Juni 2017 archive

Alte Wutz von Heiko Brath

{Du Alte Wutz…was ein Glück, hab ich Schwein gehabt}

Alte Wutz von Heiko Brath

Platon behauptete ja, dass drei Teile der menschlichen Seele im Gleichgewicht sein müssen, damit der Mensch glücklich sei: Vernunft, Wille und Begehren.
Heute heißt es, dass jeder seines Glückes Schmied ist und das Glück ein Zusammenspiel von bewusst getroffenen Entscheidungen und Zufällen ist. Es gibt also das Lebensglück, das durch Faktoren wie Liebe, Familie, Beruf, Finanzen und Freizeit bestimmt ist und das Zufallsglück, das ganz unerwartet und plötzlich vor deiner Tür steht.

Am heutigen MEATwoch möchte ich von meinem kürzlich mir widerfahrenen Glück berichten und wie es sich zusammensetzt:

Glück No.1: Mein persönlicher Messer-Dealer stattete mir einen Housebesuch ab, unter dem Arm eine schwarze Tasche und ein breites Grinsen auf dem Gesicht.
„Was grinst Du denn so?“
„Alte Wutz!“ schleuderte er mir entgegen.
„Sag mal geht’s noch?! Spielen wir jetzt: >>Gib mir Tiernamen<<?“ „Eigentlich eine gute Idee…,“ murmelt er, während er in der schwarzen Tasche kramt.
„…aber leider ist der Name „Alte Wutz“ schon vergeben und kann in diesem Spiel für Dich nicht mehr verwendet werden…sehr schade übrigens!“ fügte er noch an, während er zwei Bilderbuch-Koteletts aus dem Papier wickelt, das er zuvor aus der Tasche geholt hat. „Darf ich vorstellen: Alte Wutz,“ dabei drückt sein Zeigefinger ins Fleisch, „und Alte HouseDame“, sein Zeigefinger sticht mir in die Seite. Seine Mundwinkel ziehen sich von einem Ohr bis zum anderen, während ich empört nach Luft schnappe.

Wenn ich dieses Fleisch in diesem Moment nicht als das vollkommene Glück No.2 empfunden hätte, wäre eine Aneinanderreihung von unschönen Wörtern auf ihn eingeprasselt. Aber der Anblick dieser Fleischstücke, hat mir zu sehr die Freude in die Glieder gejagt, als dass ich mir das durch solche Bemerkungen hätte vermiesen lassen. Vor mir liegen also zwei dicke Koteletts mit schöner fetter Schwarte und gleichmäßiger Marmorierung. Glück No.2 ist also pures Zufallsglück, denn damit konnte ich ja wirklich nicht rechnen.

Glück No.3: Der Messer-Dealer ist just an diesem Tag mit Heiko Brath aus Karlsruhe zusammengetroffen.
Heiko ist Inhaber der Metzgerei Brath und hat den elterlichen Betrieb seit 1998 mit seiner Frau Heike übernommen. Hier ist die Liebe zum Handwerk noch wirklich großgeschrieben, man arbeitet mit Herz und Leidenschaft und hat sich ein Netzwerk aus regionalen Bauern und Lieferanten aufgebaut. So etwas zeigt sich natürlich auch in der Qualität der Ware, die hier über die Verkaufstheke wandert.

Glück No.4: Heiko kam irgendwann auf die glorreiche Idee einen Schweinerücken zu reifen. Neben seinem Dry-Age Beef hing dann also ein Stück Borstenvieh und reifte zuerst eine, dann zwei, dann drei und letztendlich 4 Wochen vor sich hin, ohne dass der Metzgermeister wusste, was passieren würde. Es war ein Test. Und genau dieser Test ist geGLÜCKt, die „Alte Wutz“ ward geboren und kurz darauf patentiert.
Voraussetzung für so eine Fleischqualität ist natürlich die Aufzucht der Tiere. Von der Haltung bis zum Futter geht es den Wutzen der schwäbisch-hällischen Erzeugergemeinschaft, mit der die Metzgerei Brath schon jahrelang zusammenarbeite, einfach saugut.

Glück No.5: Ist in diesem Fall, dass ich kein Vegetarier bin, was eindeutig in die Kategorie Lebensglück fällt.

