kirschen kurz in 1 EL Wasser weichkochen und anschließend pürieren.
  3. Die Butterkekse grob zerkrümeln.
  4. Dann 250g Kuvertüre fein hacken und mit Butter und 2 TL Cassispulver schmelzen.
  5. Die pürierten Kirschen und die Butterkekse unterrühren.
  6. Die Masse in einer Schüssel abkühlen lassen und 3 Stunden kalt stellen.
  7. Aus der Masse etwa 15 Kugeln formen und wieder kalt stellen.
  8. Die restliche Kuvertüre über dem Wasserbad schmelzen und die Kugeln damit überziehen.
  9. Wieder erkalten lassen.
  10. Zum Schluss die Pralinen in Zucker und im übrigen Cassis-Pulver wälzen.
  11. Schwarze Trüffel mit Kirschwasser:
  12. Sahne und Butter aufkochen und vom Herd nehmen, 300 g Kuvertüre in Stücke brechen und in der heißen Sahne zu einer cremigen Masse rühren.
  13. Das Kirschwasser nach und nach unter die Schokomasse und alles etwa 10 min. rühren.
  14. Dann die Butterkekse unterheben.
  15. Die Masse bei Raumtemperatur abgedeckt mit Frischhaltefolie am besten über Nacht abkühlen.
  16. Nun mit einem Teelöffel kleine Portionen abstechen und in der Hand zu Kugeln formen. Diese Kugeln am besten auf Backpapier gelegt für etwa 15 min. in den Gefrierschrank stellen.
  17. Die restliche Kuvertüre über dem Wasserbad schmelzen und die Kugeln damit überziehen.

So, und jetzt rein in die Flip Flops und den Sommer ohne Pause genießen!
Habt eine schöne Woche!
Eure

Tanja

aus dem House No.15

Coco-Loco-Kokosnuss-Eis

Kokoseis 4

Was Gerüche im Kopf so auslösen können…

Vor ein paar Tagen stehe ich im Supermarkt an der Kasse und warte mal wieder geduldig darauf meine Einkäufe bezahlen zu dürfen, während in vorderster Reihe eine sportliche Mitsiebzigjährige vor dem Beladen des Förderbands nochmal in aller Seelenruhe die Joghurts und deren Verfallsdatum kontrolliert. (Über ähnliche Situationen habe ich ja schon einmal hier berichtet.)
Direkt vor mir steht eine Dame, die bei jeder ihrer Bewegungen einen wunderbaren Duft verströmt. Kokosnuss. Bei jeder ihrer Arm- und Körperbewegungen, werde ich in Richtung Karibik katapultiert und sehe mich ganz in weiß gekleidet und mit offenem wehenden Haar, mit einem weißen Riesen-Strohhut in der Hand, locker den Strand entlang rennen. Immer das Ziel von kleinen weißen Kokosraspel ummantelten Cremebällchen vor Auge. Als sich diese Vorstellung dann auch noch mit der Melodie von „Summer dreaming“ mischt, höre ich hinter mir eine tiefe männliche Stimme ärgerlich sagen: “Junge Frau, es geht dann weiter!“ PLÖP macht es in meinem Kopf und der Traum zerplatzt mit dem gleichen Gefühl, wie wenn man auf Kaviar beißt.
Die Kokusnuss-Frau ist unterdessen mit dem Bezahlvorgang beschäftigt und ich habe noch nicht mal ein Produkt meines Einkaufs vom Wagen auf das Band verfrachtet. Der Geruch von Kokosnuss-Traumurlaub klebt immer noch in meinen inneren Nasenflügen und macht auch keine Anstalten sich zu verflüchtigen.
„Möchten Sie vielleicht vor?“, frage ich den leicht säuerlich dreinblickenden Herrn hinter mir. „Ich habe noch etwas vergessen!“ Dann setze ich meinen Hundeblick-damit-er-mir-nicht-böse-sein-kann auf, versuche in dem engen Kassengang mit meinem Einkaufswagen zu wenden und kutschiere meinen Wagen an allen wartenden Kunden mit hochrotem Kopf vorbei.
„K O K O S“ hallt es in meinem Kopf. Wie eine Süchtige schiebe ich fremdgesteuert in Richtung Drogerie-Artikel-Regal. Selbst die bunten Farben im Nagellack-Aktions-Ständer sind mir an diesem Tag nicht aufgefallen. Dafür aber die Bodylotion mit der verführerischen Aufschrift ‚mit frischem Kokosduft‘.
Keine Ahnung, ob man Bodylotin im Supermarkt testen darf, wenn nicht explizit „Tester“ drauf steht.
Meine Nase testet immer! Auch Deos (kurz in die Luft sprühen), Flüssigwaschmittel, Duschgel (was mir dann meist beim Draufdrücken eine volle Ladung in die Nase pumpt), und eben Bodylotion. Wer kauft bitteschön die Katze im Sack? Also schmiere ich mal kurz meinen linken Unterarm mit Coco-Loco-Creme ein und warte ab, was passiert.
Die Reaktion meiner Haut war phänomenal. Direkt nach dem Urlaubs-Geruch-Feeling, kam dann das Urlaubs-ich-bin-voll-zerstochen-Feeling. Zumindest hat es an der Stelle genauso gejuckt… Und wenn man bedenkt, dass ich in diesem blöden Supermarkt stehe, mein Arm stellenweise rote Hautirritationen aufweist und ich trotzdem das Bedürfniss habe direkt hineinzubeißen, ist bei der Bodylotion-Aufschrift „Coco-Loco“ echt Name Programm. Also muss Plan B zum Thema Kokosnuss her:

Kokoseis 7

Mit meinem Bounty-Rafaello-Duft-Arm steuere ich dann also die gekühlten Frischetheken an und lade mir eine Packung Kokosnussmilch in den Wagen. Dazu noch eine Dose Kokosnusscreme, pflücke im Vorbeifahren noch eine echte Kokosnuss aus der Obst-und Gemüse-Landschaft und ab geht es wieder in Richtung Kasse.
Die Kokosnuss-Frau ist natürlich schon längst weg, sonst hätte ich sie mal befragt, ob sie auch Hautirritationen von ihrer Creme bekommt, oder wie sie es schafft so lecker zu riechen. Vielleicht hatte sie ja am Abend zu vor auch nur Unmengen an Piña Colada und dünstete diese aus…?! (auch diese Methode könnte ich mal testen…hmz)
Nach dieser langen Story wollt Ihr sicher wissen, was dann aus den ganzen Zutaten geworden ist und wie ich meine Kokos-Sucht stillen konnte…

Kokoseis 2

Es gab ein erstklassiges Coco-Loco-Kokosnuss-Eis. Und für alle tierischen-Produkte-Verabscheuer unter Euch: es ist sogar VEGAN! Trotz, dass keine Sahne oder ähnliches verwendet wurde ist es super cremig und schmeckt, als hättet Ihr einen Löffel Sonnenöl eingefroren. Iiiiihhh nein, das klingt eklig! Also es schmeckt einfach unglaublich gut und versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung.

Kokoseis
Und wenn Ihr es dann noch mit gerösteten Kokosflocken bestreut, dabei eine CD mit Merresrauschen hört, Euch in die Sonne setzt und die Augen schließt, ist Euch ein Hirn-Urlaubs-Tag garantiert. Und alles unter 8,50 €…so günstig kommt man nie wieder in den Urlaub. Fehlt nur noch einer der die Liege am Pool mit dem Handtuch um 5:23 Uhr reserviert und einer der mir den Rücken eincremt.

Kokoseis 1

Und so wird’s gemacht:

5.0 from 8 reviews
Veganes Kokosnuss-Eis
 
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Ingredients
  • 200 g Kokoscreme
  • 300 ml Kokosmilch
  • 3 EL Agavendicksaft
  • 50 g Kokosraspeln
Instructions
  1. Die Kokosraspeln ohne Fett in einer Pfanne anrösten. Achtung sie verbrennen sehr schnell!
  2. Dann die Kokoscreme mit der Kokosmilch und dem Agavendicksaft in einem hohen Gefäß pürieren und dann in die Eismaschine füllen.
  3. Die Masse in der Eismaschine so lange rühren, bis eine cremige Masse entstanden ist. Bei mir hat das knapp 20 Min gedauert.
  4. Vor dem Servieren mit den gerösteten Kokosraspeln bestreuen.

Was versetzt Euch denn so in Urlaubsstimmung?
Ich bin dann mal am Strand ;-)

Coco-Loco-Grüße von

Tanja

aus dem House No.15

Mein Eis schicke ich schnell noch zu Ina von what ina loves, da geh es nämlich in diesem Monat bei let’s cook together um das Thema Eis. Schaut mal bei Ina vorbei, es gibt wunderbare Eisrezepte zu entdecken!

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