Alte Wutz

Glück No.6: Der Messer-Dealer ist nicht nur geschickt im Umgang mit Messern, sondern macht auch am Herd eine wirklich gute Figur, so dass ich mich um die Schweinerei gar nicht groß kümmern musste. Ausnahmsweise- ich betone: a u s n a h m s w e i s e (!) habe ich mich an diesem Tag mal auf die klassische Rollenverteilung „ER Fleisch“, „SIE Salat und Abwasch“ eingelassen. Zum einen hatte ich Hunger und zum anderen muss man sich ja auch mal etwas zurücknehmen können, damit die Herren der Schöpfung nicht völlig frustriert sind.

Glück No.7: Die Sonne scheint und es ist 30 Grad warm draußen. Also fallen warme Beilagen zum Kotelett deshalb schon mal weg, es soll ja einen sommerlichen Touch haben.

Glück No.8: Ich habe genau an diesem Tag frischen Queller vom Fischhändler geschenkt bekommen, allerdings wusste ich bis zum Zeitpunkt des Eintreffens der Alten (Messer-Dealer) Wutz nicht was ich damit anstellen sollte.

Glück No.9: Die Kartoffeln sind kurz vorm Keimen und müssen verarbeitet werden.

Glück No. 10: Ich bin im Besitz von bestem griechischem Zitronen-Olivenöl.

Alte Wutz

Und jetzt mischen wir Glück No.8-10 im Glücksrad zu einem sommerlichen Zitronen-Kartoffelsalat mit Queller. Rezept hier:

Zitronen-Kartoffelsalat mit Queller
 
Author:
Ingredients
  • 800 g festkochende Kartoffeln
  • 150 ml Gemüsebrühe
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 1 unbehandelte Zitrone Saft und Abrieb
  • Antikleia Zitronen-Olivenöl
  • Salz, Pfeffer
  • 130 g Queller
  • 30 g Butter
Instructions
  1. Die Kartoffeln waschen und 25-30 Minuten gar dämpfen.
  2. Schälen, etwas ausdampfen lassen und in Scheiben schneiden.
  3. Die Zwiebeln fein schneiden, zu den Kartoffeln geben und mit heißer Brühe, dem Senf und Zitronensaft sowie -abrieb vermengen.
  4. Ca. 10 Minuten ziehen lassen und nach Bedarf noch etwas Brühe zufügen.
  5. Queller gründlich verlesen, bräunliche Partien entfernen. Dann in kaltem Wasser waschen, in einem Sieb gut abtropfen lassen und auf einem Küchentuch trocken tupfen.
  6. Butter in einer beschichteten Pfanne erhitzen und den Queller darin bei mittlerer bis starker Hitze 2-3 Minuten garen.
  7. Queller klein schneiden und zu den Kartoffeln geben.
  8. Anschließend das Zitronenöl untermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken,

 

Glück No.6 stelle ich Euch hier zum Beweis und erkläre Euch was der Messer-Dealer mit der Alten Wutz angestellt hat:

Alte Wutz von Heiko Brath
 
Serves: 4
Ingredients
  • 4 dicke Koteletts von der Alten Wutz von Heiko Brath
  • Fleur de sel
  • Pfeffer
Instructions
  1. Den Backofen oder Grill bis 120°C vorheizen.
  2. Die Schwarte dünn abschneiden, dabei darauf achten nicht in das Fett zu schneiden.
  3. Im Grill/Backofen bis zu einer Kerntemperatur von 42.47°C garen, dann den Grill hochdrehen und von beiden Seiten sehr heiß angrillen (wer im Backofen vorgearbeitet hat, bitte die Pfanne benutzen!)
  4. Die Kerntemperatur der Alten Wutz sollte am Ende bei 54-58°C liegen.
  5. Jetzt vom Knochen lösen und in Tranchen schneiden.
  6. Mit Salz und Pfeffer nach Belieben würzen.
  7. Die Schwarte nebenher bei mittlerer Hitze im Ofen so lange grillen bis sie "aufpoppt" und zum Fleisch, bzw. zur Beilage servieren.

Alte Wutz von Heiko Brath3.1

Glück No.11: Ich habe ein grandioses saftiges Stück Schweinefleisch auf meinem Teller vor mir, knabbere krosse Schwarte und schwebe auf der sommerlichen Zitronen-Kartoffelsalat-Wolke…

Ich finde mit 11 Punkten Glück in kürzester Zeit, ganz unverhofft an einem Tag, kann man echt zufrieden sein!

Tja, da hat alte Platon wohl tatsächlich Recht gehabt, denn: Die Vernunft hat mich dazu verleitet abends zu House zu bleiben (sodass ich den Messer-Dealer samt Alte Wutz empfangen konnte), der Wille hat mich dazu getrieben vorher noch nichts zu Essen (was aber vielmehr daran lag, dass ein Strandurlaub in nächste Nähe rückt- es war also eher Zufallsglück) und das Begehr… nun… darüber schweige ich mich jetzt aus….

Abschließend kann ich sagen, dass es ein rundherum GLÜCKlicher Abend war und dazu hat Heiko Brath, mit seiner Alte Wutz, maßgeblich beigetragen.
Wer mal in Karlsruhe ist, sollte also unbedingt einen Abstecher in die Metzgerei Brath machen und sich etwas Alte-Wutz-Glück mit nach Hause nehmen. Zu jedem Kauf der alten Wutz gibt’s übrigens eine großartige „Gebrauchsanleitung“:

Hier die Adresse meines MEATwoch-Glücks-Lieferanten:
Heiko Brath
Metzger| Grillmeister| Macher
Klauprechtstr. 25
76137 Karlsruhe
Tel. 0721.358060
Mail: info@metzgerei-brath.de
Web: metzgerei-brath.de

In diesem Sinne, immer schön bereit sein: das Glück lauert überall…

Eure

Tanja

aus dem House No.15

P.S. Da die Alte Wutz schnell und vor allem warm(!) verspeist werden wollte, waren das heute hier einfach mal ein paar schnelle Fotos aus der Hüfte. Das Begehr war einfach zu groß, um zu viel Zeit fürs Fotografieren zu verschwenden… Ihr versteht das, oder? ;)

Messer: Friedr. Dick
Zitronen-Olivenöl: Antikleia Olivenöl von Rudi Braun

Ginier Dich mit [dʒɪn]

 

Ginier Dich

Ab heute ist es amtlich:

Es ist Wochenende und die HouseDame geniert GINIERT sich.
Bei den gerade vorherrschenden heißen Temperaturen habe ich mir sagen lassen, dass man sehr viel Flüssigkeit zu sich nehmen soll. Dass das hauptsächlich Wasser und ungesüßte Fruchtsaftschorlen sein sollten, ignoriere ich gerade mal gekonnt…
Ich sitze viel lieber abends auf meiner Terrasse mit dem Blick aufs Meer und höre dem Wellenrauschen zu, während die Eiswürfel in meinem Glas sanft klirrende Töne von sich geben. Äh, nein, das House ist nicht schon wieder umgezogen und auch nicht im Urlaub, denn leider ist mein Ausblick aufs „Meer“ nur der Blick auf die Badewanne des mir gegenüberliegenden Hauses, dessen Bewohnern ich Dank mangels fehlender Milchglasscheibe bei ALLEN(!) Aktivitäten im Badezimmer zusehen kann (wie hier schon mal vor einiger Zeit beschrieben). Wenn das Fenster geöffnet ist und der Wind günstig steht, höre ich sogar das Rauschen des Wassers. Um dem ganzen den skurrilen Charme zu nehmen, stelle ich mir eben das Meer vor- ab jedem weiteren Gin klappt das immer besser.

In meiner neuen Rubrik „GINIER DICH!“ möchte ich Euch immer mal einen besonderen Gin und damit verbunden eine Variante mit dessen Verwendung vorstellen (und das wird übrigens nicht immer nur im Glas und mit Tonic Water sein!)

Ginier Dich

Gin-Facts

Für alle die sich genauso gerne ginieren wie ich, hier mal ein paar GIN-FACTS, damit ihr demnächst abends an der Bar den Klugscheißer-Modus anschalten könnt:

Irgendwann im Jahre 1269 wurden in Holland die ersten „medizinischen Getränke“ verzeichnet. Man behauptet, dass holländische Seefahrer irgendwo in Indien dunkle Beeren fanden, die zwar extrem würzig, aber dennoch ungeeignet für den Verzehr waren. In einem Streit schnickte einer dem anderen ein paar dieser Beeren in den täglichen überlebenswichtigen Fusel und siehe da, das Zeug schmeckte tatsächlich um ein Vielfaches besser als zuvor. Seitdem gaben die Seefahrer Wachholderbeeren in ihren Alkohol und der Gin war geboren. Allerdings hieß er da noch Genever. Trinkt man ein paar dieser Genever hinter einander weg und versucht dann 10 Mal das Wort Genever laut zu sagen, wisst Ihr wie der Name Gin entstanden ist ;)

Das Grundrezept des Gins besteht aus neutralem Alkohol und Wachholderbeeren. Dazu können 120-160 verschiedene Botanicals (Kräuter, Früchte und Gewürze) mit ins Spiel kommen. Laut der EU Richtlinien muss ein Gin mindestens 37,5 % Alkoholgehalt haben.

Der Klassiker unter den Gin-Drinks: Gin Tonic, bei dem der Gin im Verhältnis 1:1 bis 1:4 mit Tonic Water gemischt wird. Eis nicht vergessen!!!
Um das Aroma von Gin zu erriechen, ohne dass dich der Alkohol in der Nase flasht, nimmst du das Glas unter die Nase und atmest durch den geöffneten Mund. Das sieht völlig bescheuert aus, funktioniert aber perfekt!

Ginger Dich

[dʒɪn]

So, und jetzt kommen wir endlich mal zum ersten Gin, den ich Euch heute vorstellen möchte:

So wie der Name, als auch das Label schon zeigen, konzentriert sich dieser Gin tatsächlich nur auf das Wesentliche. Das Aroma besticht durch junge grüne und reife schwarze Wachholderbeeren, dazu Kafir-Limette, mehr braucht dieser Gin nicht.
[dʒɪn] hat einen sehr ausgewogenen Geschmack und benötigt eigentlich keinen großen „Schnickschnack“. Er kann auch sehr gut pur getrunken werden.
Auf http://www.genaumeingin.de könnt Ihr alles über dieses straighte Destillat erfahren.
Ich muss sagen: Das ist in der Tat genau mein Gin!

Ginier Dich

Da ich aber weiß, dass viele Leute Hochprozentiges nicht pur mögen, zeige ich Euch hier eine Variante für einen Gin Tonic mit Gurkensirup. Der ist total schnell gemacht und kann auch Mineralwasser oder Prosecco eine ganz neue und frische Note geben.

Gurkensirup für Gin Tonic
 
Prep time
Cook time
Total time
 
Author:
Serves: 450 ml
Ingredients
  • 1 große Salatgurke
  • 250 g Zucker
  • 1 Stängel Minze
  • 500 ml Wasser
  • Ingwer nach Belieben
Instructions
  1. Die Salatgurke waschen, entkernen und fein reiben.
  2. Das Wasser mit dem Zucker so lange aufkochen bis sich der Zucker gelöst hat.
  3. Jetzt die Gurkenraspeln und die Minze ins Wasser geben(nach belieben noch frischen geriebenen Ingwer dazu geben) und über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen.
  4. Am nächsten Tag den Sirup durch ein Küchentuch abseihen, nochmals aufkochen und in eine kleine Flasche, die dicht verschlossen werden kann, füllen.
  5. Im Kühlschrank hält sich der Sirup 2-3 Wochen.
  6. Reduziert man die Zuckermenge, verringert sich auch die Haltbarkeitsdauer.

Also, GINIER DICH! und probier den Gin von den coolen Jungs Lars, Fabian, Christian und Marco aus Bocholt.
Meine Flasche ist mittlerweile leider leer, steht aber dennoch sehr dekorativ auf meiner Gin-Bar, denn das Design der Flasche und des Etiketts gefällt mir ausgesprochen gut. Jungs macht weiter so!

In diesem Sinne: Hoch die Gläser! Auf Euch!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Pasta con le sarde

*Werbung*

{…Einladen ist das neue Ausgehen…}

Pasta con le sarde

Früher traf man sich abends mit Freunden zum Essen im Restaurant. Wer zeigen wollte wer er ist und was man hat, traf sich beim angesagten Szene-Franzosen, reservierte einen Tisch beim Japaner, der auch Kugelfisch auf der Karte hatte und bestellte gleich am Telefon bei der Reservierung beim Edelitaliener die teuerste Flasche Rotwein, damit diese auch wirklich an diesem Abend verfügbar war.
Heute geht man nicht mehr aus, heute lädt man ein. Und zwar zu sich nach Hause.
Einladen ist das neue Ausgehen….
Die Intentionen dafür sind ganz unterschiedlich. Die einen haben Familie und können wegen der Kinder das Haus quasi niiiiiie mehr verlassen, andere haben sich einen neuen Grill angeschafft und wollen dem Freundeskreis das neue Gerät im Wert eines Gebrauchtwagens stolz präsentieren und dann gibt es Menschen, die einfach gerne andere zu Hause bewirten, weil es schön ist seine Freunde an einem Tisch um sich herum zu haben. Der südländische Gedanke ist ganz hoch im Kurs.

Pasta con le sarde

Wie zum Beispiel Marc:
Marc ist ein Italienjunkie und liebt es diese Liebe auch nach Hause zu transportieren. Nicht nur, dass er jedes Jahr in sein Lieblingsland in den Urlaub fährt, seine Liebe geht weiter über das normale Urlaubs-Land-Liebe-Maß hinaus.
Angelo, ein Freund, nennt Marc einen italiengeilen Deutschen: ein Typ der von Mailand bis Palermo alles liebt. Angelo ist ein in Deutschland geborener Italiener und könnte schon aus der Haut fahren, wenn Marc ihm mit einem: „Ciaoooooo, come stai, Aaaangelooooo?“ (-> Hallo, wie geht es Angelo?) und angestrengt beigemischtem italienischen Dialekt begrüßt. Genervt kontert Angelo: „Ciao stronzo!“ (grob übersetzt: Hallo Kackhaufen!). Marc fühlt sich trotzdem geschmeichelt. Und selbst beim Bestellen in der Eisdiele glänzt er mit bestem Speisekarten-Italienisch, im Restaurant schmettert er ein „Due Espressi!“ quer durch den Saal, so dass auch der letzte im Raum begriffen haben sollte: Marc liebt Italien.

Pasta con le sarde

La dolce Vita-Import

Marc importiert Wagenladungen italienisches Waschmittel aus seinem Urlaub nach Hause, hat sein Wohnzimmer mit Vespa-Fotos gepflastert, schwärmt von dem Wetter, den Autobahnen, den lauten Müttern mit den dicken Kindern, liebt selbst Strandpromenaden die fast nur aus Beton bestehen und hat seinem 15 jährigen Sohn schon vorgeschlagen sich doch auch mal so eine coole (Zuhälter)Frisur wie die italienischen Teenager in den kleinen Dörfern zuzulegen. Grundsätzlich klappt Marc den Kragen seines Polohemdes nach oben und besitzt gefühlte 10 Paar braune Slipper, toupiert sein Brusthaar und dekoriert es ab und an mit einer goldenen Gliederkette. Italienische Schlager schmettert er lautstark und textsicher mit Rockstarsonnenbrille auf der Nase mit und ein seliges Lächeln huscht über sein Gesicht, wenn er einen Italiener fluchen hört. Dann kramt er sein kleines verknittertes Notizbuch aus seiner Gesäßtasche und notiert eifrig das Gehörte, um es bei nächster Gelegenheit bei Angelo anzubringen.

In Italien liest man rosa

Aus dem letzten Urlaub bekam sein ganzer Freundeskreis eine selbstgedruckte Foto-Postkarte geschickt. Marc, in knapper enger schwarzer Badehose, stehend im seichten Wasser eines überfüllten Strandes, unter dem Arm die rosafarbene Sportzeitung geklemmt (die er natürlich nie liest, sie aber immer auf dem Weg zum Strand kauft), am Ohr sein Handy und den Blick auf eine italienische Schönheit, die sich kurz vor ihm auf einer Luftmatratze im Wasser räkelt, gerichtet. Überschrift: La dolce Vita…
Wieder zurück werden alle die mit einer Postkarte beglückt wurden zum italienischen Abend eingeladen. Und so genervt viele von Marcs Freunden wegen seines Italien-Ticks sind, diesen Abend lässt sich keiner freiwillig entgehen. Mal von der Urlaubsfoto-Diashow, die meist im Hintergrund auf einer Leinwand läuft, abgesehen, sind diese Abende tatsächlich legendär, denn es kommt alles auf den Tisch was die Urlaubsregion so zu bieten hat.
Den letzten Urlaub verbrachte er übrigens in Sizilien, was zur Folge hatte, dass Zitronen so groß wie kleine Melonen, Fenchel, Distel-Artischocken und Mangold aus dem Auto geladen wurden, gefolgt von kistenweise Wein und wagenradgroßem Pecorino. Dann wird der große Esstisch im Wohnzimmer ausgezogen, Stühle von den Nachbarn geliehen und mit allem eingedeckt was der Geschirrschrank so hergibt.

Pasta con le sarde

Lebensfreude und Leidenschaft, darauf muss angestoßen werden

Marc verbringt zwei Tage in der Küche, schnippelt, brutzelt, knetet Pastateig, frittiert Reisbällchen (Arancini), nimmt Sardinen aus, backt knusprige Cannoli die mit Ricotta gefüllt werden und schmettert dabei glücklich italienische Schlager. Hier geht es nicht um zeigen was man hat, sondern um die Vermittlung von Leidenschaft, teilen mit guten Freunden, Lebensfreude verspüren. Eben genau das weshalb Marc Italien so liebt. Und er schafft es tatsächlich genau dieses Gefühl an diesem Abend zu verbreiten.
Und was wäre ein echter italienischer, bzw. sizilianischer Abend ohne das abschließende Standart-Getränk „Averna Amaro“? Egal ob pur genossen, auf Eis, mit oder ohne Zitrone.  Am besten schmeckt er allerdings in Gesellschaft. An einem Tisch im freien, mit Freunden die einem am Herzen liegen. Marc hat natürlich auch diesen aus Sizilien flaschenweise importiert, laut ihm schmeckt er dann noch eine Spur besser, wobei man diesen wirklich genauso gut hier kaufen kann.

Averna mit Gläsern

Am Morgen danach wacht Marc auf und könnte direkt schon wieder ins Auto springen, um sich erneut nach Sizilien aufzumachen. Das Heimweh nach Italien sitzt nach so einem Abend tief. Gequält ruft er bei Angelo an, um sich zumindest von seinem italienischen Freund etwas aufmuntern zu lassen und ein paar tröstende Worte auf italienisch von ihm zu hören. Aber alles was Angelo zu Marc’s Gejammer in seiner ganz eigenen herzlichen Art anmerken kann ist: „Nessun cazzo è duro come la vita..“ (*räusper -> Kein Schwanz ist so hart wie das Leben…)

Averna Amaro

In diesem Sinne stoße ich mit Euch nach einem üppigen Teller mit Pasta con le sarde mit einem Averna Amaro auf das Leben an.
Genießt es in vollen Zügen, seid leidenschaftlich und liebt das was ihr tut!

Eure

Tanja

aus dem House No.15

Hier ist noch das Rezept für die Pasta:

Pasta con le sarde
 
Author:
Serves: 4
Ingredients
  • 3 Sardellen in Salz oder 6 Sardellenfilets in Öl
  • 100 g Semmelbrösel
  • 80 ml natives Olivenöl extra
  • 1 mittelgroße Zwiebel, gehackt
  • 50 ml Weißwein
  • 1 ½ EL Tomatenmark
  • 8 frische Sardinenfilets
  • 30 g Sultaninen
  • 30 g Pinienkerne
  • 3 wilde Fenchelzweige, fein gehackt, oder 1 TL Fenchelsament
  • Meersalz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 400 g Pasta
Instructions
  1. Sardellen abspülen und trocken tupfen. Mit einem Finger an der Mittelgräte vorsichtig entlangfahren, um sie zu lösen, und die Gräte dann einfach herausziehen. Sardellen in Öl, falls verwendet, abtropfen lassen.
  2. Die Semmelbrösel in einer Pfanne ohne Zugabe von Fett bei mittlerer Hitze rösten, bis sie zwar kräftig gebräunt sind (Achtung nicht anbrennen lassen!)
  3. In einem Topf 60 Milliliter Olivenöl erhitzen und die Zwiebel unter häufigem Rühren ohne Farbe weich schwitzen.
  4. Die Sardellen hinzufügen und rühren, bis sie zerfallen.
  5. Wein dazugießen und aufkochen lassen, damit etwas Alkohol verdampft.
  6. Das Tomatenmark und so viel Wasser einrühren, dass die Mischung eine saucenartige Konsistenz bekommt. Sardinenfilets, Sultaninen, Pinienkerne, Safran und wilden Fenchel oder Fenchelsamen hinzufügen.
  7. Vorsichtig durchmischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und 10 Minuten köcheln lassen.
  8. Reichlich Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen, salzen und die Pasta al dente garen (dafür von der auf der Packung angegebenen Garzeit etwa 1 Minute abziehen). Abseihen, dabei einen Teil des Kochwassers auffangen.
  9. Die Pasta zur Sardinensauce geben und durchmischen, dabei nach Bedarf ein wenig von dem Kochwasser hinzufügen, um die Sauce etwas aufzulockern.
  10. Mit dem restlichen Olivenöl beträufeln und mit den gerösteten Semmelbröseln bestreuen.

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Averna Amaro. Vielen Dank für die schöne und stimmungsvolle Zusammenarbeit!